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Lahnstein
5,3 Prozent mehr Lohn in der Chemie

Lahnstein. Die Gehälter der 550.000 Beschäftigten werden in zwei Stufen steigen. Die Arbeitgeber erkaufen sich mit der hohen Lohnsumme Planungssicherheit bis zum Sommer 2018. Von Maximilian Plück

Was für ein Jahr aus Sicht der deutschen Arbeitnehmer, muss man derzeit konstatieren. Denn die Lohnerhöhungs-Rallye der vergangenen Monate setzt sich ungebremst fort. Nach den satten Tarifabschlüssen in der Metall- und Elektroindustrie sowie im öffentlichen Dienst gibt es nun auch für die 550.000 Beschäftigten der chemischen Industrie deutlich mehr Geld.

Die IG Bergbau Chemie Energie (IG BCE) und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) einigten sich im beschaulichen Lahnstein auf eine zweistufige Erhöhung, die je nach Gewerkschaftsbezirk zu unterschiedlichen Zeitpunkten greift. In Nordrhein steigen die Entgelte ab August zunächst um drei Prozent, 13 Monate später steigen sie noch einmal um 2,3 Prozent. Für Beschäftigte in der mittleren Vergütungsgruppe bedeutet dies im ersten Schritt zwischen 86 und 100 Euro mehr im Monat, im zweiten Schritt bekommen sie zwischen 68 und 78 Euro mehr. Auch das Weihnachtsgeld, das in der Chemie 95 Prozent eines Monatseinkommens beträgt, wird damit steigen. Die ausgehandelte Laufzeit beträgt 24 Monate.

Der Abschluss reiht sich nahtlos ein in die Liste der sogenannten Langläufer: In der Metall- und Elektroindustrie erzielten die Verhandlungspartner am Ende 4,8 Prozent für 21 Monate, im öffentlichen Dienst waren es immerhin noch 4,75 Prozent für 24 Monate. Lange Laufzeiten sind in der Regel der Wunsch der Arbeitgeber. Denn damit haben sie Planungssicherheit und Ruhe vor möglichen Tarifauseinandersetzungen bis Sommer 2018. Das BAVC-Verhandlungsteam rang der Gewerkschaft zudem eine Sonderregelung für Unternehmen mit wirtschaftlichen Problemen ab: Diese dürfen die Lohnanpassungen jeweils um maximal zwei Monate in die Zukunft verschieben.

Mit Spannung war erwartet worden, ob die Tarifauseinandersetzung in der Chemie-Industrie ähnlich erbittert geführt würde wie noch im Vorjahr. Damals war sogar ein Streik in greifbare Nähe gerückt.

"Diesmal brauchten die Chemie-Sozialpartner keine Verlängerung", sagte BAVC-Präsidentin Margret Suckale. Das Ergebnis sei anspruchsvoll, aber für beide Seiten tragbar. "In zwei Bundesrunden wurde ein Abschluss erzielt, der Wertschätzung gegenüber unseren Mitarbeitern ausdrückt, ohne die Wettbewerbsfähigkeit der Branche aus den Augen zu verlieren."

IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis erklärte, mit dem Abschluss sorge seine Gewerkschaft wieder für eine gute und stabile Einkommensentwicklung. Sein Kollege Peter Hausmann, der die Verhandlungen geführt hatte, ergänzte: "Die Prozentzahlen können sich auch im Branchenvergleich sehen lassen."

Die gelten im Übrigen auch für die Auszubildenden, deren Ausbildungsentgelte in der mittleren Vergütungsgruppe ab August zunächst um rund 32 Euro und im kommenden Jahr noch einmal um rund 25 Euro pro Monat steigen.

Beide Seiten einigten sich zudem darauf, ihr "Start in den Beruf"-Programm für Jugendliche, die erst noch für eine Ausbildung fit gemacht werden müssen, auszuweiten. Künftig kommen auch Kandidaten, die älter als 25 Jahre sind, in das Programm. Zudem wird es durch ein weiteres ergänzt: "Pre-Start" richtet sich an Jugendliche, die neben den fachlichen Defiziten vor allem mangelnde Sprach- und Sozialkenntnisse mitbringen. Sie sollen in einem bis zu drei Monate dauernden Kurs auf die Ausbildung vorbereitet werden. In dieser Zeit erhalten sie 450 Euro. Die Kosten werden von den Sozialpartnern gemeinsam finanziert. Das Budget beträgt eine Million Euro.

Quelle: RP
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