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Ingolstadt
Audi baut wegen Abgas-Skandal den Vorstand um

Ingolstadt. Dass der neue Volkswagen-Chef Matthias Müller schon zu Dienstantritt angeschlagen ist, hat er Rupert Stadler zu verdanken. Eigentlich hatte es so ausgesehen, als würde die ganze Affäre um Schummelsoftware und falsche Abgaswerte am Stuttgarter Autobauer Porsche vorbeiziehen. Müller, vor seinem Wechsel an die VW-Spitze Porsche-Chef, wirkte wie der Saubermann im großen VW-Sumpf.

Doch spätestens als der Chef der anderen VW-Tochter Audi, Rupert Stadler, zugeben musste, dass auch die Ingolstädter verbotene Software verwendet hatten, geriet auch Müller in Erklärungsnot - denn Audi liefert die Motoren auch an Porsche.

Seitdem steht Stadler in der Kritik. Er kämpft um seinen Job, will aufklären. Dabei wird ihm künftig ausgerechnet Müller stärker auf die Finger schauen. Am Donnerstag wurde er zum Aufsichtsratschef gewählt und besetzt damit die Stelle, die Ex-VW-Chef Martin Winterkorn nach Bekanntwerden des Skandals hatte räumen müssen. Personelle Konsequenzen gab es trotzdem: Der beurlaubte Technikvorstand Ulrich Hackenberg geht und wird durch Stefan Knirsch, bisher Leiter der Aggregateentwicklung, ersetzt.

Nach außen bemühen sich Porsche und Audi, vermeintliche Unstimmigkeiten zwischen beiden Häusern herunterzuspielen. "Von einem Streit unter Konzerntöchtern kann überhaupt keine Rede sein", beteuert ein Porsche-Sprecher. Hinter vorgehaltener Hand sollen Manager allerdings davon sprechen, dass das Thema durchaus schwierig sei. Doch öffentliche Vorwürfe gibt es nicht - beide Seiten wissen, dass sie im selben Boot sitzen und trotz ihrer Konkurrenzsituation am Markt aufeinander angewiesen sind. Also nutzt man die Zeit lieber, um positive Nachrichten zu verkünden, statt sich gegenseitig zu zerfleischen: Audi gab gestern gemeinsam mit BMW und Mercedes den endgültigen Kauf des Nokia-Kartendienstes Here bekannt. Porsche kündigte Investitionen im Umfang von rund 700 Millionen Euro in die Entwicklung eines Elektroantriebs an. 1000 neue Arbeitsplätze würden gleichzeitig entstehen.

Unterdessen gab es auch bei Volkswagen einen Personalwechsel. Der Stahl-Manager Karlheinz Blessing wird neuer Personalvorstand. Ihm dürfte damit die undankbare Aufgabe zufallen, einen möglichen Personalabbau zu managen, sollte der Skandal Volkswagen in eine langfristige Absatzkrise stürzen. Auch die finanzielle Entschädigung von Betroffenen könnte Sparmaßnahmen nötig machen. Allein mehr als 50.000 Fahrzeughalter haben sich nach Angaben der Kanzlei Baum, Reiter und Collegen bereits dem niederländischen Stiftungsmodell angeschlossen, durch das außergerichtlich mit Volkswagen ein Vergleich erzielt werden soll. Einen konkreten Fahrplan gibt es allerdings noch nicht. "Wir warten jetzt erstmal ab, wie die Mängelbeseitigung läuft", sagt Kanzleichef Julius Reiter.

(frin)
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