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Hamm
Bauer erringt Etappensieg gegen RWE

Hamm. Das Oberlandesgericht schließt Anspruch des Peruaners nicht aus.

Muss RWE für Schäden in Peru aufkommen, die dort mutmaßlich durch den Klimawandel verursacht werden? Mit der Frage befasst sich seit gestern das Oberlandesgericht Hamm (OLG). Geklagt hat ein peruanischer Bauer, der sein Haus in Huaraz etwa 450 Kilometer nördlich von Lima von Überschwemmungen bedroht sieht, die mutmaßlich vom Klimawandel verursacht werden. Dafür macht er den Kraftwerksbetreiber mitverantwortlich. Vor Gericht errang er nun einen Etappensieg. Anders als die erste Instanz schloss das OLG einen zivilrechtlichen Anspruch nicht von vorneherein aus.

Am 30. November will das Gericht verkünden, ob es in die Beweisaufnahme einsteigt. Die Nachfragen der Richter ließen gestern eine Tendenz in diese Richtung erkennen. Der Bauer Saúl Luciano Lliuya fordert, dass RWE 0,47 Prozent der Kosten für Schutzmaßnahmen für sein Haus und sein Dorf übernimmt. Sein Dorf in den Anden ist durch Fluten eines abtauenden Gletschers gefährdet, für die der Kläger RWE mitverantwortlich macht. "Die Lagunen sind die Tränen der Berge, und die Gerechtigkeit hat das gehört und hat uns Recht gegeben", sagte Lliuya.

Die RWE-Vertreter äußerten Kritik: Würde der Kläger Recht bekommen, könne jede Industrie, die Emissionen verursacht, vor Gericht landen. Es sei nicht zu beweisen, dass die RWE-Emissionen zum Abschmelzen des Gletschers führten. Infrage kämen auch viele andere Emittenten. Richter Rolf Meyer konnte der RWE-Argumentation nicht viel abgewinnen. Nun müsse der Kläger auch darlegen, dass die Emissionen von RWE für das Abschmelzen ursächlich seien. Es könnte ein Prozess von grundsätzlicher Bedeutung sein, denn in der Folge könnten deutsche Unternehmen für die Folgen des Klimawandels haftbar gemacht werden.

(dpa)
 
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