Hohe Verluste: Balda schockt die Anleger
zuletzt aktualisiert: 05.03.2008 - 14:31Bad Oeynhausen (RPO). Die Balda AG benötigt wegen unerwartet hoher Verluste zusätzliche Bankkredite. Der Spezialist für Touchscreen-Produkte aus dem westfälischen Bad Oeynhausen schockierte den Markt mit dem Eingeständnis, die liquiden Mittel reichten nicht aus, um für die Verluste bei zwei der verkauften Tochtergesellschaften aufzukommen.
Zur Höhe des Verlustes wollte sich ein Balda-Sprecher nicht näher äußern. Er werde aber unter den mindestens 30 Millionen Euro liegen, die Anfang Februar in Finanzkreisen genannt worden waren.
Als erste Konsequenz der unerwarteten Verluste bei den Ex-Töchtern sagte das Unternehmen sowohl die Bilanzpressekonferenz am 19. März als auch die Hauptversammlung am 7. Mai ab.
Die Nachricht löste einen Kurseinbruch bei der im SDAX notierten Balda-Aktie aus. Nach einem anfänglichen Minus von mehr als 30 Prozent notierte der Titel gegen 13.30 Uhr bei 3,87 Euro und damit mehr als 26 Prozent im Minus. "Das hört sich nach GAU an", kommentierte ein Frankfurter Händler die Nachricht.
Die Belastung erwächst Balda aus seinem früheren Kerngeschäft: der Fertigung von Handyschalen. Das zuletzt anhaltend verlustträchtige Geschäft mit den drei Tochterunternehmen Balda Solutions Deutschland, Balda Werkzeugbau und Balda Solutions Hungaria hatte der Konzern zum Jahresende an die KS Plastic Solutions verkauft. Für etwaige Verluste der beiden deutschen Töchter im vierten Quartal haftet nach den Kaufverträgen noch die frühere Muttergesellschaft. Ebenfalls zum Jahresende hatte der langjährige Vorstandsvorsitzende des Abo-Senders Premiere, Georg Kofler, für rund 30 Millionen Euro Aktien der Balda AG erworben. Dies entsprach einem Anteil von etwa 5,5 Prozent an dem Handy-Zulieferer.
Die jetzt vorgelegten Jahresabschlüsse "haben uns überrascht", räumte der Balda-Sprecher ein. Der danach nötige Verlustausgleich übersteige die Liquiditätsplanung. Allerdings verhandele Balda noch mit dem neuen Eigentümer über die Höhe des Verlustausgleichs. Die vorgelegten Zahlen sehe man nicht ein, sagte er. Doch selbst wenn der schlimmste Fall eintrete, könne Balda die Belastung schultern, versicherte er.
Analysten werteten die Ankündigung vom Mittwoch weniger optimistisch. Nach Ansicht von Thomas Langer von der WestLB steckt Balda in einer erheblichen Finanzkrise. Es stehe zu befürchten, dass der Konzern die aggressiven Investitionspläne im Bereich Touchscreens nicht umsetzen könne. Die WestLB senkte ihr Kursziel für die Balda-Aktie auf 3,00 von 4,40 Euro und die Einstufung insgesamt auf "Sell".
Die Liquiditätslücke bei Balda zeigt nach Ansicht der LBBW, wie "knapp das Unternehmen kalkuliert ist". Das Management sei von einem Verlust von 10 Millionen bis 15 Millionen Euro ausgegangen, so die Analysten. Wahrscheinlicher sei aber ein Verlust von 25 Millionen Euro. Das Unternehmen könnte in existenzielle Schwierigkeiten geraten, falls die Banken die Kreditlinie des Unternehmens nicht erhöhen.
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