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Krisen und Kreislaufwirtschaftsgesetz
Der Altkleidermarkt in Deutschland schwächelt

Altkleidermarkt: Krisen und Kreislaufwirtschaftsgesetz verschärfen Situation
Ein Sack mit einer Spende für die Kleiderannahmestelle des Deutschen Roten Kreuzes. FOTO: dpa, jew kno jol
Bonn. Der Altkleidermarkt in Deutschland hat Probleme: Konflikte in der Ukraine, im Nahen und Mittleren Osten sowie der Ausbruch von Ebola in Afrika hätten das Preisniveau für Alttextilien in 2014 um rund 20 Prozent gesenkt.

Das sagte Ilona Schäfer vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) in Bonn der Deutschen Presse-Agentur. Unruhen machten den Transport in die Zielländer unsicher und teurer und veränderten das öffentliche Leben, so dass der Absatz der Kleidung schwieriger werde. Die Lager und Sortierbetriebe seien derzeit übervoll. Der Verband sieht die Marktentwicklung für 2015 weiterhin düster.

Auswirkungen auf den stark umkämpften Altkleidermarkt habe auch das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz, so der Verband weiter. In dessen Folge würden seit 2012 immer mehr Kommunen selbst Kleider sammeln und Stellplätze für Container wie auch die Verwertung des gesammelten Materials meistbietend ausschreiben.

Das schränke den Markt auch für karitative Sammler ein, klagt der Dachverband Fairwertung, ein Zusammenschluss gemeinnütziger Organisationen, die Kleider sammeln. "Gemeinnützige Sammlungen verlieren durch die neue Konkurrenz an Boden. Die Erlöse für soziale Projekte gehen zurück", sagte Fairwertung-Sprecher Thomas Ahlmann.

Nach Angaben des Deutschen Städte- und Gemeindebundes geht es den Kommunen nicht um Konkurrenz am Markt. "Sie wollen die einheitliche Steuerungsverantwortung für die Abfallentsorgung", sagte Umweltexperte Norbert Portz. Viele der rund 11.000 Kommunen in Deutschland hätten gute Kooperationen mit privaten Sammlern. Zudem würden Einnahmen und Erlöse aus der Altkleidersammlung die Abfallgebühren für die Bürger erheblich entlasten.

Jährlich sortieren die Deutschen rund 750.000 Tonnen Textilien aus ihren Kleiderschränken aus. Ein Großteil geht auf den Secondhand-Markt vorwiegend nach Osteuropa und Afrika. Der Umsatz der Branche liegt bei rund 300 Millionen Euro, schätzt Fairwertung.

Darauf sollten Sie achten

Die Verbraucherzentrale Hamburg rät den Bürgern auf folgende Hinweise zu achten, damit ihre Spenden nicht bei einem schwarzen Schaf landen:

- An Containern und Sammelstellen sollten sich Labels befinden. Seriös und garantiert sicher seien das Label von FairWertung, das Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) sowie das Qualitätssiegel Textilsammlung des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bsve). Die teilnehmenden Unternehmen sind auf deren Internetseiten aufgelistet.

- Kontaktdaten der karitativen Organisation sollten genannt sein. Name, Adresse und Telefonnummer müssen echt sein - ein Anrufbeantworter sei noch kein Beleg für die Echtheit der übrigen Firmenangaben.

- Kritisch sollte man bei Organisationen sein, die Handzettel verteilen. Gut seien grundsätzlich Kleiderkammern vor Ort sowie Sammlungen für konkrete Hilfsprojekte im In- und Ausland. Auskunft hierüber können oft die Kirchengemeinden geben.

- Verbraucher sollten auch darauf achten, was sie weggeben, um den Organisationen nicht zu viel Arbeit beim Sortieren zu machen. In die Container gehören gut erhaltene und modische Kleidung, Wäsche, Hüte und Mützen, Schals, Schuhe und Baby-Kleidung, zählt die Organisation FairWertung auf. Die Textilien müssen sauber und gut verpackt sein.
Die Schuhe werden am besten paarweise zusammengebunden. Abgetragene oder einzelne Schuhe sowie Skischuhe werden nicht gesammelt, Wolldecken, Bettwäsche, Gardinen, Tischdecken und Plüschtiere hingegen schon.

(dpa)
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