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Düsseldorf
Bei Münzen trügt oft die Hoffnung

Düsseldorf. Über sieben Millionen Deutsche sammeln Münzen. Viele betrachten sie als gute Anlage. Doch oft trügt die Hoffnung. Ein Beispiel dafür sind die 10-Euro-Sondermünzen, von denen die Bundesregierung von 2002 bis 2015 insgesamt 76 verschiedene Ausgaben prägte. Man kann sie im Handel für 13 bis 14 Euro kaufen. Im Ankauf zahlen Händler kaum mehr als zehn Euro. Wegen der hohen Auflagen ist auch künftig kaum mit großen Wertsteigerungen zu rechnen. Der Trost: Da die Münzen in Deutschland gesetzliche Zahlungsmittel sind, kann ihr Wert nicht unter 10 Euro sinken. Von Bernd Sprenger

Sind die neuen Sondermünzen zu 20 Euro, die jetzt an die Stelle der Zehn-Euro-Münzen treten, eine bessere Anlage? Skepsis ist auch hier angebracht. Ihr Silberwert entspricht dem der Zehn-Euro-Münzen der Jahre 2002 bis 2010, nur der Nennwert hat sich verdoppelt. Gemessen am aktuellen Silberpreis, beträgt der Materialwert etwa sieben Euro. So kann der Bundesfinanzminister an jeder Sondermünze 13 Euro verdienen.

Münzen werfen keine regelmäßigen Zinsen oder Dividenden ab. Gewinn ist nur durch Wertsteigerung möglich. Die ist aber nicht programmiert. Außerdem muss der Sammler die Händlerspanne berücksichtigen. Der Wert einer Münze muss daher schon 30 bis 40 Prozent über den Einstandspreis steigen, ehe der Sammler Gewinn macht - es sei denn, er kann direkt an andere Interessenten verkaufen.

Sind Münzen also als Kapitalanlage generell ungeeignet? Nein. Über Jahrzehnte mit Sachkenntnis und Geschick aufgebaute Münzsammlungen können beachtliche Wertsteigerungen aufweisen. Das gilt auch für hochwertige Einzelstücke. Die ersten vier Sonder-Fünf-MarkStücke der Bundesrepublik aus den 1950er Jahren, deren Auflage verhältnismäßig klein war, werden derzeit je nach Typ und Erhaltung mit etwa 200 bis 500 Euro gehandelt. Zu Zeiten der deutschen Wiedervereinigung vor 25 Jahren lagen die Preise sogar noch höher. Ursprünglich waren sie für fünf DM erhältlich.

Besonderes Glück hatte ein Sammler, der sich 2007 von einem seltenen russischen Dukaten aus dem Jahr 1746 trennte. Das Stück erzielte auf einer Münzauktion einen Zuschlag von 220.000(!) Euro - das 73-fache des Schätzpreises von 3000 Euro. Drei Jahre später versteigerte dieselbe Auktionsfirma einen ebenfalls auf 3000 Euro geschätzten seltenen Dukaten von 1675 - für nur 4100 Euro. Was lernt man daraus? Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Und den können zahlungskräftige Interessenten in ungeahnte Höhen treiben. Was nicht heißt, dass dieser Preis beim nächsten Mal wieder zu erzielen ist. Nachfrage verändert sich, sie unterliegt auch Modetrends.

Fazit: Münzen sammeln kann ein schönes Hobby sein. Als Kapitalanlage eignet sich die Mehrheit der Münzen jedoch nicht. Dafür ist das Angebot im Verhältnis zur Nachfrage zu groß.

Der Autor ist Volkswirt und Autor des Fachbuches "Das Geld der Deutschen. Geldgeschichte Deutschlands von den Anfängen bis zur Gegenwart".

Quelle: RP
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