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Bayer will Monsanto kaufen
Großfusionen sind nicht ohne Risiko

Bayer will Monsanto kaufen: Analyse - Großfusionen nicht ohne Risiko
FOTO: Thomson Reuters / Ferl
Leverkusen. Die geplante Übernahme von Monsanto durch Bayer ist umstritten – wegen des Preises und wegen der politischen Dimension. An der Politik sind supranationale Allianzen schon zerbrochen, genau wie an Firmenkulturen, Aufsichtsbehörden und falschen Strategien. Eine Analyse. Von Antje Höning und Georg Winters

Der Chef von Monsanto heißt Hugh Grant. Am 18. April war er in Leverkusen und hat mit Bayer-Chef Werner Baumann ein mögliches Zusammengehen ausgelotet. Der 58-Jährige ist nicht ganz so smart wie der britische Schauspieler gleichen Namens, aber ebenso gewitzt.

"Vier Hochzeiten und ein Todesfall", der Film, mit dem Grant in Deutschland bekannt wurde, soll es mit dem Monsanto-Grant nicht geben, sondern nur eine einzige Hochzeit - wenn auch zu einem höheren Preis als dem, den Bayer jetzt für die Übernahme des amerikanischen Agrarkonzerns bietet.

Doch die Risiken bei diesem Deal sind hoch. Schließlich sind rund 62 Milliarden Dollar auch für einen Konzern wie Bayer kein Pappenstiel. Die Leverkusener wollen die Summe zu einem Viertel durch eine Kapitalerhöhung finanzieren, der Rest soll über Schulden finanziert werden. Das drückt in jedem Fall die Rating-Note.

Die größere Gefahr sehen Experten aber in der politischen Dimension des Übernahmeplanes. Die Diskussion um die Genehmigung von Glyphosat, die Gentechnik, Agent Orange - Monsanto hat einen schlechten Ruf. Und schon mancher Zusammenschluss ist daran gescheitert, dass Manager die politische Dimension des Deals unterschätzt haben.

Eon/Endesa

Als der deutsche Energiekonzern den spanischen Konkurrenten Endesa komplett übernehmen wollte, legte sich Spaniens sozialistische Regierung mit dem Ministerpräsidenten José Luis Rodriguez Zapatero quer. Sie wollte die übermächtigen Deutschen nicht - und vermasselte dem damaligen Eon-Vorstandschef Wulf Bernotat den großen Deal. Am Ende wurde es nur Endesa light - und ein Verlustgeschäft dazu.

Deutsche Börse/LSE

Zum Politikum könnte auch der neunte Versuch der Deutschen Börse werden, einen Partner im Ausland zu finden. Die Diskussion um den "Brexit", einen Austritt Großbritanniens aus der EU, belastet die Bemühungen um eine Fusion der Deutschen Börse mit der Londoner LSE. Britische EU-Politik als Grund für das Scheitern einer Fusion - das wäre mal was Neues nach unzähligen Anbahnungsversuchen, die am Veto nationaler Aufsichtsbehörden scheiterten oder an (auch politischen) Indiskretionen, die das streng geheime Fusionsvorhaben zu früh öffentlich werden ließen und die Pläne sabotierten. Merke: Von Fusionsplänen sollten nicht zu viele wissen.

Daimler/Chrysler

Beim wohl markantesten Fall einer fehlgeschlagenen supranationalen Ehe war nicht die Politik Schuld. Es waren die nackten Zahlen und die nicht unter einen Hut zu bringenden Mentalitätsunterschiede zwischen Deutschen und Amerikanern, die die 1998 gefeierte Hochzeit der Autobauer Daimler-Benz und Chrysler am Ende zum Fiasko machten.

Als Zusammenschluss unter Gleichen wurde sie den Aktionären verkauft, doch von vornherein war klar, wer in diesem Bündnis der Stärkere sein würde - die Deutschen. Schließlich war Daimler seinerzeit etwa 50 Milliarden Euro wert, Chrysler nicht mal zwei Drittel davon. Das Selbstverständnis von Daimler-Chef Jürgen Schrempp sah Gleichberechtigung auch nicht vor.

Nach zwei Jahren war er Allein-Chef, aber die Milliardenverluste bei Chrysler bekam er nicht in den Griff. Zu schwerwiegend waren die Probleme, zu gestört war die transtatlantische Kommunikation. 2005 musste Schempp selbst gehen, 2009 endete die Ehe, die Daimler am Ende vermutlich 40 Milliarden Euro gekostet hat.

Mannesmann/Orange

"Giftpille" nennt man das, was Mannesmann noch zu Jahresbeginn 2000 schlucken wollte, um den Übernahmeversuch von Vodafone abzuwehren. Umgerechnet mehr als 30 Milliarden Euro zahlten die Deutschen für den britischen Vodafone-Konkurrenten Orange - in der Hoffnung, das würde Vodafone-Chef Chris Gent abschrecken, weil er Orange nach einer Übernahme eh nicht behalten dürfen würde.

Doch die Rechnung ging nicht auf, weil Gent der Mobilfunk-Shootingstar aus Deutschland wichtiger war als der nationale Rivale. Er schluckte Mannesmann und gab Orange ab. Die 30-Milliarden-Euro-Investition war verpufft.

Natürlich gibt es auch Beispiele für grenzüberschreitende Deals, die funktioniert haben - auch mit Bayer als Akteur. Vor zwei Jahren übernahmen die Leverkusener vom amerikanischen Konzern Merck dessen Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten und Gesundheitsprodukten. Sie wurden damit zur Nummer zwei auf diesem Markt hinter Johnson & Johnson.

Die Telekom darf die Geschichte ihres US-Ablegers heute als Erfolgsgeschichte bezeichnen. Die Durststrecke war allerdings ziemlich lang. Die Telekom zahlte damals knapp 40 Milliarden Euro für die damalige Voicestream - mit eigenen Aktien, die nach Bekanntwerden der Übernahmepläne gefallen waren.

Darauf klagten Aktionäre (erfolglos), die Telekom versuchte, ihre US-Tochter zu verkaufen (ebenfalls erfolglos, weil die Kartellbehörden nicht mitspielten). Alles vergessen. Heute ist T-Mobile in den USA die Nummer drei, das Geschäft läuft.

Quelle: RP
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