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Cockpit spielt Streikszenarien durch
Air Berlin kürzt bei Piloten und in der Verwaltung

Air-Berlin-Piloten spielen Streikszenarien durch
Air-Berlin-Chef Stefan Pichler hat bei Air Berlin einen schwierigen Job. FOTO: Bauer
Düsseldorf. Wenige Tage vor der entscheidenden Verwaltungsratssitzung am 29. Oktober in London dringen neue Details zum Sanierungskonzept der angeschlagenen Air Berlin durch. Wie unsere Redaktion aus Konzernkreisen erfuhr, will Air-Berlin-Chef Stefan Pichler mehr als 200 Piloten-Jobs und mindestens 300 Stellen in der Verwaltung streichen. Das Kabinenpersonal wird wohl weitgehend geschont. Offen ist, ob es auch betriebsbedingte Kündigungen geben wird. Von Thomas Reisener

Ein Air-Berlin-Sprecher wollte sich nicht zum Sanierungsplan und zu möglichen Kündigungen äußern: "Vor der Verwaltungsratssitzung sagen wir dazu kein Wort." Offiziell geben sich auch Betriebsräte und Gewerkschaften schweigsam. Bei der Pilotenvereinigung Cockpit werden aber schon erste Streikszenarien durchgeplant. "Gut möglich, dass wir Air Berlin ähnlich massiv wie die Lufthansa unter Druck setzen müssen", sagt ein Cockpit-Insider. Die Lufthansa wird von den Piloten seit April 2014 mit immer neuen Streikwellen lahmgelegt.

Der Unterschied: Die Lufthansa kämpft um ihre Zukunft, aber noch nicht um ihr Überleben. Bei Air Berlin ist die Situation dramatischer. Das Eigenkapital steht mit über einer halben Milliarde im Minus. Operativ hat Air Berlin zum letzten Mal vor rund zehn Jahren Geld verdient. Von den 144 Flugzeugen gehören der Airline noch elf. Ohne die ständig neuen Geldspritzen ihres arabischen Großaktionärs Etihad wäre Air Berlin wohl pleite. Gestern kündigten die Araber 123 Millionen Euro an neuen Hilfen an.

Im Interview mit unserer Redaktion deutete Pichler schon im Mai einen Radikalumbau an: "Alles, was nicht zum Kerngeschäft gehört, müssen wir hinterfragen. Wir werden mehr Dienstleistungen von außen einkaufen." Die "Wirtschaftswoche" will danach von Plänen für einen sogar tausendfachen Personalabbau erfahren haben. Der "Focus" berichtet ebenfalls vom Abbau von 200 Piloten-Stellen.

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Darauf deutet auch der Zeitplan hin: Am 29. Oktober wird der Verwaltungsrat Pichlers Sanierungsplan verabschieden. Ohne Arbeitnehmervertreter, denn Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold hatte den Konzern noch in die Rechtsform einer britischen PLC überführt. Einen Tag später beginnen nach Informationen unserer Redaktion die Gespräche mit der Personalvertretung der Piloten und der Vereinigung Cockpit, die auf drei Tage angesetzt sind. Offenbar rechnet Air Berlin selbst mit erheblichen Konflikten. Es folgt das Wochenende, bevor am Montag die Verhandlungen mit dem Kabinenpersonal beginnen.

Der Kabine droht dem Vernehmen nach wenig: Sie wurde über natürliche Fluktuation bereits so zusammengeschrumpft, dass Air Berlin dort Leiharbeiter einsetzt. Bei den Piloten sieht das anders aus. Air Berlin beschäftigt rund 1400, hat aber Flotte und Streckennetz massiv zusammengestrichen. "Wir haben einfach zu viele Piloten", heißt es im Umfeld der Konzernspitze.

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In Düsseldorf beschäftigt Air Berlin rund 2500 Mitarbeiter, rund 180 davon in der Verwaltung und bis zu 80 in der Wartung, die vielleicht an Etihad verkauft wird. Möglicherweise werden einigen Düsseldorfer Verwaltungsmitarbeitern Ersatzarbeitsplätze in Berlin angeboten.

Quelle: RP
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