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Düsseldorf
Air Berlin stärkt Standort Düsseldorf

Düsseldorf. Trotz hoher Schulden will Deutschlands zweitgrößte Luftfahrtgesellschaft wieder in die Offensive gehen. Ab Düsseldorf sollen mehr Langstreckenflüge beispielsweise nach Kuba angeboten werden. Riesenprobleme bleiben aber. Von Reinhard Kowalewsky

Bei Deutschlands zweitgrößter Luftfahrtgesellschaft, Air Berlin, zeichnet sich eine spannende Wende ab: Der neue Vorstandschef Stefan Pichler wird wohl speziell von Düsseldorf aus das Langstreckennetz in Richtung Westen ausbauen. Havanna in Kuba, die US-Metropolen San Francisco, Dallas und Boston könnten auch noch neben New York oder Miami angeflogen werden. Dies soll die Abhängigkeit vom Discountsegment in Deutschland und Europa etwas senken - und es könnte dem Hauptaktionär und Partner Etihad ermöglichen, von Asien und dem Nahen Osten aus mehr Umsteigeverbindungen in Richtung Westen anzubieten. Der von Ex-Metro-Chef Hans-Joachim Körber geführte Verwaltungsrat segnete gestern das neue Konzept im Kern ab. Es soll heute in Berlin vorgestellt werden.

"Wir stärken Düsseldorf als Drehkreuz im Westen Deutschlands", sagt ein Top-Manager unserer Zeitung, "hier gibt es ein riesiges Einzugsgebiet und auch viele Verbindungen rund um die Welt."

Hintergrund der Kehrtwende ist aber anscheinend auch ein politischer Streit: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kämpft schon seit längerem gegen 31 Code-Share-Verbindungen von Air Berlin gemeinsam mit Etihad. Dabei geht es aber an sich nur um Strecken über Stuttgart und Berlin, bei denen der gleiche Flug einerseits unter einer Flugnummer von Air Berlin, andererseits unter einer Flugnummer von Etihad angeboten wird. Diese Gemeinschaftsflüge will Dobrindt verbieten, weil sie vom Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht abgedeckt werden - dagegen hat Etihad für Flüge nach Düsseldorf relativ weitreichende Rechte.

Gleichzeitig soll Air Berlin künftig deutlich enger mit Alitalia zusammenarbeiten. Dies würde indirekt bedeuten, dass weitere Langstreckenverbindungen angeboten werden können. Etihad möchte Alitalia von einem Nischenanbieter, der vor allem in der Heimat Italien stark ist, in eine Edelmarke verwandeln, die Städte rund um den Globus anfliegen soll. Ob Bemalung des Rumpfes, Polsterung oder Porzellan; ob drahtloses Internet oder Hunderte Kinofilme an Bord - die zehntgrößte Airline Europas soll gemeinsam mit Air Berlin und dem Mutterkonzern anspruchsvolle Kunden als treue Kunden finden.

Als Ergebnis der neuen Strategie wird wohl auch das Streckennetz in Europa weniger reduziert als bisher geplant. So zeichnet sich ab, dass nicht mehr bis zu 20 Flugzeuge aus der 150 Jets umfassenden Flotte aussortiert werden, sondern nur noch vier oder fünf.

Um mehr Langstreckenflüge anzubieten, wird Pichler wahrscheinlich zwei Airbus A330 neu in die Flotte aufnehmen - die Maschinen schaffen Strecken von rund 11.000 Kilometern ohne Zwischenstopp. Unklar ist, ob Air Berlin die Umsteigeverbindungen in Spanien teilweise reduziert - die Airline hatte speziell Palma de Mallorca zu einer Art drittem Hauptflughafen neben Düsseldorf und Berlin gemacht.

Riesige Herausforderungen bleiben aber bestehen: So hat Air Berlin mehr Schulden als Eigenkapital - nur dank immer neuer Finanzspritzen von Etihad überlebt der für Düsseldorf und NRW wichtige Arbeitgeber. Seit Jahren schreibt das Unternehmen rote Zahlen - die aktuellen Zahlen bestätigen nur die Misere. Der Börsenwert liegt bei nur 100 Millionen Euro, weniger als die Marke bei einem isolierten Verkauf wert wäre.

Die Belegschaft hofft auf die neue Strategie: 1000 der 9000 Jobs wollte Pichler gemäß einem ersten Vorschlag im September kürzen - jetzt könnte der Personalabbau geringer ausfallen. Gerade Arbeitsplätze von Piloten könnten nun weniger zur Disposition stehen.

Quelle: RP
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