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Berlin
Altersvorsorge soll billiger werden

Berlin. Die Versicherer wollen die Abschlusskosten senken, um die Produkte in der Niedrigzinsphase attraktiver für potenzielle Kunden zu machen. Die klassischen Lebensversicherungen mit Garantien verschwinden immer mehr vom Markt. Von Uwe Schmidt-Kasparek

Die Kosten für den Abschluss von privaten Altersvorsorgeverträge sollen reduziert werden. Im vergangenen Jahr kassierten Vermittler für den Abschluss von Lebensversicherungen insgesamt 7,1 Milliarden Euro. "Diese Kosten müssen weiter sinken", forderte Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), bei der Vorstellung der Bilanz des vergangenen Jahres in Berlin. 2014 hatte der Verkauf der privaten Altersvorsorge noch 7,6 Milliarden Euro gekostet. Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase sind nach Ansicht des GDV-Chefs hohe Vertriebskosten nicht mehr vertretbar. Nur mit geringeren Abschlusskosten könnten die Produkte wieder an Attraktivität gewinnen. Das fordere auch die Versicherungsaufsicht und der Gesetzgeber. Vermittler müssten dafür Verständnis zeigen.

Im vergangenen Jahr hatten die Lebensversicherer bereits geringere Umsätze hinnehmen müssen. Die Einnahmen sanken um 1,1 Prozent auf 92,7 Milliarden Euro. Der Vertragsbestand reduzierte sich sogar um 1,7 Prozent auf 91 Millionen Verträge. Klassische Lebensversicherungen mit einer laufenden jährlichen Garantiezusage werden zudem immer weniger verkauft. Sie hatten 2015 nur noch einen Anteil von 59 Prozent am Neugeschäft, während neue Garantieprodukte ihren Verkaufsanteil auf 37 Prozent steigern konnten. 2013 hatte ihr Anteil noch bei 24 Prozent gelegen.

Ein Grund für den höheren Verkaufsanteil neuer Produkte ist aber die Tatsache, dass viele Versicherer gar keine klassischen Produkte mehr anbieten. Selbst Marktführer Allianz verkauft den früheren Megaseller nicht mehr aktiv. Bei neueren Produkten sind die Garantien deutlich reduziert. In der Regel gibt es nur die Sicherheit, dass zum Rentenstart die eingezahlten Beiträge noch vorhanden sind. Höhere Renditen durch die Einzahlung eines Teils der Prämie am Aktienmarkt sind lediglich ein Versprechen der Anbieter. Verbraucherschützer kritisierten die neuen Altersvorsorgeprodukte als zu intransparent. Zudem sei die staatlich geförderte private Riester-Rente, die die Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus kompensieren soll, weitgehend gescheitert. Daher werben hessische Politiker für eine sogenannte Deutschlandrente, einen kostengünstig vom Staat verwalteten privaten Rentenfonds. Diesen Vorschlag kritisiert der GDV scharf. "Die Idee der Deutschlandrente bietet vor allem viel heiße Luft", so Erdland. Gleichzeitig gab sich der GDV-Präsident diskussionsbereit und forderte die Bundesregierung auf, an einem runden Tisch gemeinsam Reformen für die Altersvorsorge zu erarbeiten. Nach Meinung des Verbandes soll die Riesterförderung der realen Lohnentwicklung angepasst werden. Zudem müsste die spätere Rente für Kleinverdiener von einer Verrechnung mit der Grundförderung befreit werden, um die Motivation für das Sparen zu erhöhen. Zudem sollte es bei Betriebsrenten keine Abzüge durch die gesetzlichen Krankenkassen geben.

Mehr Eigeninitiative fordert der GDV von Haus- und Wohnungseigentümern, um der Einbruchskriminalität Herr zu werden. Für solche Schäden mussten die Hausratversicherer 2015 rund 500 Millionen Euro entschädigen. "Die Menschen müssen mehr für ihre Sicherheit tun", verlangte Erdland. Wer Türen und Fenster besser sichere, schrecke viele Täter erfolgreich ab. Die Versicherer hätten daher gemeinsam mit der Kriminalpolizei die bundesweite Kampagne "Keinbruch" gestartet. Sie informiert über Präventionsmaßnahmen.

Wer sein Haus oder seine Wohnung besser sichert, darf aber nicht mit einem Beitragsnachlass seiner Assekuranz rechnen. "Die durchschnittliche Jahresprämie in der Hausratversicherung liegt lediglich bei rund 100 Euro", sagte Norbert Rollinger, beim GDV für die Schaden- und Unfallversicherung zuständig. Mit Nachlässen der Assekuranzen könne man daher nicht mal eine "Legotür" finanzieren.

Quelle: RP
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