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Essen
Aufsichtsrat legt RWE-Chef an die Leine

Essen. Der künftige Oberkontrolleur Werner Brandt fordert von Peter Terium mehr Gewinn und weniger Show. Wegen der Streichung der Dividende drohen die Kommunen, Terium die Entlastung zu verweigern. Von Antje Höning

Im Aufsichtsrat von RWE kocht es. Konzernchef Peter Terium hat kommunale Vertreter und Arbeitnehmer gegen sich aufgebracht. Die Städte diskutieren nun, ob sie dem Niederländer auf der Hauptversammlung am 20. April die Entlastung teilweise verweigern sollen. Das würde Terium treffen: Die Kommunen halten zwar nur knapp 25 Prozent der RWE-Aktien, haben auf Hauptversammlungen wegen ihrer starken Präsenz aber annähernd die Mehrheit. Gestern berieten die Kommunen in den vier Regionalbeiräten ihr Vorgehen.

RWE hatte jüngst die Streichung der Dividende angekündigt, ohne die Aufsichtsratssitzung abzuwarten. "Das war schlechter Stil und unglaublich vertrauenszerstörend", sagt Ernst Gerlach, Geschäftsführer des Verbandes der kommunalen RWE-Aktionäre (VKA). Die Arbeitnehmervertreter fühlen sich in Fragen des Konzernumbaus und der Personalentscheidungen vom Vorstand übergangen. "Die Heimlichtuerei schadet, die Mannschaft verliert das Vertrauen in die Führung", sagte ein Aufsichtsrat.

Morgen kommt um zehn Uhr der Aufsichtsrat im RWE-Turm in Essen zusammen, um über die Bilanz mit ihrem 200-Millionen-Euro-Verlust und über das Personal-Tableau zum Umbau zu beraten. Vorher tagt der Personalausschuss.

Demnach soll Peter Terium künftig die neue Gesellschaft ("Newco") führen, in die RWE seine Zukunftsgeschäfte (Ökostrom, Netze, Vertrieb) abspalten will. Als Finanzchef soll er den derzeitigen Finanzchef Bernhard Günther mitnehmen. Möglicherweise soll der Wechsel auch erst nach einer kurzen Übergangszeit erfolgen. Uwe Tigges soll vorübergehend in beiden Gesellschaften Personalchef sein.

Der Chef der RWE AG, in der alle Problemgeschäfte (Kohlekraftwerke, Atomkraftwerke) bleiben, soll Rolf Martin Schmitz werden. Favorit für den Posten des künftigen RWE-Finanzchefs ist Markus Krebber, wie unsere Redaktion erfuhr. Krebber, derzeit Chef der Handelstochter RWE Supply&Trading, gilt als Vertrauter von Terium und soll Schmitz auf die Finger schauen. RWE wollte sich nicht äußern. Schmitz ist der heimliche Sieger des aktuellen Geschachers. Terium fürchtet, dass Schmitz als Chef der Muttergesellschaft ihn, den Chef der Tochter, an die kurze Leine nimmt, heißt es in Konzernkreisen.

Gut möglich. Denn auch Werner Brandt sieht Teriums Politik mit Sorge. Brandt, früher Finanzchef von SAP, soll in Personalunion die Aufsichtsräte von RWE und der Newco führen. "Brandt hat Terium unter besondere Aufsicht gestellt und ihm klare Ziele für die Newco gesetzt: mehr Ergebnis, weniger Show", berichtet ein Aufsichtsrat. Der Schmusekurs wie bei Noch-Aufsichtsrats-Chef Manfred Schneider werde damit beendet.

Terium stößt in Konzern und Aufsichtsrat zunehmend auf Widerstand. Gerne lässt er sich bei Ausflügen ins Silicon Valley für das Intranet filmen, doch wirtschaftlich kommt dabei wenig herum, während zugleich immer mehr Kraftwerke in die roten Zahlen rutschen. In Konzernkreisen heißt es, dass langfristig 4000 bis 5000 der jetzt noch 59.000 Arbeitsplätze bedroht sein. Auf Dividende müssen die gebeutelten Kommunen ohnehin länger verzichten: "Der Fall der Strompreise wird sich in der Bilanz 2016 noch stärker auswirken als in der Bilanz 2015. Der Markt erwartet, dass der Konzern auch für 2016 keine Dividende zahlen wird", sagt Michael Schäfer, Analyst von Equinet.

Im April will RWE die Newco abspalten. Zunächst will RWE zehn Prozent der Newco-Anteile an die Börse bringen, danach rasch 25 Prozent. Derzeit ringt man um Verteilung von Vermögenswerten und Schulden. Die Newco wird die wertvollere Gesellschaft sein - und damit ist es nur ein Frage der Zeit, bis RWE, schon jetzt Kellerkind im Dax, aus der ersten Börsenliga absteigen muss. Ein weiterer Schlag für die Kommunen.

Quelle: RP
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