Zu hohe Gesundheitskosten: 100 Millionen Menschen in Armut
zuletzt aktualisiert: 22.11.2010 - 15:25Berlin (RPO). Behandlungskosten bei Krankheit stürzen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich rund 100 Millionen Menschen in die Armut.
Das geht aus dem am Montag in Berlin vorgestellten "Weltgesundheitsbericht 2010" hervor. WHO-Generaldirektorin Margaret Chan rief dazu auf, die Gesundheitsversorgung gerechter und effektiver zu gestalten. Auch in Industriestaaten seien viele Menschen mit Gesundheitskosten überfordert, konstatiert der Bericht etwa mit Blick auf die USA oder süd- und osteuropäische Staaten, wo viele Menschen direkt für Behandlungskosten zahlen müssten.
Der Bericht zum Thema "Finanzierung von Gesundheitssystemen - Der Weg zu universeller sozialer Absicherung im Krankheitsfall", zeigt Wege zum Aufbau nachhaltiger Gesundheitssysteme auf. Dabei empfiehlt die WHO auch neue Finanzmittel wie etwa eine Devisentransaktionssteuer oder die Erhöhung bestimmter Steuern.
Nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), zeigt die Studie, dass es beim Aufbau eines Gesundheitssystems "keine Patentlösungen" gibt. "Jedes Land müsse seinen eigenen Weg gehen und dabei historische, kulturelle und sozioökonomische Gegebenheiten berücksichtigen." Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) betonte, dass Gesundheit einer der Schlüsselsektoren der deutschen Entwicklungspolitik bleibe. Der Schwerpunkt liege auf der Mütter- und Kindergesundheit. Beide Minister nahmen an der Vorstellung des Gesundheitsberichts teil.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund und Interessenverbände sahen in der Studie eine Absage an die Privatisierung des Gesundheitswesens. Sie widerspreche damit den Absichten von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). medico international verlangte die Einrichtung eines Globalen Fonds für Gesundheit, um die Entwicklungsländer zu unterstützen.
Weltweit kämpften Regierungen mit steigenden Gesundheitsausgaben, konstatiert der Bericht. Die Bevölkerung altere in vielen Ländern, mehr Menschen litten an chronischen Krankheiten und neue umfangreiche Behandlungen trieben die Kosten in die Höhe. Zugleich gingen weltweit allein im Krankenhausbereich wegen Ineffizienz rund 300 Milliarden Dollar verloren. Insgesamt sieht der WTO-Bericht weltweit Einsparmöglichkeiten von 20 bis 40 Prozent im Gesundheitswesen. Dies gelte auch bei Arzneimitteln.
Arme Länder forderte die WTO zu mehr Investitionen in ihr Gesundheitssystem auf. Zugleich mahnte sie die Industriestaaten an ihre Verpflichtungen bei der Entwicklungshilfe. Bei einer Erhöhung der Mittel auf 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Geberländer bis 2015 könnten in Empfängerstaaten zusätzlich drei Millionen Menschenleben gerettet werden.
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