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Düsseldorf
3,9 Milliarden Verlust bei Eon-Abspaltung

Düsseldorf. Der Vorstand der Düsseldorfer Uniper setzt auf hartes Sparen, um sich auf weiter niedrigere Strompreise einzustellen. Von Reinhard Kowalewsky

Obwohl die künftige Eon-Abspaltung Uniper gestern auch einige gute Nachrichten bekanntgab, müssen sich die 15.000 Mitarbeiter auf einen harten Sparkurs einstellen. Dies ergibt sich aus der Vorlage von eigenständigen Halbjahreszahlen, mit denen Uniper-Chef Klaus Schäfer den für September geplanten Börsengang vorbereiten will. Als Ergebnis soll Uniper unabhängig von Eon an der Börse notiert sein - bisherige Eon-Aktionäre werden Uniper-Papiere als Beigabe in ihr Depot bekommen. Sie müssen entscheiden, ob sie an die Zukunft des auf konventionelle Stromerzeugung und Energiehandel konzentrierten Konzerns glauben und dann ihre Papiere behalten - oder ob sie ihre Aktien abstoßen.

Zumindest aus Sicht der Börse waren die Zahlen weniger schlimm als befürchtet. Wegen sehr hoher Abschreibungen auf Firmenwerte lag zwar der Halbjahresverlust von Uniper bei 3,9 Milliarden Euro. Doch das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) war mit 1,5 Milliarden Euro 50 Prozent höher als im gleichen Zeitraum 2015. Vorrangig dem Geschäftsbereich Handel mit Gas und Strom ging es besser als vor einem Jahr. Das Segment erwirtschaftete 1,2 Milliarden Euro an operativem Gewinn - 800 Millionen mehr als im ersten Halbjahr 2015.

Aber beim Geschäft mit klassischen Kraftwerken wird die Lage immer schwieriger. Praktisch keinen Gewinn machte das auf Russland konzentrierte Segment Internationale Erzeugung.

Viel wichtiger für die hiesige Belegschaft ist aber, wie wenig die Kraftwerke in Deutschland, Skandinavien und anderen Ländern Westeuopas noch verdienen. Weil eine Megawattstunde Strom nur noch 26 Euro im Großhandel bringt, kam nur noch ein operatives Ergebnis von 406 Millionen Euro zusammen - 109 Millionen weniger als im bereits sehr schlechten ersten Halbjahr 2015. Dabei warnten Vorstandschef Schäfer und Finanzvorstand Christopher Delbrück vor noch härteren Zeiten: Dank Terminverträgen können für dieses Jahr 80 Prozent des Stroms noch für rund 35 Euro pro Megawattstunde verkauft werden, für 2018 konnte der Vorstand aber nur ein Preisniveau von rund 25 Euro pro Megawattstunde sichern - der Preisverfall an der Strombörse wird also dann erst richtig durchschlagen.

Entsprechend konsequent versucht der Vorstand nun die Kosten zu senken. Die Investitionen in Anlagen wurden um 30 Prozent gesenkt - als wichtigstes Projekt läuft nun noch der Weiterbau des hochmodernen Kohlekraftwerkes Datteln 4, in das Eon bereits mehr als eine Milliarde Euro gesteckt hat.

Wichtig sind nun Sparschritte beim Personal. So berichtete Schäfer, man habe "konkrete und ambitionierte Maßnahmen" in der Einkaufsorganisation und in der Computertechnik (IT) eingeleitet. Man verhandele "unter Hochdruck" nun mit dem Sozialpartner, um weitere Einsparungen umzusetzen.

Auf Nachfrage schloss Schäfer betriebsbedingte Kündigungen nicht aus, will sie aber "nicht in den Vordergrund stellen". Er schloss auch nicht aus, die Bezüge der Belegschaft etwas zu senken: "Wir werden uns alles anschauen."

Pleite ist Uniper aber noch lange nicht: Schäfer und Delbrück haben sich Bankkredite von 4,5 Milliarden Euro gesichert, für die sie nach eigener Angabe ein Prozent Zinsen zahlen müssen - der verlangte Risikozuschlag hält sich also in Grenzen.

Schäfer forderte erneut, dass die Politik für konventionelle Kraftwerke eine Art Prämie auslobt, um deren Weiterbetrieb abzusichern. Nur so könne Versorgungssicherheit garantiert werde, wenn einmal zeitweise mangels Wind und Sonnenschein kein Ökostrom fließt.

Der Vorstandschef verwies darauf, dass Schweden einige Steuern für konventionelle Kraftwerke abschaffe, um sie zu fördern, und dass Großbritannien ab Winter 2017 konventionelle Kraftwerke bezuschussen werde. Schäfer: "Deutschland sollte sich ein Beispiel daran nehmen und ebenfalls eine Form intelligenter Systemsicherung einführen."

Quelle: RP
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