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Frankfurt
Aufruhr bei Deutscher Bank: Aufsichtsrat geht

Frankfurt. Der Neusser Anwalt Georg Thoma hat es beim Aufklären übertrieben, meinen Kritiker. Oder will die Bank einen lästigen Mahner loswerden? Von Brigitte Scholtes

Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe. Nur wenige Tage nach dem Freispruch von Co-Chef Jürgen Fitschen gibt es wieder Negativ-Schlagzeilen. Nun wirft Georg Thoma, der Chefaufklärer der Bank, das Handtuch. Der Neusser Wirtschaftsanwalt legt zum 28. Mai sein Amt nieder, wie die Bank mitteilte. Vorübergehend werden nun Eon-Chef Johannes Teyssen und die US-Juristin Louise Parent den zur Aufklärung eingesetzten Integritätsausschuss leiten.

Was ist geschehen? Aufsichtsrats-Chef Paul Achleitner hatte Thoma 2013 in das Kontrollgremium geholt, damit er die Betrugsskandale der Bank aufarbeitet und die Basis für den Kulturwandel legt. Dabei ging Thoma mit viel Eifer vor - zu viel, wie manche Kritiker meinen.

Vor einer Woche trugen Aufsichtsräte den Streit in die Öffentlichkeit - höchst ungewöhnlich für einen Dax-Konzern. Thoma habe überzogen, als er immer breitere Untersuchungen gefordert habe und immer mehr Anwälte aufmarschieren ließ, sagte Alfred Herling, Chef des Betriebsrats und Aufsichtsrats-Vizechef, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Henning Kagermann, Ex-SAP-lenker und ebenfalls Kontrolleur in Frankfurt, sagte: "Bei aller Sorgfalt, die wir haben walten lassen, ist es uns wichtig, dass die Deutsche Bank dieses Kapitel endlich abschließt und mit voller Kraft wieder in die Zukunft schaut."

Am Ende soll Thoma keinen Aufsichtsrat mehr hinter sich gehabt haben, berichtet die Agentur Reuters. Der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrates habe beschlossen, den 71-Jährigen zum Rücktritt aufzufordern. Das hätten die übrigen Kontrolleure in einer Telefonkonferenz einhellig gebilligt. Daraufhin kündigte Thoma seinen Rücktritt an.

Nun wird gerätselt, wer hier im Unrecht ist und wer nicht. In Frankfurt ist von einem Drama Shakespeare'schen Ausmaßes die Rede. Hat Thoma wirklich überzogen und der Bank den Neuanfang erschwert, wie es im Aufsichtsrat heißt? Oder versucht die Bank auf miese Art, einen lästigen Aufklärer loszuwerden, dessen Arbeit womöglich auch Achleitner gefährlich werden könnten?

Die Bank bemühte sich gestern, ihren Aufklärungswillen zu unterstreichen. "Der Aufsichtsrat ist fest entschlossen, mögliche Verfehlungen auch künftig konsequent aufzuarbeiten", erklärte Achleitner. Zugleich dankte er Thoma: "Mit seiner großen juristischen Erfahrung und seinem enormen persönlichen Engagement hat er sich um das Haus verdient gemacht."

Externe Beobachter sind skeptischer. "Wir kennen die Hintergründe noch nicht. Es hinterlässt in der gegenwärtigen Situation einen bitteren Beigeschmack", sagte Hans-Peter Burghof, Bank-Professor an der Uni Hohenheim. "Man kann nur hoffen, dass das Bemühen um Transparenz nicht an der Person hing." Ähnlich äußerte sich Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment: "Der Abgang von Herrn Thoma kommt zur Unzeit. Die Indiskretionen im Vorfeld sind aufs Schärfste zu verurteilen."

Die Hauptversammlung am 19. Mai wird turbulent werden. Aktionärsvertreter Hans-Christoph Hirt sagte dem "Handelsblatt", Kagermann und Herling hätten potenziell gegen Verschwiegenheitspflichten verstoßen. Hirt ist nicht irgendwer. Vor einem Jahr hatte er die Revolte gegen Bank-Chef Anshu Jain angeführt, der ging am Ende.

Quelle: RP
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