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Fragen und Antworten zur Altersvorsorge
Ist die Riester-Rente jetzt gescheitert oder nicht?

Altersvorsorge: Ist die Riester-Rente gescheitert?
Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Riester-Rente zusammengestellt. FOTO: dpa, dka pzi fdt
Berlin. Die Riester-Rente "ist gescheitert", behauptet CSU-Chef Horst Seehofer. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will so weit zwar nicht gehen, doch auch sie ist enttäuscht von der staatlich geförderten Altersvorsorge. Rentenexperten widersprechen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen. Von Jan Drebes und Birgit Marschall

Die "hochfliegenden Erwartungen" an die Riester-Rente seien "nicht eingelöst worden", sagt Nahles. Die Rentenexperten Bert Rürup und Walter Riester, Namensgeber der Riester-Rente, widersprechen: Trotz der niedrigen Zinsen lohne sich die Riester-Rente auch weiterhin vor allem für Geringverdiener und Kinderreiche, aber auch für andere.

Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt:

Was ist die Riester-Rente?

Sie ist eine durch staatliche Zulagen und Sonderausgabenabzug geförderte private Altersrente. Sie wurde 2002 auf Vorschlag des damaligen Arbeitsministers Walter Riester (SPD) eingeführt, um die schrittweise Verringerung des Niveaus der gesetzlichen Rente zu flankieren. Bis heute gibt es 16,5 Millionen Verträge, rund 40 Prozent der Förderberechtigten haben einen Riester-Vertrag. Seit einigen Jahren stagniert jedoch die Nachfrage danach.

Wie funktioniert die Riester-Rente?

Der Versicherungsnehmer kann maximal vier Prozent seines Einkommens bis zur Rentenbeitragsbemessungsgrenze von 50.850 Euro in einen Riester-Vertrag einzahlen. Sparformen können ein Banksparplan, ein Fondssparplan, klassische private Rentenversicherungen, die Pensionskasse, aber auch Bauspar-Verträge ("Wohn-Riester") sein. Darauf bekommt er eine staatliche Zulage von 154 Euro pro Person und Jahr und für jedes nach 2008 geborene Kind zusätzlich 300 Euro.

Warum lohnt sich Riestern oft wenig?

Die privaten Anbieter der Riester-Verträge verlangen oft zu hohe Abschlusskosten, die die Rendite schmälern. "Man könnte die Riester-Förderung für neu abgeschlossene Verträge – ab einem Stichtag – daran knüpfen, dass eine bestimmte Kostenquote nicht überschritten wird", schlägt daher Rürup vor, der frühere Chef des Rats der Wirtschaftsweisen. Zudem würden Riester-Verträge zu selten als Fondssparpläne abgeschlossen. In der aktuellen Niedrigzinsphase tendieren die Renditen von Renten- und Lebensversicherungen gegen Null. Fondssparpläne dagegen, die auch auf Aktien setzten, würden auch in dieser Phase noch akzeptable Renditen abwerfen.

Für wen lohnt sich Riestern?

Je niedriger das Einkommen, desto mehr schlägt die staatliche Förderung zu Buche. Ein Arbeitnehmer mit einem 450-Euro-Job und zwei Kindern bekommt eine staatliche Zulage von 754 Euro, wenn er nur den Mindestbetrag von 60 Euro im Jahr einzahlt. "Die Kritik von Herrn Seehofer und von Frau Nahles an der Riester-Rente ist nicht gerechtfertigt", sagt Riester. "Was ich aus Bayern noch als Populismus abtun kann, ist aus dem Mund der Arbeitsministerin sachlich schlicht falsch", entgegnet er seiner Parteifreundin Nahles. "Tatsächlich verfügen 25 Prozent der Riester-Sparer über ein Jahreseinkommen von weniger als 10.000 Euro. Und zwei Drittel aller Verträge wurden bisher von Menschen abgeschlossen, die unter dem Durchschnittslohn liegen." Auch Rürup meint: "Zu sagen, man habe nichts übrig, um es für das Alter zu sparen, ist ein Totschlagargument, dem man nichts entgegensetzen kann solange man die tatsächlichen Ausgabenstrukturen nicht kennt."

Warum Riestern nicht mehr Leute?

"Die Riester-Rente hätte für alle von den Leistungsrücknahmen der gesetzlichen Rente Betroffenen obligatorisch sein müssen – wie dies damals von vielen Ökonomen gefordert wurde", sagt Rürup. "Dann wären die Vertriebskosten nicht so hoch, und es hätte weniger intransparente Produktinnovationen gegeben."

Welche Vorschläge gibt es, um die private Altersvorsorge zu stärken?

Drei hessische Landesminister, Thomas Schäfer (Finanzen), Stefan Grüttner (Soziales), beide in der CDU, und ihr grüner Kollege Tarek Al-Wazir (Wirtschaft) haben vorgeschlagen, eine neue staatliche "Deutschland-Rente" einzuführen. Jeder Arbeitnehmer soll in diesen zentralen Fonds einzahlen können. Dazu zwackt der Arbeitgeber die Beiträge vom Gehalt ab und führt diese an die Rentenversicherung ab. Fondsmanager legen das Geld anschließend am Kapitalmarkt an. Der Fonds soll – anders als bei Versicherern oder Fondsgesellschaften – "ohne eigenes Gewinninteresse auf Selbstkostenbasis" arbeiten. Auch dieses Konzept, so es denn umgesetzt würde, könne nur aufgehen, wenn die Deutschland-Rente für alle obligatorisch würde, sagt Riester. "Sobald es einen Weg drumherum gibt, werden ihn die Leute nutzen. Viel zu häufig entscheiden sich die Menschen für etwas mehr monatliches Netto statt für die Altersvorsorge. Auch die Riester-Rente sollte verpflichtend sein, dann würde sie besser funktionieren."

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