Tarifkonflikt: Ärzte gegen Pfleger, Verdi gegen Marburger Bund
zuletzt aktualisiert: 03.08.2006 - 13:38Mainz (rpo). Der Marburger Bund wehrt sich gegen den Vorwurf, die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern würden sich Vorteile auf Kosten des übrigen Klinikpersonals "erstreiken". Tatsächlich hätten Ärzte in den vergangenen Jahren immer weniger, Pflegepersonal immer mehr verdient. Die Zusammenarbeit zwischen Verdi und den Kliniken nannte der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft ein "mafiöses Komplott".
Krankenhausärzte hätten in den letzten zehn Jahren 7,5 Prozent Reallohneinbußen hinnehmen müssen. Das Pflegepersonal hingegen habe sechs Prozent mehr bekommen, sagte der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB), Frank Ulrich Montgomery, im ZDF-Morgenmagazin. Vorwürfe des Pflegerates, die Ärzte würden ihre höheren Vergütungen auf Kosten des Pflegepersonals erkämpfen, seien deshalb "völliger Unsinn".
Der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi warf Montgomery vor, ein "mafiöses Komplott" mit den kommunalen Klinik-Arbeitgebern abgeschlossen zu haben. Verdi habe nicht, wie behauptet, zehn Prozent mehr Einkommen ausgehandelt. Nach dem alten Bundesangestellten-Tarifvertrag seien dies in Wahrheit zwölf Prozent weniger. "Ich bin erschrocken, wie hier gelogen wird", sagte Montgomery.
Gleichwohl sei der Marburger Bund als legitimer Vertreter der Krankenhausärzte zu Verhandlungen bereit. "Ich warte täglich auf den Anruf", erklärte der MB-Chef. Sehr viele Krankenhäuser und Landesorganisationen seien unzufrieden mit dem Tarifergebnis. Sie müssten jetzt den Pflegekräften wesentlich mehr bezahlen, und gestreikt werde weiter.
Skepsis gegenüber Insellösungen
Insellösungen mit Hilfe einzelner Tarifverträge könnten nach den Worten Montgomerys nur mit relativ großer oder reicher Krankenhäuser abgeschlossen werden. Dies sei aber immer nur eine Lösung zweiter Wahl. Es bestehe die Gefahr, dass ärmere Kliniken die schlechten Verträge bekämen.
In NRW ging der Ärztestreik unterdessen weiter. Im Kreiskrankenhaus Grevenbrioch und im Klinikum Krefeld legen die Mediziner laut Ankündigung ganztägig die Arbeit nieder, ebenso, in den Rheinischen Kliniken in Bedburg-Hau, Bonn, Düsseldorf und Langenfeld sowie in den Krankenhäusern in Düren, Dormagen, Herford und Lübbecke. In Köln wird demonstriert.
Der Marburger Bund fordert unter anderem deutliche Einkommensverbesserungen für die Ärzte. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) lehnt dies mit Hinweis auf die angespannte Finanzlage zahlreicher kommunaler Kliniken ab. Die Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern streiken inzwischen in der sechsten Woche.
Die Tarifverhandlungen für die rund 70 000 Ärzte an den 700 kommunalen Krankenhäusern waren im Juli vorerst gescheitert. Aus Unmut darüber hatte der Marburger Bund bundesweit an zahlreichen kommunalen Krankenhäusern Streiks initiiert.
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