Neues Team und Kapitalerhöhung: Agnellis Weg aus der Fiat-Krise
zuletzt aktualisiert: 01.03.2003 - 14:16Turin (rpo). Eine neue Führungsmannschaft und eine kräftige Kapitalerhöhung soll Fiat aus der schweren Krise führen. Diese Strategie offenbarte der neue Präsident Umberto Agnelli.
"Für die Sanierung von Fiat kann ich nicht nur auf ein Team äußerst motivierter Mitarbeiter zählen, sondern auch auf die Unterstützung der Institutionen und der Banken. Das macht meine Aufgabe etwas leichter", sagte Agnelli der Turiner Zeitung "La Stampa" (Samstagsausgabe) zufolge. Dabei müsse zunächst eine neue Strategie definiert werden, die Aktionäre und Investoren gleichermaßen überzeuge.
Der jüngere Bruder des im Januar verstorbenen Fiat-Patriarchen Giovanni Agnelli war am Freitag zum neuen Präsidenten der Gruppe ernannt worden; gleichzeitig übernahm der Ex-Pirelli-Manager Giuseppe Morchio den Posten des Vorstandschefs. Agnelli betonte, sein Bruder habe ihn wenige Tage vor seinem Tod persönlich darum gebeten, die Geschicke des Unternehmens in die Hand zu nehmen. "Er sagte, es sei die präzise Pflicht unserer Familie, in einem so schwierigen Moment die direkte Führung der Gruppe zu übernehmen."
Bei der Sitzung des Verwaltungsrats waren auch die verheerenden Geschäftszahlen für 2002 mit einem Nettoverlust von fast vier Milliarden Euro veröffentlicht worden. Der Umsatz der Gruppe schrumpfte um vier Prozent auf 55,6 Milliarden Euro. Für das schlechte Ergebnis sei weiterhin die notleidende Autosparte verantwortlich, deren Verlust sich von 549 Millionen Euro auf über 1,34 Milliarden Euro erhöhte, hieß es. "So rote Bilanzen hatte es noch nie gegeben", kommentierte die Zeitung "La Repubblica".
Die Nettoverschuldung konnte einer Fiat-Mitteilung zufolge von 6 Milliarden Euro Ende 2001 auf 3,8 Milliarden Euro verringert werden. Jedoch erreichte Fiat damit nicht das mit den Gläubigerbanken im Gegenzug für eine Wandelanleihe von drei Milliarden Euro ausgehandelte Ziel, die Schulden auf 3 Milliarden Euro zu halbieren.
Trotz dieser dramatischen Zahlen glaubt Fiat weiterhin an eine mögliche Sanierung der Autosparte. Deshalb soll in den kommenden 18 Monaten eine Kapitalerhöhung von fünf Milliarden Euro für Fiat Auto durchgeführt werden. Drei Milliarden sollen sofort von der Gruppe Fiat und der Familie Agnelli aufgebracht werden, während die Finanzierung der restlichen zwei Milliarden Euro noch ungewiss ist. Fiat hoffe aber auf eine Beteiligung von US-Partner General Motors, der mit 20 Prozent an Fiat Auto beteiligt ist.
Bei dem Treffen war auch über den seit längerem angekündigten Verkauf der Fiat-Geschäftsteile Toro Assicurazioni und Fiat Avio beraten worden. Für die Veräußerung der Luftfahrttechnik-Sparte Fiat Avio stehe das Unternehmen kurz vor dem Abschluss eines Vertrages, während es für die Toro-Versicherung bereits mehrere Anwärter gebe, hieß es. Zudem kündigte Fiat den Verkauf mehrerer Immobilien mit einem Gesamtwert von 267 Millionen Euro an.
Unter anderem soll auch das Werk Lingotto, der Hauptverwaltungssitz der Gruppe in Turin, veräußert werden. "In dem konzerneigenen Büro, in dem die Fiat-Sitzung stattfand, ist Fiat ab sofort nur noch Mieter", kommentierten italienische Medien.
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