Porsche-Hauptversammlung: Aktionäre machen ihrem Ärger Luft
zuletzt aktualisiert: 29.01.2010 - 16:29Stuttgart (RPO.) Scharfe Kritik an den früheren Porsche-Vorständen haben am Freitag die Kleinaktionäre des Sportwagenbauers geäußert. Auf der Hauptversammlung in Stuttgart machten sie ihrem Unmut über Ex-Konzernchef Wendelin Wiedeking, Ex-Finanzvorstand Holger Härter und dem Aufsichtsrat Luft. Grund dafür ist die gescheiterte Übernahme des VW-Konzerns.
So schimpfte ein Kleinaktionär, der Aufsichtsrat habe seine Kontrollpflichten über die "größenwahnsinnigen" Ex-Manager entweder verletzt oder es billigend in Kauf genommen, dass die Existenz des Unternehmens gefährdet wird. "Der Aufsichtsrat hat die Hybris des Vorstands offensichtlich geteilt", pflichtete ihm Peter Maser von der Aktionärsvereinigung DSW bei. Weder Vorstand noch Aufsichtsrat dürften entlastet werden, forderte er unter Beifall der rund 5600 anwesenden Anteilseigner.
Die neue Unternehmensführung wollte den Aufsichtsrat trotzdem per Abstimmung entlasten lassen. Lediglich das Votum über die Entlastung des früheren Vorstands sollte vertagt werden, Denn die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Wiedeking und Härter unter anderem wegen des Verdachts der Marktmanipulation bei Optionsgeschäften mit VW-Aktien.
Doch den Aktionären reicht das nicht. So kritisierten zahlreiche Redner, der Vorstand habe für seine riskanten und intransparenten Aktiengeschäfte die Rückendeckung des Aufsichtsrates gehabt. "Aus den früheren Gewinnrücklagen in Höhe von zehn Milliarden Euro sind so zehn Milliarden Schulden geworden", sagte Kleinaktionär Frank Kupke. "Unsere Aktien wurden pulverisiert."
Unmut über Millionen-Abfindungen
Aktionärsvertreter Maser erklärte: "Wiedeking und Härter haben Porsche an den Rand der Zahlungsunfähigkeit geführt." Als "sittenwidrig" bezeichnete Christian Strenger, Mitglied in der Deutschen Corporate Governance Kommission daher die Abfindungen, die dennoch vom Aufsichtrat zugesagt wurden. Die Höhe der Abfindungen liegt bei 62,5 Millionen Euro. Aufsichsratschef Wolfgang Porsche ließ das nicht gelten. Er verteidigte die Abfindungen mit den Worten, den langjährigen Vorständen habe noch mehr zugestanden. Dass das Geld gekürzt oder zurückgenommen wird, sei rechtlich nicht möglich.
Vor den Folgen einer Klage von US-Investoren auf Schadenersatz warnte Franz Wagner von der Aktionärsvereinigung SdK. "Wenn wir Glück haben, ist die Klage schnell vorbei. Wenn wir Pech haben, wird es richtig teuer", sagte Wagner. Die Investoren verlangen eine Entschädigung von mehr als einer Milliarde Dollar. Sie werfen Wiedeking und Häter in der Klage vor, zu spät über die VW-Pläne informiert und den VW-Aktienkurs manipuliert zu haben.
Erholung beim Fahrzeugabsatz
Dass der Sportwagenbauer eine Erholung beim Fahrzeugabsatz verbuchen konnte, nahmen die Anleger kaum zur Kenntnis. Porsche verkaufte in der ersten Hälfte des seit August laufenden Geschäftsjahres 2009/2010 insgesamt 33.200 Autos. Das sind rund drei Prozent weniger als vor Jahresfrist. Im ersten Quartal musste das Unternehmen noch ein Minus von knapp 40 Prozent hinnehmen. Der Umsatz sank bis Ende Januar um 3,3 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro.
Im Vorjahr waren Wiedeking und Härter - noch für die geplante Beherrschung von VW gefeiert worden. Im vergangenen Juli scheiterte der Plan aber im Zuge der Finanzkrise an der hohen Schuldenlast. Die Mitte 2009 abgelösten Manager haben dem Unternehmen durch den gescheiterten Übernahmeversuch Milliardenschulden und einen Rekordverlust von 4,4 Milliarden Euro eingebrockt. Unter neuer Führung muss Porsche seine Rücklagen angreifen, um den Aktionären überhaupt eine Mini-Dividende von wenigen Cent ausschütten zu können.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.

