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Seattle
Amazon-Aktie stürzt trotz Rekordgewinn ab

Seattle. Das Weihnachtsgeschäft lief hervorragend, doch der wahre Gewinnbringer war nicht der Versand von Paketen.

Gewinn mehr als verdoppelt, Börsianer enttäuscht: Der Online-Handelsriese Amazon hat zum Jahresende dank eines boomenden Weihnachtsgeschäfts so viel Geld verdient wie noch nie zuvor. Doch die Erwartungen der Wall Street waren höher. Der Aktienkurs stürzte zwischenzeitlich um mehr als 13 Prozent ab.

Von Oktober bis Dezember stieg der Überschuss um mehr als die Hälfte auf 482 Millionen Dollar (rund 440 Millionen Euro), wie Amazon mitteilte. Damit erzielte das Unternehmen das beste Quartalsergebnis seiner 19-jährigen Börsengeschichte. Analysten hatten jedoch mit einem deutlich höheren Gewinn gerechnet. Auch der Umsatz blieb unter den Prognosen der Finanzprofis. Die Erlöse legten im Schlussquartal um 22 Prozent zum Vorjahr auf 35,7 Milliarden Dollar zu. Der starke Dollar, der Auslandseinnahmen nach Umrechnung in US-Währung reduziert, belastete den Umsatz. Ohne den Einfluss des Wechselkurses hätte das Plus bei etwa 26 Prozent gelegen.

Die Geschäfte brummten vor allem im nordamerikanischen Heimatmarkt, wo die Erlöse um 24 Prozent wuchsen. Die Konkurrenz hatte zuletzt gemischte Ergebnisse vorgelegt. Während die Quartalszahlen und der Geschäftsausblick vom deutlich kleineren Wettbewerber Ebay am Vortag enttäuscht hatten, trotzte der große Rivale Alibaba den Konjunktursorgen in China und steigerte den Umsatz um mehr als 30 Prozent.

Für das erste Quartal 2016 stellte Amazon einen Umsatz zwischen 26,5 und 29 Milliarden Dollar und ein operatives Ergebnis zwischen 100 und 700 Millionen Dollar in Aussicht. In dem von Experten aufmerksam beobachteten Cloud-Geschäft, bei dem Daten, Dienste und Infrastruktur für Unternehmen ins Internet ausgelagert werden, verzeichnet Amazon rasantes Wachstum. In der Sparte Web Services legten die Erlöse um 69 Prozent auf rund 2,4 Milliarden Dollar zu. Der operative Gewinn kletterte hier von 240 auf 687 Millionen Dollar. Doch viele Finanzprofis hatten auch hier mit noch größeren Anstiegen gerechnet. Im Gesamtjahr übertraf der Konzern beim Umsatz erstmals die 100-Milliarden-Dollar-Marke (plus 18 Milliarden auf 107 Milliarden Dollar) und verdiente netto etwa 596 Millionen Dollar.

Dass Amazon profitabel wirtschaftet, ist alles andere als die Regel. 2014 hatte es noch ein Minus von 241 Millionen Dollar gegeben. Das Unternehmen hat seine Aktionäre schon oft mit hohen Verlusten verprellt. Konzernchef Jeff Bezos investiert das Geld weiter mit vollen Händen, um die Vormachtstellung im E-Commerce zu verteidigen. Im Schlussquartal wuchsen die Ausgaben dafür um gut 20 Prozent auf knapp 35 Milliarden Dollar.

(dpa)
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