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Düsseldorf
Alle Länder wachsen, NRW nicht

Düsseldorf. Die Investitions- und Forschungsschwäche sowie die Abhängigkeit von konventioneller Energie behindern das Land. Und 2016 fällt NRW weiter zurück, erwartet das Forschungsinstitut RWI. Von Antje Höning

Nordrhein-Westfalen fällt im Länder-Vergleich weiter zurück. Während die Wirtschaftsleistung in 15 Bundesländern im vergangenen Jahr stieg (und zwar im Schnitt um 1,7 Prozent), stagnierte sie an Rhein und Ruhr. Hier wurden im vergangenen Jahr Waren und Dienstleistungen für 646 Milliarden Euro erzeugt. Damit lag das Bruttoinlandsprodukt preisbereinigt nur auf dem Niveau von 2014, wie das Statistische Landesamt mitteilte.

Sorgenkind ist vor allem das Verarbeitende Gewerbe, zu dem Konzerne ebenso zählen wie Mittelständler, die Investitions- oder Konsumgüter herstellen. Hier brach die Wirtschaftsleistung um 2,1 Prozent ein, während die Branche bundesweit ihre Leistung um 1,7 Prozent steigern konnte. Der Dienstleistungssektor legte zwar auch in NRW zu, doch das Plus fällt mit 0,1 Prozent viel zu mager aus. Bundesweit schaffte der Dienstleistungssektor ein Wachstum von 1,5 Prozent.

Die Landespolitik reagierte erwartbar. CDU und FDP gaben der Landesregierung die Schuld. "Der wachsende Wohlstand in Deutschland kommt nicht bei den Menschen in NRW an", kritisierte FDP-Chef Christian Lindner. "Rot-Grün verbaut Chancen." Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) betonte, dagegen, NRW sei die Heimat von Bergbau, Energie und Stahl, hier hemmten der teils mit Dumpingmethoden geführte globale Wettbewerb sowie nationale und europäische Energiepolitik das Wachstum.

Beide Argumentationen isoliert sind falsch. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) sieht gleich ein Bündel von Ursachen für die Dauerkrise. "Die schwache Expansion in NRW hat strukturelle Ursachen. Diese verhindern, dass das Land zum übrigen Bundesgebiet aufschließt", erklärten die Forscher. So habe Nordrhein-Westfalen die geringste Investitionsquote unter den deutschen Ländern. Auch die Forschungs- und Entwicklungsausgaben machten in NRW nur gut ein Drittel der Ausgaben in Baden-Württemberg aus. Und bei Zukunftsfragen wie Möglichkeiten zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (schnelles Internet) geht mehr. "Alles in allem hat NRW bei den Faktoren, die Treiber des Wohlstandes sind, zumeist einen Rückstand gegenüber anderen Bundesländern."

Zugleich sehen die Forscher NRW besonders von der Energiewende belastet: Der Energiesektor spiele eine zentrale Rolle in NRW, Energie werde hier aber vorwiegend mit Kohle und Gas erzeugt - und fast alle Kraftwerke schreiben rote Zahlen. Darüber hinaus dämpften die klammen Finanzen vieler Städte die Realeinkommen in NRW, betonten die RWI-Forscher. Sie erwarten zwar, dass die NRW-Wirtschaft in diesem Jahr um 1,4 Prozent wächst - damit aber erneut schwächer als im Bund. Statt aufzuholen gerät das Land, das einst Herzkammer der deutschen Industrie war, immer mehr ins Hintertreffen.

Quelle: RP
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