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Düsseldorf
Benzin günstiger, Taxifahrten teurer

Düsseldorf. Während die Preise für Obst und Gemüse gestiegen sind, wurden Autofahren und Milchprodukte zuletzt günstiger. Das wirkt sich auch auf die Inflationsrate aus. Ökonomen rechnen damit, dass sich dies 2016 ändern wird - zumindest ein bisschen. Von Florian Rinke

Die Mehrheit der Deutschen hält die Preise fürs Taxifahren laut einer Umfrage für zu hoch. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes dürften sie in ihrer Ansicht bestätigen. Um 13,1 Prozent stiegen die Preise für Taxifahrten zwischen November 2014 und 2015, vermutlich aufgrund des neu eingeführten Mindestlohns. Denn gleichzeitig sanken die Spritpreise deutlich - und das ist für die Deutschen die gute Nachricht. Denn während sich Währungshüter angesichts der niedrigen Inflation Sorgen machen, haben Verbraucher mehr im Geldbeutel. Im Dezember erhöhte sich die Inflation im Vergleich zum Vorjahresmonat nur um 0,3 Prozent.

Warum ist die Inflation so niedrig? Das liegt vor allem an den niedrigen Ölpreisen. Sie wurden 2015 erneut günstiger, unter anderem weil Saudi-Arabien die Märkte mit billigem Öl flutete. Das wirkt sich weltweit aus: Zuletzt war beispielsweise Öl aus der Nordsee zwischenzeitlich so billig wie seit 2004 nicht mehr: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent wurde zum Preis knapp über 36 Dollar gehandelt. Warum hat der Energiepreis so großen Einfluss auf die Inflationsrate? Sprit fürs Auto, Öl für die heimische Heizung, Gas für Warmwasser und Strom, um den Backofen zu betreiben - Energie macht neben Miete und Lebensmitteln einen Großteil der monatlichen Ausgaben der Verbraucher aus. Das Statistische Bundesamt, dessen Mitarbeiter monatlich hunderte Preise überprüfen, lässt die Energiekosten daher mit fast elf Prozent in die Berechnung der Teuerungsrate einfließen. Ohne die niedrigen Energiepreise wäre die Inflationsrate deutlich höher. Wird sich daran 2016 etwas ändern? Volkswirte rechnen damit, dass die Inflationsrate in Deutschland 2016 etwas ansteigen wird. Die Bundesbank prognostizierte zuletzt eine Teuerungsrate von 1,1 Prozent. Zum Vergleich: Die Europäische Zentralbank (EZB) verfolgt das Ziel, die Inflationsrate bei etwa zwei Prozent zu halten. Eine Rolle wird dabei spielen, wie lange Saudi-Arabien die Ölpreise noch so niedrig halten kann, ohne zu sehr dem eigenen Haushalt zu schaden. Gleichzeitig kommt es natürlich auch auf andere Faktoren an, etwa die Entwicklung der Lebensmittelpreise. Wieso wird Milch billiger, Obst und Gemüse aber immer teurer? Das hat verschiedene Gründe. Für die sinkenden Milchpreise ist vor allem ein Überangebot auf dem Markt verantwortlich. Dass gleichzeitig auch die Preise für Schweinefleisch sinken, liegt am russischen Importverbot - eine Folge der Ukraine-Krise. Beim Bauernverband geht man nicht davon aus, dass sich daran kurzfristig etwas ändern wird. Eigentlich müssten die Preise demnach sogar noch niedriger liegen, da die Schere zwischen Erzeugerpreisen und dem, was der Verbraucher am Ende im Laden bezahlen muss, etwa bei Schweinefleisch, Milchprodukten oder Weizen weiter auseinandergeht. Der Handel habe die günstigeren Preise nicht an die Kunden weitergegeben, heißt es beim Deutschen Bauernverband. Dass gleichzeitig Obst- und Gemüsepreise so stark gestiegen sind, sei dabei kein Widerspruch. Trotz weltweiter Produktion gebe es immer wieder gute Erntejahre und schlechte - und damit steigende und fallende Preise.

Sind fallende Preise schlimm? Wenn die Preise für viele Waren und Dienstleistungen über einen längeren Zeitraum kaum noch oder gar nicht mehr steigen, könnte das Verbraucher und Unternehmer bei Investitionen bremsen. Denn es könnte ja bald noch billiger werden. Dies könnte die Konjunktur abwürgen. Um gegenzusteuern, flutet die EZB die Märkte mit billigem Geld, der Leitzins liegt nahe Null.

Quelle: RP
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