Alle Wirtschaft-Artikel vom 1. Januar 2004
Sieben ehemalige Manager und Bilanzprüfer in Haft

Parmalat-Skandal: Der Sumpf wird tiefer

Mailand/Rom (rpo). Immer weitere Kreise zieht der Bilanz-Skandal um den insolventen italienischen Nahrungsmittelkonzern Parmalat. An Silvester verhaftete die Polizei in Mailand, Parma und Como sieben weitere ehemalige Parmalat-Manager und -Mitarbeiter sowie externe Wirtschaftsprüfer. Nach seiner Festnahme trat der Chef des italienischen Zweigs der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton, Lorenzo Penca, nach Angaben des Unternehmens zurück. Pencas ebenfalls inhaftierter Partner Maurizio Bianchi sei auf unbestimmte Zeit seines Amtes enthoben worden, teilte Grant Thornton International in einer Erklärung am Mittwochabend mit. Grant Thornton war von 1990 bis 1999 für Parmalat und in den Folgejahren weiter für das Tochterunternehmen Bonlat tätig. Das Unternehmen hat die Vorwürfe zurückgewiesen, in den Fälschungsskandal von Parmalat verwickelt zu sein und seine Mitarbeiter als Opfer bezeichnet. Es kündigte eigene Untersuchungen an. Als Interimsgeschäftsführer übernehmen Carlo Anreis und Contardino Mangiarotti die Aufgaben Pencas und Bianchis. Ermittlungen wurden ausgedehnt Unter den am Mittwoch Festgenommenen sind nach Polizeiangaben weiter die ehemaligen Parmalat-Finanzchefs Fausto Tonna und Luciano Del Soldato. Gegen einen achten Verdächtigen, der sich in Venezuela aufhalten soll, wurde Haftbefehl erlassen. Firmengründer Calisto Tanzi sitzt bereits seit Samstag in Untersuchungshaft. Den Verdächtigen wird unter anderem Verwicklung in betrügerischen Bankrott und Bilanzfälschung vorgeworfen. Die Justizbehörden dehnten die Ermittlungen mittlerweile offenbar auch nach Übersee aus. Sie untersuchen nach Berichten der italienischen Nachrichtenagenturen ANSA und APcom, ob Mitarbeiter der Bank of America in den Skandal verwickelt sein könnten. Parmalat hat eingeräumt, dass Angaben vom September, wonach ein Bonlat-Guthaben in Milliardenhöhe bei der Bank of America Corp. hinterlegt sei, falsch gewesen seien. Tanzi weiter in Haft Der Mailänder Richter Guido Salvini veröffentlichte unterdessen ein Dokument mit neuen Einzelheiten zum Ausmaß der Affäre. Laut dem Papier, das der Nachrichtenagentur AP vorlag, räumte Exfinanzchef Tonna vor seiner Festnahme ein, dass vier Mal jährlich "das System, falsche Dokumente zusammenzustellen" aktiviert worden sei. Del Soldato sagte demzufolge aus, dass Papiere auf einem Computer mit einem eingespeicherten nachgeahmten Bank-of-America-Logo gefälscht worden seien. Nach Angaben eines ebenfalls festgenommenen Parmalat-Mitarbeiters ordnete Del Soldato die Zerstörung des Computers mit einem Hammer an. Den Antrag von Tanzis Verteidigern, ihren Mandanten unter Hausarrest zu stellen, hat Richter Salvini abgelehnt. Tanzis Teilgeständnis sei dafür nicht ausreichend. Den Unterlagen Salvinis zufolge bezifferte Tanzi das Finanzloch des Konzerns auf acht Milliarden Euro und räumte ein, 500 Millionen Euro in die Kassen von Reiseunternehmen verschoben zu haben, die von seiner Familie kontrolliert werden. Nicht persönlich bereichert Tanzis Anwalt Fabio Belloni erklärte am Mittwoch, sein Mandant habe das vermisste Geld nicht für sich persönlich veruntreut, sondern wieder in das Unternehmen investiert. Die italienische Regierung hat dem Großkonzern Unterstützung zugesichert und Tanzis Nachfolger Enrico Bondi mit der Erarbeitung eines Sanierungskonzepts beauftragt. Parmalat stellt vor allem Milchprodukte her und beschäftigt 36.000 Mitarbeiter in 29 Ländern. mehr

Großteil rechnet noch in Mark um

Deutsche bleiben der Mark treu

Hamburg (rpo). Mittlerweile tauschen die Deutschen seit zwei Jahren Waren gegen Euro. Doch auch zwei Jahre nach Einführung des Euro rechnen noch zwei Drittel aller Bundesbürger bei größeren Anschaffungen die Euro-Preise in Mark um. In einer am Donnerstag veröffentlichten Forsa-Umfrage für die Zeitschrift "Stern" gaben 67 Prozent der Befragten an, sie würden in diesem Fall "meistens" noch in Mark umrechnen, 23 Prozent erklärten, sie würden "selten" umrechnen. Nur zehn Prozent rechnen "gar nicht mehr" in Mark um. Die wirtschaftlichen Aussichten für das neue Jahr beurteilen die Bundesbürger skeptisch. 31 Prozent erklärten in der Umfrage, die wirtschaftlichen Verhältnisse würden sich 2004 verschlechtern, 42 Prozent meinten, sie würden unverändert bleiben. Nur gut ein Viertel (27 Prozent) der Deutschen erwartet eine Verbesserung der Wirtschaftslage. Keine durchgreifenden Veränderungen Auch bei der Entwicklung der eigenen finanziellen Situation erwarten die Bundesbürger keine durchgreifenden Veränderungen. Knapp die Hälfte (49 Prozent) gab an, ihre persönliche Situation werde unverändert bleiben, 29 Prozent befürchten sogar eine Verschlechterung. Dass sich ihre finanzielle Situation verbessert, glauben 22 Prozent der Deutschen. Das Forschungsinstitut Forsa befragte am 22. und 23. Dezember 1.009 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei drei Prozentpunkten. mehr

Arbeitsmarkt-Reformen ohen Auswirkungen auf Beschäftigte

DIHK: Hartz-Gesetze "kein großer Wurf"

Berlin (rpo). Offenbar verfehlen die bisherigen Arbeitsmarkt-Reformen ihre erwartet positiven Auswirkungen auf die Beschäftigung. Zu diesem Ergebnis kommt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mit der Auswertung einer Umfrage bei über 20 000 Unternehmen. Die bislang umgesetzten so genannten Hartz-Gesetze seien beschäftigungspolitisch «kein großer Wurf», urteilt die Organisation. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen gaben an, dass sie auch im neuen Jahr kein einziges von den neu eingeführten Hartz-Instrumenten zur Einstellung von Personal nutzen wollen, berichtet der DIHK. Viele Ansätze des Hartz-Konzepts spielten damit im betrieblichen Alltag überhaupt keine Rolle. Lediglich neun Prozent der Betriebe wollten 2004 die Dienste von Personal-Service-Agenturen in Anspruch nehmen. Das Programm «Kapital für Arbeit» erweise sich nach der Einschätzung der Wirtschaft als Flop, heißt es in der Auswertung weiter. Nur sechs Prozent der Unternehmen seien bereit, diese Förderleistung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu nutzen. mehr

Honorar angesichts erwarteter Einnahmen gerechtfertigt

Verkehrsministerium rechtfertigt Millionen-Vertrag

Berlin/Hamburg (rpo). Die Kritik an einem millionenschweren Beratervertrag für die Einführung der Lkw-Maut hat das Bundesverkehrsministerium zurückgewiesen. Das Honorar von 15 Millionen Euro sei gerechtfertigt. Angesichts der erwarteten Milliardeneinnahmen sei das Honorar in Höhe von 15 Millionen Euro für die Beratergruppe gerechtfertigt, sagte eine Ministeriumssprecherin am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Der Auftrag sei 1999 europaweit ausgeschrieben worden und dem Haushaltsausschuss des Bundestags bekannt. Der CDU-Haushaltsexperte im Bundestag, Albrecht Feibel, hatte in der «Bild"-Zeitung die Offenlegung und Prüfung des Beratervertrages verlangt. Mitte 1999 wurde dem «Bild"-Bericht zufolge eine Beratergruppe engagiert, zu der Mitarbeiter der Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers, der Ingenieur-Firma ILF Beratende Ingenieure, der TÜV Inter Traffic sowie der Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer gehören. Wie eine Sprecherin von Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) bestätigte, läuft der Vertrag bis 2004. Sie sprach von einem «ganz normalen Ablauf». Mit der Beratergruppe habe sich das Ministerium «gebündeltes Fachwissen» für die Einführung der Lkw-Maut beschaffen wollen. Ein Starttermin ist nach mehrmaliger Verschiebung auf Grund technischer Schwierigkeiten derzeit weiter offen. Der CDU-Haushaltsexperte Feibel kritisierte den Beratervertrag. «Angesichts des chaotisch verlaufenden Versuchs, die Lkw-Maut einzuführen, ist für jedermann auf Anhieb ersichtlich, dass die Beratergruppe völlig versagt haben muss», sagte er der «Bild"-Zeitung. mehr