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Volkswagen
Alles wird besser - hoffentlich

Wolfsburg. Volkswagen soll nicht allein Autos verkaufen, sondern zum Mobilitätsdienstleister werden - so steht es in der neuen Strategie 2025 des Konzerns. Vorstandschef Matthias Müller plant einen radikalen Wandel, doch die Probleme bleiben. Von Florian Rinke

Wie viel sich bei Volkswagen optimieren lässt, konnte man zuletzt in der Mitarbeiterzeitschrift "Inside" nachlesen. Da verkündete der Konzern, dass Schluss sei mit dem Handy-Wirrwarr. Bislang gab es Smartphones mit den Betriebssystemen Android, iOS, Windows oder Blackberry OS, künftig laufen alle Geräte mit Windows. "Ein einheitliches System drückt die Kosten", heißt es. Es ließe sich ein sechsstelliger Betrag sparen.

Das reicht natürlich nicht annähernd, um die Folgen des Abgasskandals zu bekämpfen. In den USA steht eine Einigung mit Behörden und Klägeranwälten weiter aus. Der zuständige Richter gewährte zuletzt eine weitere Woche Aufschub, um eine Lösung - wohl einen Vergleich in Milliardenhöhe - auszuarbeiten. Kein Wunder, dass die Manager den Konzern auf den Kopf gestellt haben, um Sparmöglichkeiten zu finden - und eine neue Vision für VW.

Gestern stellte Müller das Ergebnis der Beratungen vor: "Together -Strategie 2025" heißt sein Zukunftsprogramm, das den Konzern einerseits deutlich effizienter machen soll, ihn andererseits aber auch komplett neu auf digitale Geschäftsmodelle und Antriebstechnologien ausrichtet. "Wir haben den größten Veränderungsprozess in der Geschichte von Volkswagen auf den Weg gebracht", sagte Müller.

Der Autobauer soll zum Anbieter von Mobilitätsdienstleistungen umgebaut werden. Zuletzt beteiligte sich VW daher für 300 Millionen Dollar am israelischen Start-up Gett, einer Taxi-App. Weitere Zukäufe sind geplant. Gett sei der Nukleus, so Müller: "Um diesen Kern werden wir in den nächsten Jahren in rascher Folge weitere Dienste wie Robotaxis, Carsharing oder Transport-on-demand gruppieren."

Volkswagen reagiert damit auf neue Konkurrenten wie den Fahrdienstvermittler Uber und Digitalkonzerne wie Google, die mit selbstfahrenden Autos experimentieren.

Autos wollen die Wolfsburger zwar weiterhin verkaufen, ein Drittel, schätzt Müller, werde 2030 allerdings elektrisch fahren. "Wir sind entschlossen, die E-Mobilität zu einem neuen Markenzeichen von Volkswagen zu machen." 30 neue Elektrofahrzeuge werde man daher bis 2030 auf den Markt bringen, um so zwei bis drei Millionen E-Autos pro Jahr zu verkaufen. Gleichzeitig soll die aktuelle Zahl der Modellvarian-ten, momentan sind es 340, reduziert werden.

Ein Viertel des Absatzes sollen 2030 E-Autos ausmachen, so Müller. Damit ist klar, dass man bei Volkswagen auch weiterhin überzeugt ist, jährlich zwischen acht und zwölf Millionen Fahrzeuge zu verkaufen. Müller betonte zwar, dass die von Vorgänger Martin Winterkorn vorgegebene Fixierung auf Größe nicht mehr gelte. Kleiner will man in Wolfsburg aber offensichtlich auch nicht werden. "Wir haben eine starke Basis, auf der wir aufbauen können", sagt Müller.

Experten beurteilen die Leistungsstärke von Volkswagen deutlich kritischer. In einer jährlich erstellten Rangliste des Center of Automotive Management zur Leistungsfähigkeit der Automobilkonzerne rutschte VW von Platz 1 auf 7 ab. Neuer Spitzenreiter ist Toyota. "Dank der hohen finanziellen Leistungskraft der Premiumtöchter Audi und Porsche sowie der prinzipiell hohen Innovationsstärke kann sich der VW-Konzern zwar noch im Mittelfeld halten", so Studienleiter Stefan Bratzel. Die Aufgabenliste -von A wie Abgasskandal bis Z wie Zukunftstechnologien - ist jedoch lang. "Die Bearbeitung der strategischen Themen ist eine Voraussetzung für die mittel- und langfristige Überlebensfähigkeit des Konzerns." Trotzdem könnte VW dank der starken Position in wachsenden Märkten wie China wieder zum absatzstärksten Hersteller aufsteigen.

Das ist gut für VW, selbst wenn die Größe nichts mehr so wichtig sein soll. Denn natürlich braucht der Konzern die Einnahmen aus dem klassischen Auto-Geschäft, um die hohen Investitionen in die Zukunft finanzieren zu können. Pro Jahr sollen allein durch Effizienzsteigerungen acht Milliarden Euro gespart werden.

Eine Abkehr vom Diesel sei daher auch nicht geplant, ließ Müller durchblicken, gleichwohl: "Die Verbrennungsmotoren werden in den nächsten Jahren teurer, weil die Abgasvorschriften strikter werden, die Elektromotoren gleichzeitig immer günstiger", so Müller. Irgendwann würden sich die Preise treffen. Spätestens dann muss VW bereit sein.

Quelle: RP
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