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Mülheim/Ruhr
Bei Kaiser's spitzt sich die Lage zu

Bei Kaiser's Tengelmann spitzt sich die Lage zu
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Mülheim/Ruhr. Karl-Erivan Haub läuft beim Versuch, Kaiser's Tengelmann an Edeka zu verkaufen, die Zeit davon. Jetzt hat er angeblich Filialschließungen und Jobabbau im Kopf, weil sich die Entscheidung über die Ministererlaubnis hinzieht. Von Georg Winters

Wenn ein Unternehmen eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung einberuft, dann muss es dafür schon einen gewichtigen Anlass geben. Daran kann bei Kaiser's Tengelmann kein Zweifel bestehen. Das Unternehmen, dessen Eigentümer Karl-Erivan Haub sehnlichst darauf hofft, dass das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf die Ministerlaubnis für die Übernahme durch Edeka billigt, verbrennt täglich Hunderttausende Euro und steht mit dem Rücken zur Wand. Aber ob das Gericht überhaupt zustimmt und, wenn ja, wann es das tut, ist unklar.

Und deshalb erwägt Haub jetzt offenbar drastische Mittel. Am 23. September soll es besagte außerordentliche Sitzung des Kontrollgremiums geben. Haubs angebliches Ziel: ein vorgezogener Filialabbau und der Wegfall Tausender Stellen. Von bis zu 5000 ist in der "WAZ" die Rede. Gestern machte die Zahl 8000 die Runde. Der Unterschied mag zum Teil auch dem Unterschied zwischen rechnerischen Vollzeitstellen und der tatsächlichen Zahl der Mitarbeiter geschuldet sein.

Getroffen wären dem Vernehmen nach vor allem Nordrhein-Westfalen und Berlin, zwei von drei großen Kaiser's-Regionen neben Bayern. Tengelmann äußert sich, abgesehen von der Bestätigung der Aufsichtsratssitzung, wie in solchen Fällen üblich nicht. Aber dass Haub die Zeit davonläuft, ist offensichtlich. Der Bundesgerichtshof, der über eine Nichtzulassungsbeschwerde von Edeka und Tengelmann in Sachen Vollzugsverbot für die Fusion entscheiden muss, hat bisher trotz der Beschleunigungsversuche der Tengelmann-Edeka nicht zu erkennen gegeben, dass er rasch entscheiden will. Eine positive Entscheidung des OLG, das im Sommer bei Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Besorgnis der Befangenheit diagnostizierte, scheint auch nicht in Sicht. Aber Kaiser's laufen Berichten zufolge nicht nur die Kunden weg, sondern auch die Mitarbeiter, vor allem im IT-Bereich. Zehn Millionen Euro Minus stehen angeblich jeden Monat unterm Strich. Das ist, ökonomisch betrachtet, der unternehmerische Selbstmord. Gleichzeitig gibt es Insider, die behaupten, Haub selbst wolle mit diesen Zahlen Druck auf die Gerichte machen. Die Argumentation mit Filial- und Arbeitsplatzabbau sei die letzte Karte, die der Tengelmann-Chef in dem Streit um die Ministererlaubnis noch ausspielen könne.

Leidtragende sind wieder einmal die Beschäftigten von Kaiser's Tengelmann, die durch die neuen Nachrichten zum wiederholten Mal in Alarmstimmung versetzt worden sind. Sie zittern um ihre Jobs, seitdem das Oberlandesgericht die Ministererlaubnis zumindest vorläufig gestoppt hat. Minister Gabriel hatte sich mit der Erteilung der Ministererlaubnis über das im vergangenen Jahr erlassene Fusionsverbot des Bundeskartellamtes hinweggesetzt, dessen Position die Monopolkommission unterstützt hatte. Das Ministerium mag sich derzeit zu dem Thema nicht äußern. Man wolle Meldungen über die unternehmerische und geschäftliche Situation bei Kaiser's Tengelmann nicht kommentieren.

Würde Haub sein Vorhaben um- und einen Sozialplan durchsetzen, wäre die Ministererlaubnis wohl hinfällig. Ob Edeka dann noch an den mit Tengelmann geschlossenen Kaufvertrag gebunden wäre? Und an die mit der Gewerkschaft Verdi vereinbarten Tarifregelungen? Das alles galt ja nur für die Komplettübernahme von Kaiser's. Womöglich ist die in den Köpfen der Beteiligten längst erledigt, und die Haubschen Maßnahmen sind der erste Schritt zur Zerlegung von Kaiser's Tengelmann.

Quelle: RP
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