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25 Jahre
Zehn überraschende Fakten zum ICE

Die Geschichte des ICE in Bildern
Die Geschichte des ICE in Bildern FOTO: Klaus-Peter Kühn
Düsseldorf. Vor 25 Jahren begann das ICE-Zeitalter. Die damals noch existierende Bundesbahn schickte von Bonn, Mainz, Stuttgart Hamburg und München aus jeweils einen der nagelneuen 250 km/h schnellen Züge nach Kassel. Mit dem Start der ICE sind aber auch einige weniger bekannte Tatsachen verbunden. Von Klaus Peter Kühn

In Kassel erwartete damals Bundespräsident Richard von Weizsäcker die fünf ICE-Züge, um die neue Ära im Fernverkehr auf der Schiene zu eröffnen.  Dank zweier komplett neu gebauter, sündhaft teurer Hochgeschwindigkeitsstrecken und dank der neuen Züge verkürzte sich die Fahrzeit zwischen Hamburg und Frankfurt um eine Stunde, die zwischen Hamburg und Stuttgart sogar um fast zwei Stunden. 

Zehn überraschende Fakten zum ICE

  1. Zum Telefonieren gab es in den ersten ICE nur zwei Möglichkeiten: Man buchte den Konferenzraum – dort gehörten ein Telefon und ein Fax zur Ausstattung – oder man suchte die einzige Telefonzelle im Zug auf. Jeder Zug besaß eine eigene Telefonnummer. Wer Kontakt mit einem Fahrgast aufnehmen wollte, wählte diese Nummer und teilte auf dem Anrufbeantworter seinen Gesprächswunsch mit. Das Zugpersonal rief dann den Namen des Betreffenden aus, der dann von der Telefonzelle aus zurückrufen konnte.
  2. Der Bedarf an 1.Klasse-Plätzen war überschätzt worden. Lange Zeit liefen deshalb 16  eigentlich erstklassige Wagen "under cover" als 2. Klasse-Wagen. Die Fahrgäste genossen den höheren Komfort (größerer Sitzabstand, jeder Sitz mit eigener breiter Armlehne und in der Regel in Fahrtrichtung drehbar) ohne den üblichen Aufpreis.
  3. 1993 fuhr ein ICE mehrere Wochen zwischen New York und Washington im regulären Einsatz als "Metroliner". Weil die amerikanische Bahngesellschaft Amtrak damals den Kauf neuer Hochgeschwindigkeitszüge plante, wollte deutsche Bahnindustrie  ihr neueste Produkt  in den USA so publikumsnah wie möglich vorstellen. Die Demonstrationstour dauerte insgesamt sechs Monate – sie führte aber zu keinem Auftrag.
  4. Export-Erfolge für den ICE stellten sich erst sehr spät ein. Ausgerechnet die in Deutschland durch zahlreiche Pannen unangenehm auffallenden Züge des Typs ICE 3 sind fast global verbreitet. Sehr ähnliche Fahrzeuge sind zwischen Madrid und Barcelona, St. Petersburg und Moskau sowie in China unterwegs. Auch aus der Türkei liegen mittlerweile Bestellungen vor.
  5. Speziell ausgerüstete ICE können auch in den Niederlanden, Belgien oder Frankreich fahren, obwohl die Bahnen dort andere Stromsystemen als die die Deutsche Bahn einsetzen. Die Niederländische Staatsbahn besitzt sogar  vier eigene sogenannte Mehrsystem-ICE.
  6. In der noch relativ jungen "ICE-Familie" sind verschiedenste Antriebskonzepte vertreten: Die ersten Züge kopieren noch das klassische Konzept von Lokomotive und antriebslosen Wagen; der ICE 1 hat zwei "Triebköpfe" (= Loks) an jedem Ende, der halb so lange ICE 2 einen Triebkopf und einen Steuerwagen. Beim ICE 3 ist jeder zweite Wagen des Zuges angetrieben, eine Lok gibt es nicht mehr. Der ICE 4, von dem die ersten Exemplare gerade erprobt werden, besteht ebenfalls aus einer Mischung von antriebslosen und angetriebenen Wagen ("power car"). Die Mischung kann jedoch je nach gewünschter Leistung und Höchstgeschwindigkeit kostensparend verändert werden.
  7. Der Niederrhein gehört leider nicht zum ICE-Netz, dennoch ist die Region mit den Zügen eng verbunden. Zum einen sind die allermeisten ICE bei Siemens in Krefeld-Uerdingen gebaut worden, zum anderen sorgt das Werk der Deutschen Bahn in Krefeld-Oppum für die Instandhaltung eines Großteils der ICE.
  8. Die schnellsten ICE fahren in Frankreich. Auf der Strecke POS (Paris-Ostfrankreich-Süddeutschland) erreichen die allerneuesten ICE  fahrplanmäßig Tempo 320, in Deutschland sieht der reguläre Einsatz maximal 300 km/h vor.
  9. Der Untergang des guten alten Kurswagens ist eng verbunden mit dem Beginn des ICE-Zeitalters.  Ein ICE ist eine feste Einheit, an die eben nicht "mal eben" ein Wagen zusätzlich angekoppelt werden kann. Statt bequem von zuhause bis an den Zielort in einem Waggon reisen zu können, ist Umsteigen angesagt - umsteigen vom ICE in einen Regionalzug.
  10. Der erste ICE steht bereits im Museum. Der Prototyp, der am 1. Mai 1988  auf einer Testfahrt    406,9 km/ erreichte und damit  bis heute den Geschwindigkeitsrekord für Schienenfahrzeuge in Deutschland hält, gehört zu den Exponaten des Deutschen Museums in München.
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