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Düsseldorf
Abgasskandal erreicht BMW

Düsseldorf. Die Deutsche Umwelthilfe erhebt schwere Vorwürfe gegen den Autohersteller. Es gebe Indizien für den Einsatz von Abschalteinrichtungen bei einem Modell. Das Verkehrsministerium reagiert. Von Florian Rinke

Es gibt Sätze, die bleiben im Gedächtnis. Von Harald Krüger gibt es so einen aus dem August dieses Jahres - als es nach dem ersten Diesel-Gipfel von Bundesregierung und Automobilindustrie harsche Kritik an den Ergebnissen gab. "Der Diesel kann sich sehen lassen; wir kapitulieren nicht", sagte der BMW-Chef damals.

Seit Bekanntwerden des Abgasskandals bei Volkswagen vor mehr als zwei Jahren steht der Diesel-Motor im Fokus: Untersuchungen zeigten, dass nicht nur bei Volkswagen, sondern auch vielen anderen Herstellern der Ausstoß von Abgasen im Realbetrieb deutlich von dem abwich, was angegeben wurde. Daimler, Opel und andere gerieten unter Rechtfertigungsdruck - nur BMW kam relativ schadlos davon.

Bis jetzt. Denn die Deutsche Umwelthilfe (DUH) will bei Messungen bei einem BMW 320d (Euro 6) Auffälligkeiten festgestellt haben, die ein Hinweis auf unzulässige Abschalteinrichtungen sein könnten. Demnach schwankten die im realen Fahrbetrieb gemessenen Werte deutlich. Die Stickoxid-Emissionen seien auf der Straße bis zu 7,2-fach höher als unter Laborbedingungen, weil die Abgasrückführung teilweise abgeschaltet werde. Laut einem Software-Experten passiere dies etwa oberhalb von 3500 Umdrehungen. Solche Drehzahlen erreiche man laut dem Experten Lothar Daub bereits ab 47 Kilometern pro Stunde im zweiten Gang oder ab 112 im fünften Gang.

"Die vorliegenden Messergebnisse sind sehr klare Indizien dafür, dass hier unzulässige Abschalteinrichtungen in der Motorsteuersoftware vorhanden sind", sagt Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe: "Diese müssen komplett entfernt werden. Das Fahrzeug muss in allen normalen Betriebssituationen eine voll funktionstüchtige Abgasreinigung haben." Die Organisation fordert daher eine Überprüfung des Fahrzeugs sowie gegebenenfalls einen amtlichen Rückruf.

BMW weist die Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück. "Wenn ein Tester bewusst und zielgerichtet untypische Fahrweisen im Randbereich erzwingt, um plakative Emissionswerte zu konstruieren, dann hat das Züge einer gezielten Kampagne", sagte Klaus Fröhlich. Was der Entwicklungsvorstand meint: Geschwindigkeiten von 47 Kilometer pro Stunde sind im zweiten Gang nicht ungewöhnlich. Das getestete BMW-Modell verfügt laut Unternehmen jedoch über ein Acht-Gang-Automatikgetriebe, wo solche Ergebnisse eigentlich unter normalen Fahrbedingungen kaum zu erreichen seien. In etwa fünf Prozent der Fahrzustände müsse die Abgasrückführung gedrosselt werden, in 95 Prozent jedoch nicht, heißt es. BMW-Fahrzeuge entsprächen grundsätzlich den gesetzlichen Vorschriften und seien nicht manipuliert. "BMW hat eine saubere Weste", sagte ein Sprecher: "Wir haben keine illegale Abschalteinrichtung."

Vergleichbare Fahrzeugtypen haben 2016 laut Unternehmensangaben zahlreiche weltweit behördlich durchgeführte Nachprüfungen mit sehr guten Ergebnissen bestanden. Einem technisch identischen Modell habe schon 2015 der TÜV Süd nach unabhängiger Prüfung ein "sehr robustes Abgasverhalten" und Stickoxid-Werte "innerhalb der technisch erklärbaren sowie erwartbaren Toleranz" bescheinigt. Zudem habe das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erst im vergangenen Sommer den Antrieb des 320d überprüft und "für gut befunden".

Doch ausgerechnet jenes Bundesamt soll die Vorwürfe nun noch einmal im Auftrag des Verkehrsministeriums überprüfen. Das KBA sei "unmittelbar nach Bekanntgabe der Vorwürfe" beauftragt worden, ihnen nachzugehen, teilte das Ministerium gestern mit. Bei BMW gibt man sich gelassen: "Wir schauen dem ohne jede Furcht entgegen", sagte ein Sprecher.

Aus Sicht des Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer macht das KBA in dieser Situation keine gute Figur. Die Behörde würde die Öffentlichkeit nicht transparent genug über die gesetzlichen Regelungen -und erlaubte Ausnahmen - informieren. Denn BMW befinde sich ja offenbar juristisch auf der richtigen Seite. "Doch statt in der Debatte Stellung zu nehmen, verkriecht sich das Kraftfahrt-Bundesamt. Das sorgt für Verunsicherung auf allen Seiten."

Quelle: RP
 
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