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Düsseldorf
Halbärmelgötter in Weiß

Düsseldorf. Der weiße Kittel gehört zum Arzt wie die Robe zum Richter - bis jetzt. Aus Hygiene-Gründen verabschieden sich die Asklepios-Kliniken als erster großer Krankenhaus-Betreiber von den langärmligen Kitteln. Andere Häuser wollen folgen. Von Florian Rinke

Im strahlend weißen Kittel steht Professor Klaus Brinkmann vor dem Eingang der Schwarzwaldklinik. Auch Dr. Stefan Frank, der Arzt, dem die Frauen vertrauen, setzt auf das reine Weiß der Ärzte-Robe. Selbst die jungen Ärzte von "In aller Freundschaft" und "Doctor's Diary" wollen nicht darauf verzichten. Es mag noch so viel um Liebe, Intrigen und Drama gehen - an einem lassen die Macher all dieser Fernsehserien keinen Zweifel: Ein Arzt trägt Arztkittel.

Bis jetzt. Als erster großer Klinikbetreiber in Deutschland haben die Asklepios-Kliniken bekannt gegeben, den klassischen Kittel in ihren mehr als 100 Häusern auszumustern. Statt Kitteln sollen die Ärzte nun sogenannte Kasaks tragen (siehe Abbildung). Damit soll für mehr Schutz vor Infektionen, etwa die Verbreitung von multiresistenten Keimen, gesorgt werden. "Die Ärzte gehen von Patient zu Patient und untersuchen sie. Der lange Ärmel hat Kontakt zu den Patienten", sagt Konzerngeschäftsführer Kai Hankeln: "Die Hände desinfiziert der Arzt, aber er wechselt nicht jedes Mal den Kittel."

Der Konzern folge damit Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der Weltgesundheitsorganisation, heißt es. Eine offizielle Anweisung gibt es vom Robert-Koch-Institut, dem Bundesinstitut für Infektionskrankheiten, zwar nicht. In einer Empfehlung heißt es aber: "Kurzärmelige Kasaks ohne Knopfleisten sind für Ärzte mit Patientenkontakt als Bereichskleidung besonders praktikabel, da sie nicht auf- und zugeknöpft werden müssen und es keine Ärmel oder Bündchen gibt, die man kontaminieren könnte."

Längst wird daher in vielen Häusern über den Kittel-Ersatz nachgedacht. Im Uni-Klinikum Düsseldorf arbeitet man bereits an einer neuen Kleiderordnung. Die Sana Kliniken AG, die in NRW unter anderem Häuser in Düsseldorf, Remscheid, Duisburg und Radevormwald betreibt, rät medizinischen Mitarbeitern bei der Versorgung von Patienten das Tragen kurzärmeliger Kleidung.

Bei den Asklepios-Kliniken werden die Kurzarm-Kasaks ab April eingeführt. Der Klinik-Konzern nutzte eine von langer Hand geplante Vereinheitlichung der Kleidung für den Schritt. Wie andere große Krankenhaus-Konzerne hat auch Asklepios in der Vergangenheit unter anderem kommunale Kliniken aufgekauft und anschließend saniert. Dazu gehört auch, dass Synergieeffekte genutzt werden - etwa bei der Kleidung. Durch einen zentralen Einkauf statt einzelner Lieferverträge will das Unternehmen bei der Kleidung konzernweit sechs Millionen Euro pro Jahr einsparen. Das Geld wolle man lieber in die Verbesserung der medizinischen Leistungen investieren, heißt es.

Der Konzern begleitet die Umstellung mit einem Sonderheft der Mitarbeiterzeitung, in dem die neuen Modelle vorgestellt werden - und Gesprächen. Denn manchem Mediziner, der bislang mit Kittel und Stethoskop durch die Klinik eilte, fällt die Umstellung schwer. "Der Arztkittel gehört auch für viele Patienten noch dazu", heißt es bei Asklepios. Das Stück Stoff ist Statussymbol und Erkennungszeichen - im Kasak sind die Ärzte kaum noch von Schwestern und Pflegern zu unterscheiden. Immerhin: So ganz verabschieden müssen sich die Ärzte nicht von ihrem geliebten Kleidungsstück: "Zu repräsentativen Zwecken steht es Chefärzten weiter zur Verfügung. Dazu zählen etwa Privatsprechstunden, Vorlesungen oder auch Auftritte vor der Kamera", heißt es.

Eine andere Gefahr hingegen bleibt bestehen: In einer Studie fanden Mediziner des New York Hospital Queens bereits vor mehr als zehn Jahren heraus, dass auf jeder zweiten von Ärzten getragenen Krawatte Krankheitserreger sind. Vermutlich gelangten sie von den Händen beim Richten des Knotens an den Schlips. Die Studie kennt man auch bei den Asklepios-Kliniken, sieht aber keinen Handlungsbedarf. "Krawatten sieht man bei uns kaum", heißt es.

Quelle: RP
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