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Athen
Bauern marschieren auf Athen

Athen. Bei Protesten gegen die Renten- und Steuerreform kam es zu Ausschreitungen. Von Gerd Höhler

Seit über drei Wochen blockieren griechische Landwirte mit 25.000 Traktoren Autobahnen und Grenzübergänge. Gestern trugen sie ihren Protest gegen die Renten- und Steuerpläne der Regierung nach Athen. Es kam zu Ausschreitungen.

Mehrere tausend Bauern waren in der Nacht mit Fährschiffen aus Kreta gekommen, weitere trafen in Reisebussen ein. Viele Kreter hatten lange Holzstöcke dabei, wie sie traditionell die Schäfer auf der Insel als Hirtenstäbe benutzen. Damit jagten sie kleine Gruppen von Bereitschaftspolizisten durch die Straßen. Die Demonstranten steckten Müllcontainer in Brand, warfen Tomaten und Steine auf die vor dem Agrarministerium aufmarschierte Bereitschaftspolizei. Als die Bauern das Gebäude zu stürmen versuchten, setzte die Polizei Tränengas ein. Zahlreiche Fensterscheiben gingen zu Bruch. Zehn Polizisten wurden verletzt. Eine Gruppe von Bauern blockierte die Zufahrt zum Athener Flughafen. Viele Reisende verließen ihre Taxis und marschierten mit ihrem Gepäck kilometerweit, um ihre Flüge nicht zu verpassen.

Die Rentenreform gehört zu den wichtigsten Vorgaben, die Griechenland im Gegenzug zu neuen Hilfskrediten umsetzen muss. Die Bauern sind besonders betroffen. Ihre Sozialversicherungsbeiträge verdreifachen sich, zudem will der Staat ihre Einkommen mit 26 statt bisher 13 Prozent besteuern. Premier Tsipras hatte den Landwirten Verhandlungen angeboten. Doch die Bauern verlangen, dass er den Reformentwurf zurückzieht. Das kann er nicht. Derweil fällt die griechische Wirtschaft in die Rezession zurück. Die EU erwartet für 2017 eine Schrumpfung um 0,7 Prozent.

Quelle: RP
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