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Nach IOC-Urteil
Was der Olympia-Ausschluss für Russland bedeutet

Infos: Reaktionen zur IOC-Entscheidung
Infos: Reaktionen zur IOC-Entscheidung
Düsseldorf/Lausanne. Mit seinem Urteil am Dienstagabend hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) Russland hart für seine Doping-Aktivitäten bestraft. Was der Ausschluss des russischen Verbands bedeutet und wie Russland reagiert. Von Jessica Balleer

Sportfans weltweit ist es selbstverständlich lieber, wenn Sportgeschichte auf dem Rasen, der Tartanbahn oder anderen Wettkampfflächen geschrieben wird. Dort herrschen die Regeln des Fairplay. Zumindest dann, wenn sich alle an die Regeln halten. Seit einigen Jahren aber wurden immer häufiger russische Athleten des Dopings überführt. 22 wurden erst im Dezember noch gesperrt. Eine riesen Zahl, die lange skeptisch stimmte und über die nun Gewissheit herrscht: Sie wurzelt in systematischem Staatsdoping in Russland, das nun durch ein Urteil mit sporthistorischer Bedeutung bestraft wurde.

Wer deckte den Dopingskandal auf?

Anfang Dezember 2014 bringt die Dokumentation "Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht" der ARD-Dopingredaktion den Stein ins Rollen. Gut ein Jahr später formiert sich die erste Sonderkommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Es ist der 10. November 2017, als die WADA ein entscheidendes Beweismittel für staatlich gelenktes Doping in Russland erhält: Das WADA-Ermittlerteam gerät in Besitz des "Laboratory Information Management Systems (LIMS)" des zentralen Dopinglabors in Moskau. Grigori Michailowitsch Rodtschenkow, der ehemalige Direktor des Anti-Doping-Zentrums in Moskau, gilt als zentraler Whistleblower. Anschließend untersuchte eine IOC-Kommission den Einfluss der russischen Behörden auf das russische Dopingsystem.

Welche Strafe hat das IOC verhängt?

Am Dienstagabend hat das IOC das nationale olympische Komitee Russlands (NOK) mit sofortiger Wirkung suspendiert. Saubere russische Athleten dürfen aber bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang (9. bis 25. Februar 2018) starten. Der Name des Teams lautet "OAR" (Olympische Athleten aus Russland). Kein Offizieller des russischen Sportministeriums darf hereingelassen werden. Der ehemalige Sportminister Witali Mutko und sein früherer Vize Juri Nagornych wurden gar lebenslang für Olympische Spiele gesperrt.

Welche Rolle spielt Witali Mutko?

Innerhalb von elf Jahren schaffte Witali Mutko den Aufstieg vom Lokalpolitiker zum Präsidenten der Region Kirow. Nach dem Fall des Kommunismus wurde er Vizebürgermeister von St. Petersburg und kam über den Fußballklub Zenit zum Sport. Mutko ist Vorsitzender des Organisationskomitees der WM-Endrunde 2018, Präsident des russischen Fußballverbandes RFS und ein Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er benutzt gerne das Bild "der Westen gegen uns" und gilt als Schlüsselfigur im staatlichen Dopingskandal.

Bis wann gilt die Strafe für das NOK?

Die Suspendierung kann zum Ende der Olympischen Winterspiele in Südkorea 2018 aufgehoben werden, wenn sich Russland an die Sanktionen hält. Die Voraussetzungen dafür legt das IOC noch fest. Ob eine offizielle Entschuldigung etwa von staatlicher Stelle dazugehört, ist ungewiss. Insgesamt beträgt die Strafe 15 Millionen US-Dollar. Die Maßnahmen sollen laut IOC-Präsident Thomas Bach den Schlussstrich unter eine schädigende Episode darstellen und gleichzeitig der Katalysator für einen von der WADA geleiteten effektiveren Anti-Doping-Kampf sein.

Wer untersucht die russischen Athleten?

Anders als vor den Olympischen Sommerspielen in Rio 2016, als Russland bereits am Doping-Pranger stand, ist die neu geschaffene unabhängige Behörde für Doping-Testverfahren (ITA) für Untersuchungen zuständig. Vor den Spielen 2016 waren dafür Fachverbände vorgesehen – aber heillos überfordert gewesen. 

Wie begründete IOC-Präsident Thomas Bach das Urteil?

Das "systemische" Doping in Russland sei ein "beispielloser Angriff auf die Integrität der olympischen Bewegung" und des internationalen Sports gewesen, sagte Bach in Lausanne. Es habe genügend Beweise gegeben, um das Urteil zu fällen. Man werde mit der IOC-Athletenkommission nach Möglichkeiten suchen, um diese Momente für die Athleten wieder aufleben zu lassen, die sie auf der Ziellinie oder auf dem Podium verloren hätten.

Wie reagiert Russland auf die Strafe?

Die russischen Athleten haben am Mittwoch Einspruch eingelegt, der nun geprüft werden muss. Vor der Entscheidung war im Falle solcher Konsequenzen von einem Boykott die Rede gewesen, danach waren die Reaktionen zunächst eher zurückhaltend. Der große Aufschrei blieb aber aus. Kreml-Sprecher Dimitri Peskow sagte: "Die Situation ist ernst, sie erfordert eine tiefe Analyse. Es wäre falsch, hier den Emotionen nachzugeben." Eine Stellungnahme von Präsident Wladimir Putins steht noch aus. Die Vorbereitungen der Fußball-WM 2018 aber sollen ohne Veränderungen weitergeführt werden, hieß es am Mittwoch.

Was sagen deutsche Verantwortliche?

"Das ist ein guter Tag für den Weltsport und ein guter Tag für den deutschen Sport. Es ist eine sehr ausgewogene Entscheidung", sagte Alfons Hörmann, DOSB-Präsident. Andrea Gotzmann (Vorstandsvorsitzende Nationale Anti Doping Agentur) teilte mit: "Die Entscheidung ist ein klares Signal für den sauberen Sport. Sie stellt einen Wendepunkt mit einer deutlichen Aussage des IOC für faire Wettbewerbe dar: Doping wird nicht toleriert."

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Wie sind die Reaktionen der internationalen Presse?

Die Medien sind gespalten. Das IOC erhielt viel Zustimmung, aber auch Kritik. "Das IOC hat entschiedene Maßnahmen ergriffen, welche es bislang vermieden hatte", schrieb die "Los Angeles Times", während die Washington Post feststellte: "Die Schaufenster-Entscheidung des IOC zur Sperre Russlands berührt nicht wirklich den 'Staat' im Wort 'Staatsdoping'. Japan stellte sich bemerkenswerterweise hinter das IOC, das eine 

(sid)
 
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