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Düsseldorf
30.000 zusätzliche Arbeitslose in NRW wegen Flüchtlingskrise

Düsseldorf. Für 2016 rechnet die NRW-Regionaldirektion trotz der guten Konjunkturlage im Durchschnitt mit 771.000 Menschen ohne Job. Von Maximilian Plück

Blühende Landschaften im Münsterland und in Südwestfalen, eine extrem angespannte Situation im Ruhrgebiet - die Lage am Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen ist auch in diesem Jahr wieder extrem unterschiedlich ausgefallen. "Im Münsterland haben wir bereits Vollbeschäftigung", stellte Christiane Schönefeld, Chefin der NRW-Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, bei der Jahresbilanz ihrer Behörde fest. Dort lag die Arbeitslosenquote bei gerade einmal 4,3 Prozent, während sie im Ruhrgebiet mit 10,7 Prozent mehr als doppelt so hoch ausfiel.

Insgesamt hatte Schönefeld "durchaus positive Nachrichten" zu verkünden. Die abgegebene Prognose für die NRW-weite Arbeitslosigkeit sei unterschritten worden. Demnach verzeichneten die Arbeitsagenturen und Jobcenter im Jahresdurchschnitt 744.500 Kunden - das waren 2,4 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Ohne die Zuwanderung hätte dieser Wert sogar noch einmal um 15.000 niedriger gelegen. Bei der Beschäftigung verzeichnete die Behörde mit 6,4 Millionen Menschen den höchsten Wert seit rund 40 Jahren.

Größtes Problem bleibt allerdings die Zahl der Langzeitarbeitslosen. Dies stagniere auf hohem Niveau, so Schönefeld. In NRW gelten rund 325.000 Personen und damit 44,6 Prozent der Menschen ohne Job als langzeitarbeitslos. Zum Vergleich: Bundesweit liegt dieser Anteil mit 38,5 Prozent deutlich niedriger. 63 Prozent der Langzeitarbeitslosen haben keine abgeschlossene Berufsausbildung, 38 Prozent sind älter als 50 Jahre, und 25 Prozent haben keinen Schulabschluss - schlechte Voraussetzungen, um auf dem Jobmarkt zu bestehen, denn gerade einmal ein Fünftel der gemeldeten Stellen sind Tätigkeiten für Geringqualifizierte.

Die Agenturen widmen sich deshalb verstärkter dem Thema Jugendarbeitslosigkeit. "Die Jugendlichen dürfen nicht die Langzeitarbeitslosen von morgen werden", sagte Schönefeld. Erfreulich sei in diesem Zusammenhang, dass im November die Zahl der Jugendarbeitslosen - also der unter 25-Jährigen ohne Job - erstmals seit 1991 unter die Marke von 60.000 gefallen sei. Allerdings mahnte die Regionaldirektions-Chefin die Arbeitgeber, sie müssten noch mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. So kamen im laufenden Jahr auf 78 Ausbildungsplätze 100 Bewerber. Rund 30.000 Jugendliche blieben unversorgt.

Mit Blick auf die Flüchtlingskrise stellte Schönefeld noch einmal klar: "Wir haben zusätzliches Geld und zusätzliches Personal für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Für inländische Kunden entstehen deshalb keine Nachteile."

Für das kommende Jahr erwartet Schönefeld einen moderaten Anstieg bei der Arbeitslosigkeit, denn "wir haben keine Indikatoren, die für ein Abflachen der Konjunktur sprechen". Allerdings werde die durchschnittliche Arbeitslosigkeit um etwa 30.000 auf 771.000 - eben auch wegen der Flüchtlinge. Diese hätten oft geringe Sprachkenntnisse und fehlende berufliche Qualifikation. Die Flüchtlingskrise habe aber durchaus auch Gewinner. So kamen schon im laufenden Jahr im Wach- und Sicherheitsgewerbe, im Gebäudereinigerhandwerk und in der Baubranche neue Stellen hinzu, so Schönefeld.

Quelle: RP
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