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Düsseldorf/Berlin
Air Berlin zahlt Elf-Prozent-Zins an Bund

Düsseldorf/Berlin. Der 150-Millionen-Euro-Überbrückungskredit für Air Berlin wird ein tolles Geschäft. Die Rückzahlung ist dank eines guten Lufthansa-Angebotes sicher. Die Wirtschaft hofft derweil, dass Easyjet die Macht von Lufthansa begrenzt. Von Antje Höning und Reinhard Kowalewsky

Air Berlin muss den Hilfskredit der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) teuer bezahlen: Das insolvente Unternehmen muss für die genehmigten 150 Millionen Euro einen aufs Jahr umgerechneten Zinssatz von elf Prozent zahlen. Das erfuhr unsere Redaktion aus informierten Kreisen. Außerdem muss die insolvente Fluggesellschaft eine Million Euro an Bearbeitungsgebühr überweisen, berichten die Kreise. Falls der Kredit also rund drei Monate lang komplett ausgezahlt würde, bis er dann zurücküberwiesen wird, wären für Air Berlin in dieser Zeit insgesamt rund fünf Millionen Euro an Zins- und Bearbeitungskosten fällig. "Da ist ein hoher Risikozuschlag bei", sagt ein Insider, "was schon etwas verwundert, weil die Bundesregierung ja eine Staatsbürgschaft gab." Andererseits geben Kenner der Vorgänge zu bedenken, dass Air Berlin wirklich extrem angeschlagen ist: "Niemand weiß, ob der Flugbetrieb wirklich bis zur Übergabe an die erwarteten Käufer weiterlaufen wird."

Wie ernst die Lage ist, zeigt auch das Angebot von Lufthansa für bis zu 80 der rund 144 Jets von Air Berlin. Der deutsche Marktführer bietet laut "Bild am Sonntag" nicht nur 200 Millionen Euro als echten Kaufpreis insbesondere für die Übergabe von Flugrechten. Außerdem wollen die Frankfurter bis zu 100 Millionen Euro an Betriebskosten übernehmen, weil es noch viele Monate dauern kann, bis die Europäische Union die Übernahme kartellrechtlich freigibt. "Auf diesem Weg lauern noch einige Klippen", sagt der Branchenexperte Gerald Wissel. Er warnt auch davor, dass Klagen unterlegener Bieter wie des früheren Formel-1-Rennfahrers Niki Lauda oder des Managers Utz Claassen das Verfahren weiter erschweren könnten - im Extremfall würde ein "Grounding" drohen, also ein unkoordinierter Zusammenbruch.

Die große Frage bei der Zerschlagung von Air Berlin wird sein, wie viele Jets und Strecken der britische Wettbewerber Easyjet erhalten wird. Ginge es nach Lufthansa, sollten die Briten ein eher kleines Kontingent erhalten, doch tatsächlich bietet Easyjet anscheinend für bis zu 40 Maschinen. Gäbe es wirklich für so viele Jets den Zuschlag, wäre Easyjet sowohl in Berlin wie in Düsseldorf ein starkes Gegengewicht zum Kranich. Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, hofft jedenfalls, dass die Kartellbehörden ein zu hohes Übergewicht von Lufthansa verhindern werden: "In Deutschland gibt es klare Wettbewerbsregeln. Diese werden sicherlich auch hier greifen."

Die Unternehmen sind trotzdem alarmiert. So erklärt ein Sprecher des aus Hilden kommenden Bio-Tech-Konzerns Qiagen: "Qiagen braucht rund 30.000 Flugtickets im Jahr, davon 7000 innerhalb von Europa. Wir fürchten, dass mit einem Wegfall von Air Berlin der Wettbewerb nachlässt und die Preise steigen." Außerdem sorgt sich das Unternehmen um die Fernstrecken: "Wir haben Standorte in Boston und San Francisco. Ein Wegfall der Direktverbindung Düsseldorf-Boston und Düsseldorf-San Francisco wäre für uns bedauerlich."

Auch andere große Firmen in der Region wie Vodafone, Bayer oder Henkel haben bisher davon profitiert, dass sie zwischen Air Berlin und Lufthansa /Eurowings auswählen konnten. "Das hat die Ticketpreise unten gehalten", meint ein Manager bei Vodafone. Bayer hat nach Brancheninfos sogar einen Großkundenvertrag mit Air Berlin.

Manche Manager hoffen auch ganz privat auf weiteren Wettbewerb und damit erträgliche Preise. So fliegt der Chef von Vodafone Deutschland, Hannes Ametsreiter, am Wochenende ebenso zur Familie in München wie der Leiter von Unitymedia in Köln, Lutz Schüler.

Quelle: RP
 
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