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Berlin
Bahn will neues Gutachten zu "Stuttgart 21"

Berlin. Ausufernde Projektkosten sind angeblich der Grund für den Abgang von Vorstand Volker Kefer.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn will sich mit einem weiteren Gutachten Klarheit über die Probleme bei "Stuttgart 21" verschaffen. Bis September solle der wirtschaftliche und technische Stand des Bauprojekts nochmals untersucht werden, sagte Aufsichtsratmitglied Klaus-Dieter Hommel nach einer Sitzung des Kontrollgremiums und ergänzte: "Wir wollen keine weiteren Überraschungen bei den Kosten und beim Zeitplan erleben." So solle auch festgestellt werden, ob der bisherige Finanzierungsrahmen von 6,5 Milliarden Euro ausreicht.

Für Unruhe an der Spitze des Konzerns hatte zuvor gesorgt, dass der für "Stuttgart 21" zuständige Vorstand Volker Kefer überraschend seinen Rückzug angekündigt hat. Der für Infrastruktur und Technik zuständige Vorstand hatte am Dienstagabend wissen lassen, dass er aufhören wolle. Offiziell teilte das Unternehmen mit, dass Kefer "für eine Verlängerung seines im September 2017 endenden Arbeitsvertrages nicht zur Verfügung steht". Angeblich wird schon nach einem Kandidaten für eine frühere Nachfolge gesucht.

Auslöser für den Abgang Kefers war die Kritik an seiner Amtsführung. Anonym machten ihn Aufsichtsräte in der Presse madig. Nur Einer äußerte seinen Unmut offen: Alexander Kirchner, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichts-rats und Chef der Eisenbahnergewerkschaft EVG, rügte Kefer dafür, dass er urplötzlich für "Stuttgart 21" Zusatzkosten von 600 Millionen Euro publik mache, nachdem vor drei Monaten angeblich "noch alles in Ordnung" gewesen sei. Es sei zu fragen, "warum der Aufsichtsrat zu spät über Kostensteigerungen und Bauverzögerungen informiert wurde". Das dürfe nicht noch einmal passieren.

Über eine mögliche Vertragsverlängerung für Vorstandschef Rüdiger Grube soll erst zum Jahresende entschieden werden. Grube würde gern über seinen Ende des nächsten Jahres auslaufenden Vertrag hinaus an der Spitze der Deutschen Bahn bleiben.

Der Aufsichtsrat unterstützte zudem das Kompromisspapier zur Sanierung der Güterbahn DB Cargo. Hommel, Vizechef der EVG, sprach von einer Liste von 200 Güterbahnhöfen, die nicht mehr angefahren werden sollen. Die Zentrale von DB Cargo in Mainz bleibe bestehen, bei der Zahl der Arbeitsplätze werde es dort aber nicht beim Alten bleiben, sagte Gesamtbetriebsratschef Jörg Hensel.

(dpa)
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