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Frankfurt
Bei der Commerzbank wackeln 9000 Jobs

Frankfurt. Am Freitag will Vorstandschef Martin Zielke den neuen Sparkurs verkünden. Die Dividende, die 2015 erstmals nach sieben Jahren gezahlt wurde, droht schon wieder auszufallen. Die Mittelstandsbank wird wohl aufgeteilt. Von Michael Braun

Mindestens ein Vorstand muss gehen. Und mit ihm viele Beschäftigte. Ob die Commerzbank sich von 5000 oder 9000 Mitarbeitern trennt, also von zehn oder knapp 20 Prozent ihrer Belegschaft, wird am Freitag bekanntgegeben. Die Gerüchte deuten eher auf die höhere Zahl hin. Und darauf, dass es bis 2020 nicht ohne betriebsbedingte Kündigungen gehen dürfte. Im Betriebsrat regt sich Protest.

Heute und morgen tagt der Aufsichtsrat. Er soll dem zustimmen, was der seit Frühjahr amtierende Vorstandsvorsitzende Martin Zielke als "neue Strategie" vorlegen wird. Eine Strategie des Sparens, des Schrumpfens und der Digitalisierung. Zum Sparen dürfte auch gehören, dass die jüngste Dividende, die erste seit sieben Jahren und nur kümmerliche 20 Cent je Aktie hoch, gestrichen wird. Reaktion der Börse: Die Aktie, zuerst mit leichten Kursgewinnen in den Tag gestartet, gab rund drei Prozent nach auf deutlich unter sechs Euro, etwa 40 Prozent weniger als zum Jahresauftakt.

Den Banken brechen die Erträge weg - und zwar an allen Enden: Provisionen für Wertpapiergeschäfte lassen sich im aktienmüden Deutschland nur schwer verdienen. Auch das Kreditgeschäft läuft eher schleppend. "Den mutigen Sprung in neue Regionen, in neue Produkte, in neue Marktanteile, den sehen wir noch nicht überall", hatte Martin Keller, Bereichsleiter aus der Mittelstandsbank der Commerzbank, über die eher zögerliche Investitionsbereitschaft der Firmen gesagt.

Entsprechend zögerlich ist die Kreditnachfrage, und entsprechend häufen sich die liquiden Mittel. Bei der Commerzbank sind die Forderungen an Kunden rund 30 Milliarden niedriger als die Verbindlichkeiten gegenüber Kunden. Mit anderen Worten: Längst nicht alle Spareinlagen konnten als Kredit vergeben werden. Diese Gelder, gern ergänzt durch Bankenkredite bei der Zentralbank, wurden früher in Staatsanleihen geparkt. "Da hat man dann ungefähr eine Zinsdifferenz von deutlich über zwei, drei, vielleicht sogar vier Prozent verdient", sagt Robert Halver von der Baader Bank über das einst bequem funktionierende Brot- und Buttergeschäft. Das ist vorbei. "Heute sind ja die meisten deutschen Staatspapiere mit negativer Rendite versehen", erklärt Halver, "da verdienen Sie einfach nichts mehr."

Auch die Digitalisierung greift tief ins Bankgeschäft ein. Vieles, was früher Bankmitarbeiter ausführten, läuft bald ohne sie. Commerzbank-Chef Zielke nannte kürzlich ein Beispiel: "Wenn Maschinen demnächst in der Lage sind, eigenständig ihre Ersatzteile zu bestellen, dann sollten sie auch in der Lage sein, eigenständig Rechnungen zu bezahlen."

Was die Commerzbank also braucht, sind Investitionen in diese neuen vernetzten digitalen Prozesse, und auf der anderen Seite weniger Personal. Zielke will die Bank auf nur noch zwei Beine stellen. Kleine Geschäftskunden kommen in die Privatkundenbank, die auch die Vermögensverwaltung für reiche und institutionelle Kunden macht. Zweite Säule wird das Firmenkundengeschäft. Das Investmentbanking wird darin integriert und verkleinert auf Produkte, die Kunden helfen: Börsengänge, Anleihemissionen, Absicherungsgeschäfte im Zahlungsverkehr mit dem Ausland. Geschäfte auf eigene Rechnung, etwa im Devisen- und Anleihehandel, soll es nicht mehr geben.

Für die Mittelstandsbank ist kein Platz mehr. Sie wird wohl aufgespalten und auf das Firmen- und Privatkundengeschäft verteilt. Das Geschäft mit den großen Firmenkunden soll dem Vernehmen nach Investmentbank-Vorstand Michael Reuther führen. Der aktuelle Chef der Mittelstandsbank, Markus Beumer, verlöre sein Ressort.

An den Filialen will die Bank festhalten. Sie sollen aber schrumpfen, zumindest der Größe nach.

Quelle: RP
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