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Rettungshubschrauber
ADAC kommt weiter nicht zur Ruhe

München. Vor zwei Jahren sorgte der ADAC mit gefälschten Auto-Preisen und Privatflügen in Rettungshubschraubern für Schlagzeilen. Heute will der Verein eine weitreichende Reform beschließen - doch hinter den Kulissen gibt es Krach. Von Florian Rinke

Eigentlich sollte der heutige Tag ein Tag des Neuanfangs sein. Er sollte beweisen, dass der ADAC etwas aus seiner Vergangenheit gelernt hat und es in Zukunft besser macht. Stattdessen wird die Hauptversammlung in Lübeck zur Schaubühne eines vereinsinternen Streits: Ausgerechnet der ADAC-Regionalclub Nordrhein, dessen Chef der frühere ADAC-Präsident Peter Meyer ist, versucht die Reform mit Rechtsgutachten und der Androhung einer Klage zu stoppen. "Verschwendung von Vereinsvermögen" wirft der Club dem jetzigen Präsidenten - und Meyer-Nachfolger - August Markl vor. Die ADAC-Spitze wiederum kontert die Vorwürfe und wirft dem Regionalclub vereinsschädigendes Verhalten vor.

Um zu verstehen, was da gerade passiert, muss man zurück ins Frühjahr 2014, als Meyer noch Präsident und Markl sein Stellvertreter war. Damals verging kaum ein Tag, an dem nicht neue Vorwürfe gegen den Club auftauchten. Eine Auswahl:

- Führungskräfte des ADAC nutzten Hubschrauber der Luftrettung für die Reise zu privaten Terminen und Dienstreisen.

- Der ADAC soll Pannenhelfer angewiesen haben, gegen eine Prämie eigens für den Autoclub von der Firma Varta angefertigte Batterien zu verkaufen.

- Eine Führungskraft ließ ihren Sohn und einen Freund in einem ADAC-Rettungsflugzeug mitfliegen, weil diese ihren Abflug für den Tauchurlaub nach Ägypten verpasst hatten.

- Ach ja, und dann war da noch der Auslöser des ADAC-Skandals -die manipulierte Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen", bei der der damalige Kommunikationschef Michael Ramstetter die abgegebenen Teilnehmerzahlen munter schönte und so dem Preis "Gelber Engel" zu mehr Bedeutung verhalf.

Manche Vorwürfe dementierte der Club, andere hatte er bereits intern geahndet, beim Rest gelobte er Besserung. "Wir glauben, dass wir nur durch eine grundlegende Reform die aktuellen Schwachstellen beheben können", sagte der damalige ADAC-Präsident Peter Meyer. Wenig später musste er jedoch zurücktreten - und Markl übernahm.

Denn dass ausgerechnet Meyer, der den Club zum potenten Wirtschaftsunternehmen ausgebaut hatte und damit Teil des Systems war, plötzlich den Aufklärer geben sollte, war der Öffentlichkeit (und wohl den Mitgliedern) nicht zu vermitteln.

Denn auch wenn sich die Zahl der Austritte in Grenzen hielt (der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer unkte damals, die meisten Mitglieder würden sich eher scheiden lassen, als aus dem ADAC auszutreten) - der öffentliche Ansehensverlust war beträchtlich. Und was am schlimmsten war: Dem Verein drohte der Verlust der Gemeinnützigkeit und damit der Verlust von Privilegien in Millionenhöhe.

Also musste Meyer abtreten, der Mülheimer blieb aber weiterhin Präsident des ADAC Nordrhein, dem mit rund 2,6 Millionen Mitgliedern größten der 18 ADAC-Regionalclubs. Seinen Einfluss will er nun offenbar nutzen, um die Reform des Clubs zu torpedieren, die "Süddeutsche Zeitung" spricht sogar davon, dass Meyer Rache nehmen wolle an seinem Nachfolger August Markl, weil er sich selbst als Bauernopfer sehe. Also fährt der ADAC Nordrhein Gutachten auf, die Markls Reformen kritisch hinterfragen.

Zwei Jahre habe man an der grundsätzlichen Neuausrichtung des Clubs gearbeitet, sagte August Markl zuletzt in einem Gespräch mit der "Zeit". Für die Mitglieder ändere sich durch das neue "Drei-Säulen-Modell" aber nichts. Der Verein jedoch, der jedes Jahr mit geschäftlichen Aktivitäten wie Versicherungen, Autovermietung und anderen Dingen eine Milliarde Euro Umsatz macht, soll transparenter werden.

Der Verkehrsclub soll daher in einen Kernverein, eine Aktiengesellschaft und eine Stiftung aufgespalten werden. Die kommerziellen Aktivitäten wie Finanzdienstleistungen oder das Versicherungsgeschäft sollen dabei in der Aktiengesellschaft gebündelt werden, der Verein soll nur die Pannenhilfe übernehmen. Die Stiftung soll unter anderem die Luftrettung oder Verkehrssicherheitsaktionen übernehmen.

Unter Markl soll sich der Club zum "mitgliedsorientierten Mobilitätsdienstleister" wandeln. Die Geschichte des ADAC, die vor 113 Jahren als Motorsportclub begann, wäre damit um eine weitere Facette reicher: Plötzlich geht es bei dem Club, jahrelang als Auto-Lobbyist bekannt, auch um Fahrräder. Das hätte im Frühjahr 2014 wohl kaum jemand für möglich gehalten.

Quelle: RP
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