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Frankfurt/Berlin
Air Berlin gibt 40 Flugzeuge an Lufthansa ab

Frankfurt/Berlin. Mit einem Doppelschlag hat die Lufthansa gestern die Konsolidierung im europäischen Luftverkehr vorangetrieben: Einerseits will sie Belgiens führende Fluggesellschaft Brussels Airlines als Nachfolgefirma der Sabena ganz kaufen. Andererseits will die Lufthansa von der notleidenden Air Berlin 40 Maschinen übernehmen. Von Reinhard Kowalewsky

Hauptergebnis der Transaktionen wird sein, dass der Discount-Ableger von Lufthansa, Eurowings, an Gewicht gewinnt. Die Flotte der Kölner Firma wird dank des Deals mit Air Berlin von 90 Jets auf 130 Maschinen wachsen. Weitere 29 Airbus A319 und A320 könnten von Brussels Airlines hinzukommen. Dann hätte Eurowings insgesamt fast 160 Jets und wäre hinter Ryanair (357 Maschinen) und Easyjet (265 Stück) die klare Nummer drei im innereuropäischen Flugverkehr.

Für den Flughafen Düsseldorf hat Air Berlin eine doppelte Botschaft: Einerseits hält der Vorstand daran fest, dass ab Düsseldorf und ab Berlin weiterhin insgesamt 17 Langstreckenflieger abheben, für die 58 Kurz- und Mittelstreckenjets Zubringerflüge zum Beispiel zu den Langstreckenflügen von Großaktionär Ethiad leisten. Düsseldorf wird also weiterhin ein starkes Netz in Richtung vieler großer Städte in Europa und weltweit haben.

Andererseits kündigt der Vorstandschef von Air Berlin, Stefan Pichler, an, er wolle die "touristische Mittelstrecke" in einen eigenen Bereich mit rund 35 Jets ausgliedern, der dann wiederum mit ähnlichen Bereichen anderer Airlines kooperieren oder fusionieren soll. Dies kann man so verstehen, dass Flüge nach Mallorca oder auf die griechischen Inseln auf Dauer nicht mehr von Air Berlin selbst angeboten werden. Pichler würde die Tourismusstrecken gerne in eine Gemeinschaftsfirma mit Tui einbringen. Die Reisenden müssten sich wegen weniger Wettbewerb auf teurere Tickets einstellen.

Es ist damit zu rechnen, dass das Bundeskartellamt sich die Übergabe der 40 Jets von Air Berlin an die Lufthansa-Gruppe genau anschauen wird. Preiserhöhungen bis 20 Prozent seien auf vielen Strecken möglich, warnt der Düsseldorfer Wirtschaftsprofessor Justus Haucap. Experten rechnen damit, dass Eurowings auf Rennstrecken wie Hamburg-München oder Hamburg-Düsseldorf Strecken abgeben muss, weil sonst eine Marktdominanz droht. "Easyjet könnte diese Routen übernehmen", sagt der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt., "die setzen auf Verbindungen zwischen Metropolen."

Quelle: RP
 
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