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Flensburg/Wolfsburg
Behörde prüft Abgaswerte mehrerer Auto-Marken

Flensburg/Wolfsburg. Mehr als 50 Autos wurden vom Kraftfahrtbundesamt untersucht und haben oft unerwartet hohe Stickoxidwerte. Von Reinhard Kowalewsky

Mit einer unerwarteten Meldung hat das Kraftfahrtbundesamt gestern für Verwirrung bei Deutschlands Autobesitzern und Konzernen gesorgt, als für Aufklärung zu sorgen. Aber es könnte sein, dass auf den VW-Skandal neue Skandale folgen. Die Behörde erklärte, sie habe nach dem Motorenskandal bei VW mehr als 50 weitere Autos auf ihren Stickoxid-Ausstoß untersucht.

Vorrangig gecheckt wurden häufig verkaufte Autos, andererseits laut Kraftfahrtbundesamt aber auch Modelle, bei denen es "verifizierte Hinweise Dritter über auffällige Schadstoffemissionen" gebe.

Konkret wurden unter anderem Personenwagen und Kleintransporter der Marken VW, Porsche, Audi, BMW, Ford, Opel, Mercedes, Smart, Renault, Peugeot, Fiat und Hyundai untersucht.

Mit dem publizierten Ergebnis kann die Öffentlichkeit allerdings nicht viel anfangen. Die Behörde erklärte offiziell: "Auf Basis von Rohdaten wurden bisher zum Teil erhöhte Stickoxidwerte bei unterschiedlichen Fahr- und Umgebungsbedingungen festgestellt."

Wie wenig aussagestark diese Erklärung ist, sagt der Duisburger Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer: "Es ist seit Jahren bekannt, dass Autos beim echten Fahren schlechtere Emissionswerte haben als bei den standardisierten Tests - also bedeuten erhöhte Stickoxidwerte bei anderen Fahrbedingungen erst einmal gar nichts. Nach dem VW-Skandal stellt sich in Wahrheit doch nur die Frage, ob Motoren bei den standardisierten Tests heimlich auf einen manipulierten Verbrauchsmodus umschalten."

Auf Nachfrage gibt ein Sprecher der Behörde keine klare Antwort, was wirklich untersucht worden sei. Natürlich sei den Experten bekannt, wie VW manipuliert habe. Aber ob es Hinweise auf weitere Testmanipulationen gebe, will er nicht sagen. Stattdessen erklärt das Kraftfahrtbundesamt, man wolle mit den Herstellern nun die Daten weiter "evaluieren". Erst dann würden "rechtlich belastbare" Ergebnisse vorliegen - das klingt dann doch sehr nach dem Verdacht auf strafbare Manipulationen. Dann wären für viele hunderttausend Autos Auflagen für erzwungene Nachrüstungen wie jetzt für 2,8 Millionen VW-Wagen fällig - aus der VW-Affäre würde eine Affäre mehrerer Firmen.

Ein Daimler-Sprecher sagte, man unterstütze die Behörde. "Derzeit liegen uns noch keine Ergebnisse vor." Man habe nichts zu verbergen. Der Verband der Automobilindustrie warnte, die Branche unter Generalverdacht zu stellen.

Derweil wurde bekannt, dass der frühere VW-Chef Martin Winterkorn auch sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der VW-Tochter Audi niederlegt. Winterkorn war zuvor bereits wegen der Affäre um gefälschte Abgaswerte von seinem Posten als VW-Chef zurückgetreten. Seitdem versucht man in Wolfsburg, die Affäre aufzuklären. Ein Amnestieprogramm für aussagewillige Manager werde allerdings Ende November beendet, berichtet die "Süddeutsche Zeitung."

Quelle: RP
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