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Düsseldorf
Bei Eurowings drohen weitere Streiks

Düsseldorf. In Düsseldorf fielen gestern 98 Flüge aus - fast jede sechste Verbindung. Viele Passagiere warteten in einer langen Schlange auf Hilfe - für eine Familie gab es eine Sonderbetreuung. Eurowings prüft Klagen gegen die Gewerkschaft Ufo. Von Reinhard Kowalewsky

Wie stark trifft ein Luftfahrtstreik die Passagiere? Zumindest die aus dem Rheinland nach Ottawa ausgewanderte Familie Jansen hat davon eine klare Vorstellung. Gestern wollten sie via Zürich nach Kanada fliegen, doch wegen des Streiks bei Eurowings verbringen Stefanie Jansen, 48, ihr 84-jähriger Vater und die 16-jährige Tochter erst einmal eine Nacht im Hotel Maritim am Flughafen Düsseldorf. Ein Mitarbeiter von Eurowings hatte das alles organisiert, die Familie war nichts ahnend zum Abflug am Flughafen Düsseldorf angekommen und wurde dann wegen des gebrechlichen Vaters bevorzugt betreut. "Ich komme nie mehr nach Deutschland", sagt Rentner Jansen, seine Tochter Stefanie ergänzt: "Wie dieser Streit auf dem Rücken der Passagiere ausgetragen wird, ist eine Zumutung. Nie mehr Eurowings."

Die Reaktion von Familie Jansen bestätigt, wie der Tarifstreit bei Eurowings eskaliert ist. Fast 400 von 550 geplanten Flügen in Deutschland sagte der Discountableger von Lufthansa gestern ab, rund 40.000 Passagiere konnten ihre geplante Reise nicht antreten.

Düsseldorf war dabei wohl mit am härtesten vom Arbeitskampf betroffen: Hier fielen bei Eurowings Deutschland und der Schwesterfirma Germanwings 98 An- und Abflüge an einem Tag aus - das ist knapp ein Siebtel der insgesamt geplanten 660 Flugbewegungen am Flughafen.

8500 Passagiere konnten ihre Reise nicht antreten oder von fremden Zielen nicht zurückkehren. Doch zum Glück für Flughafen und für Eurowings blieben die meisten Passagiere zu Hause - aber rund 200 Menschen warteten gestern um elf Uhr vor dem Schalter von Eurowings auf die Chance auf einen Bahngutschein oder ein alternatives Ticket. "Vielleicht haben wir Glück und kommen heute zurück in die Heimat", witzelt ein 29-jähriger Ingenieur aus Venedig. Weniger gelassen ist das Ehepaar Burmeister aus Leverkusen: "Wir haben ab Portugal eine Schiffsreise gebucht", sagt Bayer-Pensionär Gerhard Burmeister, 87, "wenn wir uns sehr verspäten, könnte das alles platzen. Solche Streiks müssten verboten werden."

Dabei wird der ganze Ärger wohl weitergehen. Die Flugbegleitergewerkschaft UFO hat gestern angekündigt, an zwei Tagen der nächsten Woche möglicherweise erneut die Arbeit niederzulegen. Um maximalen Schaden anzurichten, wird offengelassen, wann es wieder losgehen könnte.

So wie gestern droht erneut ein provokativer Doppelschlag: Erstens würden die Flugbegleiter der deutschen Eurowings GmbH in Düsseldorf bis zu 23 Maschinen lahmlegen, weil sie schon seit Jahren auf einen neuen Tarifabschluss warten. Zweitens könnten aber auch erneut die Flugbegleiter bei Germanwings 58 Jets stoppen. Sie berufen sich als formalen Grund darauf, sie wollten eine Teilzeitregelung durchsetzen. "Gegen dieses Vorgehen prüfen wir eine Klage", sagt ein Germanwings-Sprecher. In Wahrheit sei die Forderung nach einer Regelung von Teilzeitarbeit bei Germanwings nur ein Vorwand, um einen legalen Streik auch bei der juristisch getrennten Germanwings durchzuführen, weil Ufo bei Germanwings viel mehr Mitglieder als bei der deutschen Eurowings hat.

Ufo-Verhandlungsführer Nicoley Baublies reagierte gelassen auf die Ankündigung möglicher Klagen. Die Arbeitsgerichte hätten ständig mit solchen Verfahren zu tun, sagte er dem Südwestrundfunk: "Das machen Arbeitgeber heutzutage leider standardmäßig, statt sich inhaltlich auseinanderzusetzen." Ufo sei gut vorbereitet. "Wir haben uns nichts vorzuwerfen."

Ausdrücklich unterstützt Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer die Haltung von Eurowings. "Mit der Ausweitung des ohnehin schon fahrlässigen Streiks bei Eurowings auch auf Germanwings missbraucht Ufo das Streikrecht. Die Gewerkschaft zielt damit faktisch allein auf die Unterstützung des Streiks bei Eurowings. Ein solches Verhalten schwächt die Akzeptanz der Tarifautonomie."

Ein Grund für die Härte des Streiks ist sicherlich, dass Ufo bei den Flugbegleitern immer stärkere Konkurrenz von der Gewerkschaft Verdi fürchtet. Und die kündigte gestern an, bei Eurowings Deutschland möglicherweise auch zum Streik aufzurufen - denn auch Verdi führt da Tarifverhandlungen.

Quelle: RP
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