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Berlin
4000 Firmen erhalten Stromnetz-Rabatte

Berlin. Bis Ende 2015 profitieren davon auch sechs Golfplätze. Vergünstigungen treiben Strompreise. Von Birgit Marschall

Die Vergünstigungen tausender energieintensiver Unternehmen bei den Stromnetzentgelten werden für alle übrigen Verbraucher immer teurer: Die besondere Umlage, die Verbraucher zum Ausgleich der Firmenrabatte bezahlen müssen, wird sich im kommenden Jahr mehr als verdoppeln. Sie steigt von 0,092 Cent pro Kilowattstunde 2014 auf 0,227 Cent 2015. Dadurch wird sich die jährliche Stromrechnung für einen Vier-Personen-Haushalt um weitere etwa fünf Euro erhöhen, wie das Internet-Vergleichsportal Verivox ermittelt hat.

Der Grund für diese deutliche Erhöhung der Verbraucherumlage ist die stark wachsende Zahl der Unternehmen, die von den Vergünstigungen profitiert. Seit Anfang 2011 hat die Bundesnetzagentur mehr als 4000 Anträge von Unternehmen auf Befreiung von den Netzentgelten genehmigt, darunter auch die Anträge von sechs Golfplätzen. Sie profitieren noch bis Ende 2015 von den Rabatten, obwohl der volkswirtschaftliche Sinn dieser Entlastung infrage steht.

Die sechs Golfanlagenbetreiber erhielten ihre Genehmigungen in den Jahren 2011 und 2012, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen, die unserer Zeitung vorliegt. 2013 habe kein Golfplatz mehr eine Genehmigung erhalten. Es gebe aber noch keine belastbare Auskunft darüber, ob es 2014 weitere Genehmigungen für Golfplätze gegeben habe.

Die Bundesregierung hatte die Regeln für die Netzentgeltbefreiung im Sommer 2011 verschärft, um die Kosten der Vergünstigungen einzudämmen. Dennoch stieg jedoch die Anzahl der Genehmigungen im Jahr 2012 drastisch an, wie aus der Unterlage hervorgeht: Im Jahr 2011 erteilte die Netzagentur demnach 1121 Genehmigungen, im Jahr darauf aber sogar 2712. Erst im Jahr 2013 fiel die Zahl der neuen Entgeltbefreiungen deutlich auf nur noch 249. Insgesamt sind seit 2011 mehr als 6000 Anträge auf Entgeltbefreiungen eingegangen. Allein seit Ende 2013 waren es bis zum Stichtag 30. September 2014 weitere 1000 Anträge, wie aus dem Papier hervorgeht. Die Befreiung von den Netzentgelten gilt jeweils für mehrere Jahre und muss daher nicht jedes Jahr neu beantragt werden.

Viele Energieversorger nennen neben der Ökostrom-Umlage die steigenden Netzkosten als Ursache dafür, dass sie die Strompreise weiter erhöhen müssen beziehungsweise nicht senken. Tatsächlich steigen die Kosten der Versorger für den Netzausbau aber nur um durchschnittlich zwei Prozent im kommenden Jahr gegenüber 2014, wie aus den Daten des Vergleichsportals Verivox hervorgeht. Dabei haben die Marktforscher rund 800 Netzbetreiber in ganz Deutschland befragt.

Quelle: RP
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