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Lokalsport
Wiedersehen mit der verflossenen Liebe

Einzelkritik: Tah bester Leverkusener, Mehmedi geht unter
Einzelkritik: Tah bester Leverkusener, Mehmedi geht unter FOTO: ap, FO
Leverkusen. Bei Borussia Mönchengladbach wurde Christoph Kramer zum gestandenen Bundesliga-Akteur, zum Nationalspieler - zum Weltmeister. Heute muss er die Gefühle für seinen Ex-Klub ausblenden - denn Bayer 04 steht unter großem Druck. Von Simon Janssen

Christoph Kramer wird heute viele Hände schütteln und eine herzliche Umarmung nach der nächsten erhalten. Es ist immer noch Liebe. Vielleicht etwas eingerostet, aber die Emotionen sind noch da. Wäre der 24-Jährige kein Profi, dann müsste er mit einem Gefühlschaos rechnen. Denn zum ersten Mal trifft der Mittelfeldspieler im Trikot von Bayer 04 auf seinen ehemaligen Verein Borussia Mönchengladbach (18.30 Uhr), an den er von 2013 bis 2015 ausgeliehen war. Wäre Kramer kein Profi, dann würde er sich vor diesem Gefühl fürchten. Dieses Gefühl, wie von der Ex-Freundin zum ersten Mal mit der neuen Partnerin gesehen zu werden. Die Ex-Freundin, mit der man schöne Jahre erlebte, bis die Wege sich trennten. Doch Kramer fürchtet sich nicht - Kramer ist Profi.

Als "einmalig" beschreibt der gebürtige Solinger seine Zeit bei den Fohlen, für die er mehr als 6000 Minuten auf dem Platz stand. Doch das Kapitel Borussia ist abgeschlossen - und bei der Werkself schreibt er gerade ein neues. "Ich habe in Mönchengladbach viele Freunde gewonnen und zu einigen ehemaligen Mitspielern noch guten Kontakt", sagt der Weltmeister von 2014. In den heutigen 90 Minuten werde er die Freundschaft aber ein wenig beiseite schieben, fügt Kramer an.

Viel Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen, bleibt dem Nationalspieler heute sowieso nicht, denn sein Verein steht nach einer bislang durchwachsenen Hinrunde gehörig unter Druck. Mit 21 Punkten auf Platz acht braucht das Team von Roger Schmidt eigentlich einen Sieg gegen die so stark aufspielenden Gladbacher. "Jeder kann die Tabelle lesen. Darum weiß auch jeder, dass wir nicht zufrieden sein können mit unserer Platzierung. Wir wissen aber auch, dass noch nichts passiert ist und wir erst am Ende der Hinrunde stehen", sagt Kramer. Von einer Trotzreaktion nach dem bitteren 1:1 gegen den FC Barcelona, das das Aus in der Königsklasse besiegelte, will der 24-Jährige aber nicht sprechen. "Wir haben nicht so gespielt, dass wir eine Trotzreaktion zeigen müssten", findet Kramer, der mit seiner Leistung gegen die Katalanen zufrieden war: "So zu spielen, ist mir in dieser Saison aber nur phasenweise gelungen." Kramer ist Selbstkritik nicht fremd, macht keinen Hehl daraus, dass ihm die Umstellung vom Favreschen aufs Schmidtsche System Schwierigkeiten bereitete. "Hier kann ich auch mal häufiger den Schritt nach vorne gehen als in Gladbach. Ich spiele aber noch nicht das, was ich von mir erwarte zu spielen." Sein Trainer bestätigte gestern die Sichtweise seines Mittelfeldakteurs - und stellte Forderungen. "Er soll bei uns ein Umschaltspieler werden. Diesbezüglich erwarte ich von ihm eine Weiterentwicklung. Schließlich soll er irgendwann mal Führungsaufgaben bei uns übernehmen."

Schmidt hat in seiner Trainer-Karriere schon wesentlich leichtere Wochen erlebt als die vergangenen, die geprägt waren von starken Leistungsschwankungen und unbefriedigenden Ergebnissen. Ihm könnten noch schwierigere Tage bevorstehen, sollte Bayer 04 gegen Mönchengladbach die nächste Niederlage in der Liga kassieren. An dieses Szenario scheint Schmidt aber keinen Gedanken zu verschwenden. "Ich bin davon überzeugt, dass unsere Mannschaft den Zuschauern am Samstag im letzten Heimspiel des Jahres nochmal ein echtes Highlight bieten wird. Wir haben die Fans nicht verwöhnt, es wird höchste Zeit, dass wir da etwas zurückgeben", sagte der Trainer.

Quelle: RP
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