Markt bleibt stabil: Arbeitslosigkeit im Ferienmonat Juli gestiegen
zuletzt aktualisiert: 31.07.2012 - 19:35Nürnberg (RPO). Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich trotz nachlassender Dynamik stabil. Es gebe keine Trendwende, sagte der Chef der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, am Dienstag bei der Vorlage der Arbeitsmarktzahlen. Im Juli stieg die Zahl der Jobsuchenden ferienbedingt um 67.000 auf 2,88 Millionen.
Die Arbeitslosenquote erreichte nun 6,8 Prozent, nach 6,6 Prozent im Juni und 7,0 Prozent vor einem Jahr. Gegenüber dem Juli des Vorjahres bedeutete die aktuelle Arbeitslosenzahl einen Rückgang um 63.000. Es war zudem die niedrigste Juli-Arbeitslosenzahl seit 20 Jahren.
Anstieg üblich
Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit ist im Juli üblich. Dies liegt vor allem daran, dass sich viele Jugendliche nach dem Abschluss ihrer Schul- oder Berufsausbildung vorübergehend arbeitslos melden. Weise sagte, die Grundtendenz am Arbeitsmarkt sei "weiter insgesamt positiv". "Die Arbeitslosigkeit ist in der Sommerpause vor allem aus saisonalen Gründen gestiegen."
Weise sagte zudem, es gebe "eindeutig" keine Trendwende zum Negativen. Falls die Eurokrise aber auf den Arbeitsmarkt durchschlage, sei die BA organisatorisch gut vorbereitet und könne schnell Jobberatung bieten. Problematisch sei allerdings die finanzielle Ausstattung. "Wir haben keine finanziellen Reserven", sagte Weise. Auch der Bund habe diese nicht. Dies sei ein wesentlicher Unterschied zur letzten Wirtschaftskrise, als der Bund etwa durch Konjunkturprogramme die Folgen für den Arbeitsmarkt dämpfen konnte.
Mehr als im Vorjahres-Juli
Weiter zugenommen haben die Erwerbstätigkeit und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Nach den jüngsten vorliegenden Zahlen des Statistischen Bundesamtes gab es im Juni 41,7 Millionen Erwerbstätige und damit 496.000 mehr als im Jahr davor. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag nach einer BA-Hochrechnung für Mai bei 28,95 Millionen und damit um 592.000 höher als im Vorjahr. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ließ zuletzt etwas nach, im Juli gab es aber 500.000 freie Jobs. Dies waren 8000 mehr als im Vorjahres-Juli.
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erklärte, der Arbeitsmarkt mache eine "Seitwärtsbewegung auf insgesamt guten Niveau". Allerdings gebe es etwa mit der Schuldenkrise Risiken. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) erklärte, "die Fortschritte werden zwar kleiner, der Arbeitsmarkt bleibt aber in der Spur." Dazu trage die robuste Binnenkonjunktur und eine ausgezeichnete internationale Wettbewerbsfähigkeit bei.
Opposition kritisiert Regierung
Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Hubertus Heil erklärte, die Eintrübung am Arbeitsmarkt sei auch Folge der Fehler der Bundesregierung. Über zwei Jahre habe diese alleine auf Rettungsschirme und Kürzungsauflagen gesetzt und nicht auf Wachstumspolitik. Heil forderte die Bundesregierung auf, Vorsorge für den Fall zu treffen, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt weiter verschärfe.
Die Grünen-Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer forderte von der Leyen auf, den ersten "Krisenzeichen" entgegenzusteuern und etwa die von ihr versprochenen Umschulungsangebote für Mangelberufe in der Pflege und Kinderbetreuung sicherzustellen. Die Linken-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann forderte eine intensivere Förderung für Langzeitarbeitslose, arbeitslose Schwerbehinderte und ältere Arbeitslose.


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