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Düsseldorf
Auch wenn die Rente noch weit weg ist . . .

Düsseldorf. Mit privater Vorsorge kann man nicht früh genug anfangen. Wir erklären, was sich hinter den Angeboten verbirgt - und was der Staat möglicherweise dazu gibt. Von Uwe Schmidt-Kasparek

Seit Jahresbeginn dürfen die Versicherer ihren Kunden nur noch einen Garantiezins von 1,25 Prozent versprechen. Und der gilt allein für den Sparanteil des Beitrags, also nach Abzug der Abschluss- und Verwaltungskosten. Immerhin hat der Gesetzgeber die Anbieter verpflichtet, weniger Abschlusskosten in die Produkte einzupreisen.

Trotzdem bleibt unter dem Strich wenig übrig. So schaffen es nach einer Studie der Ratingagentur Assekurata aus Köln nur noch vier Lebensversicherer, mit ihrer klassischen Rentenversicherung garantiert die vorjährige Inflationsrate von 0,9 Prozent zu überschreiten. Nimmt man die immer nur für ein Jahr versprochenen Überschüsse hinzu, erreichen die Versicherer eine Beitragsrendite von 2,78 Prozent "Trotzdem liegt damit die Rendite noch deutlich oberhalb von konservativen zinsgebundenen Anlagen, wie beispielsweise festverzinsliche Wertpapiere der öffentlichen Hand", sagt Assekurata-Chef Reiner Will. Wer bei den Rentenpolicen die Spreu vom Weizen trennen möchte, sollte auf die Gesamtkostenquote achten. Die zeigt, wie stark die Minderung der Wertentwicklung durch die Kosten ausfällt.

Neue Angebote Typische Angebote sind beispielsweise "Klassik modern" vom Volkswohlbund, "PrivatRente Flexibel" von der Provinzial Rheinland, "Perspektiv" von der Allianz, "Relax Rente" von der Axa oder "Rente Garantie" von der Ergo. Die modernen Verträge bieten mehr Dispositionsfreiheit und oft ein höheres Renditeversprechen. Dafür sind die Garantien geringer. So ist vielfach nur die reine Absicherung der Einzahlungen am Ende des Vertrages sicher. Mehr Rendite für mehr Risiko bieten aber schon herkömmliche Fondspolicen. Laut einer Studie des Analysehauses Morgen & Morgen schaffen es einige Versicherer, die Gesamtkosten solcher Koppelprodukte unter zwei Prozent zu halten, wenn der Fonds jährlich um sechs Prozent steigt. Während des Sparens fällt keine Steuer an, und die Kunden bestimmen, in welchem Fonds angelegt wird. Um das Kursrisiko zu minimieren, kann man frühzeitig vor der Rente in sichere Anlagen umsteigen.

Staatliche geförderte Produkte Für sicherheitsbewusste Kunden dürften Angebote mit staatlicher Förderung besser geeignet sein. Die Stiftung Warentest hat errechnet, dass bei Riester-Renten allein die Zulagen je nach Sparer eine Rendite bis zu 8,5 Prozent ausmachen. Den Top-Wert können Familien mit kleinen Kindern und nur einem Einkommen erreichen.

In einen Riester-Vertrag müssen jedes Jahr vier Prozent des rentenversicherungspflichtigen Einkommens fließen, mindestens 60 Euro im Jahr. Nur dann gibt es die volle Zulage. Für Besserverdiener ist Riester aber weniger wegen der Zuschüsse, sondern aufgrund der Steuerersparnis interessant.

Jeder Riester-Sparer erhält jährlich eine Grundzulage von 154 Euro. Wer seinen Vertrag als junger Mensch unter 25 abschließ, erhält zusätzlich zur Grundzulage im ersten Jahr einen Einsteigerbonus von 200 Euro. Kinder mit Kindergeldanspruch erhalten 300 Euro. Wurden sie vor 2008 geboren, gibt es allerdings nur 185 Euro pro Kind und Jahr. Volljährige Kinder können bis zum 25. Lebensjahr Anspruch auf Kindergeld haben. Die Aufwendungen für das Riester-Sparen inklusive der staatlichen Zulagen können bis zu 2100 Euro als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Die Finanzverwaltung prüft selbstständig, ob direkte Förderung oder Sonderausgabenabzug günstiger ist.

Freiberufler und Selbstständige können sich eine zusätzliche Versorgung über einen Rürup-Vertrag sichern. 2015 werden maximal 17 738 Euro als Sonderausgaben in der Steuererklärung verrechnet. Für Ehepaare gilt das Doppelte. Die Auszahlung des angesparten Kapitals erfolgt ausschließlich als monatliche Rente, frühestens ab dem 60. Lebensjahr. Stirbt der Versicherte vorher, verfällt das Kapital.

Boom der Sofortrente Aktuell kaufen immer mehr Kunden eine klassische Rentenversicherung per Einmalbeitrag. Damit können sofort beginnende oder aufgeschobene Policen abgeschlossen werden. So stiegen laut GDV die Einmaleinzahlungen 2014 um 13 Prozent auf 29 Milliarden Euro. Das Geld kommt aus Erbschaften, Immobilienverkäufen oder auslaufenden Kapitallebensversicherungen. Die Rente fließt dann bis zum Lebensende, während das Kapital beispielsweise im Bankauszahlplan vor dem Tod verbraucht sein kann.

Quelle: RP
 
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