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Düsseldorf
Ablenkung vom Fußball?

Düsseldorf. Sie interessieren sich nicht für die Europameisterschaft und ärgern sich, dass im Fernsehen momentan so viel Fußball läuft? Dann schauen Sie doch einfach einen Film. Wir zeigen Ihnen Wirtschaftsfilme, die man gesehen haben sollte (mit Trailern).

Fußball, Fußball, Fußball - die Europameisterschaft in Frankreich dominiert momentan das Fernsehprogramm. Natürlich handelt es sich auch dabei im Grunde um ein riesiges kapitalistisches Spektakel. Wer sich trotzdem nicht daran erfreuen kann, findet in diesen Filmen vielleicht Ablenkung:

Mit Sprengstoff auf Wahrheitssuche

Stellen Sie sich vor, Sie sind Moderator einer Livesendung im Fernsehen und plötzlich taucht ein Geiselnehmer mit einer Waffe auf. Er will, dass Sie eine Sprengstoffweste anziehen. Und er zwingt Sie, die Kameras laufen zu lassen. Was tun Sie? Mit dieser Frage muss sich Lee Gates, Börsenguru und Moderator der Show Money Monster im gleichnamigen Film auseinandersetzen. Der Mann, der ihn als Geisel genommen hat, ist Aktionär und hat nach einem Tipp von Gates sein gesamtes Vermögen verloren. Dabei hatte der Börsenprofi die Anlage in die Aktie einer Firma namens Ibis als "sicherer als das Sparbuch" bezeichnet – bevor sie ohne ersichtliche Gründe ins Bodenlose stürzte. Eine Spurensuche per Liveübertragung beginnt.

Money Monster, Regie: Jodie Foster, läuft seit dem 26. Mai im Kino.


Die Propheten der Finanzkrise

Kann das funktionieren, die Finanzkrise von 2008 so zu inszenieren, dass sie spannend und in ihrem Zynismus sogar lustig ist? Man kann! "The Big Short" kreist um die kleine Minderheit, die die Krise kommen sah, aber vom Rest der Welt als spinnert abgetan wurde. Das Staraufgebot (Brad Pitt, Christian Bale, Steve Carrell, Ryan Gosling) brilliert. Zu Recht wurde der Film mit dem Oscar für das beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet. Das auf wahren Begebenheiten beruhende gleichnamige Buch lieferte übrigens der Journalist Michael Lewis, der auch die Vorlage für den nicht minder sehenswerten Baseball-Film "Moneyball" lieferte.

The Big Short, Regie: Adam McKay, DVD für 12,99 Euro, Blu-ray für 14,99 Euro.


179 Minuten totaler Exzess

Prostituierte, Drogen, sinnloser Luxus – Jordan Belford verprasst sein Geld mit beiden Händen. Kein Problem, es fließt ständig neues herein. Denn der Finanzmanager (gespielt von Leonardo di Caprio) ist ein Verkaufstalent, das Menschen Papiere andreht, die sie arm und ihn reich machen. Ein Sympath? Natürlich nicht. Vielmehr zeigt "The Wolf of Wall Street" den Aufstieg eines Niemands in die Welt der Superreichen, sein Leben wird zum Exzess. Man spürt förmlich, wie unbesiegbar sich die selbst ernannten "Master of the Universe" in ihren Banktürmen fühlen müssen – um am Ende doch abzustürzen. Der Film basiert auf der Geschichte von Jordan Belford. Wie viel davon wahr ist – darüber gehen die Meinungen auseinander. Doch das ist ja das Erfolgsrezept: Hauptsache es verkauft sich.

The Wolf of Wall Street, Regie: Martin Scorsese, DVD und Blu-ray ab 5 Euro


Die fiesen Fratzen der Company

Die Unternehmensberater Kai Niederländer (Sebastian Blomberg), Bianca März (Katharina Schüttler) und Frank Öllers (Devid Striesow) in dem grandiosen, wenn auch minimalistischen Kammerspiel "Zeit der Kannibalen" sind laut, arrogant, unhöflich, unempathisch oder, um es deutlicher zu sagen: richtige Kotzbrocken. In der deutschen Antwort auf die tolle US-Serie "House of Lies" pöbelt sich dieses selbstverliebte Trio im Auftrag der nicht näher benannten Company durch Besprechungsräume und Hotelzimmer. Die beißende Satire ist eine Gala-Vorstellung von Blomberg-Schüttler-Striesow, die in einem solchen Finale endet, dass es einem kalt den Rücken runterläuft.

Zeit der Kannibalen, Regie: Johannes Naber, DVD für elf Euro, Blu-ray für 14 Euro
 

Coca-Cola für die Russen

Zwar geht es auch um den Versuch des West-Berliner Coca-Cola-Statthalters, amerikanische Brause an den Klassenfeind auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs zu verhökern. In Wirklichkeit aber ist Billy Wilders grandioses Werk Eins, Zwei, Drei natürlich eine turbulente Komödie über den Kalten Krieg im geteilten Berlin. Produziert unter erschwerten Bedingungen: Während der Dreharbeiten 1961 begann der Mauerbau, und Wilder musste das Brandenburger Tor im Studio nachbauen lassen. Lilo Pulver tanzt für schmierige Russen auf dem Tisch, Horst Buchholz wird mit den Klängen von "Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini" gefoltert und James Cagney muss sich mit deutschen Gedächtnislücken herumschlagen ("Welcher Adolf?"). Großes Kino. Sitzen machen!

Eins, Zwei, Drei, Regie: Billy Wilder, DVD für 7,97 Euro


Bilanzfälschung im großen Stil

Bis zur Lehman-Pleite 2008 galt in den USA ein anderer Name als Sinnbild für Geldverbrennung in einer nie zuvor geahnten Dimension: Enron, einer der größten Energiekonzerne. Der Dokumentarfilmer Alex Gibney hat diesen Skandal in "Enron – The smartest guys in the room" aufgearbeitet, an dessen Ende 20.000 Menschen wegen der Bilanzfälschungen des Managements nicht nur ihren Job verloren hatten, sondern auch Pensionsansprüche von mehr als zwei Milliarden Dollar vernichtet waren. Gibney sprach mit Ex-Beschäftigten, Journalisten, Wirtschaftsexperten sowie zahlreichen Politikern wie Kaliforniens Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger.        

Enron - The smartest guys in the room, Regie: Alex Gibney, DVD für zehn Euro


Gordon Gekko – das Vorurteil lebt

Wer jemals Vorurteile hatte über windige Börsenhändler und skrupellose Finanzhaie – Gordon Gekko hat sie bestätigt. Und Hauptdarsteller Michael Douglas nimmt man den schmierigen, unmoralischen und egoistischen Selbstbefriediger in jeder Sekunde ab. Natürlich ist "Wall Street" typisch überdrehtes US-Kino, aber wer Wirtschaftskrimis mag, wird sich bestens unterhalten fühlen. Dem realen Gekko-Vorbild Ivan Boesky verdanken wir die Erkenntis: "Gier ist gesund. Man kann gierig sein und dennoch mit sich im Reinen." Und der Finanzkrise die Tatsache, dass Oliver Stone 2010 die Fortsetzung "Wall Street –Geld schläft nicht" drehte. Da ist Gekko auch ein bisschen menschlich. Aber das ist alles, was stört.

Wall Street, Regie: Oliver Stone, DVD ab 7,79 Euro

Quelle: RP
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