Was Deutsche wissen müssen: Arbeiten im Sarkozy-Land
zuletzt aktualisiert: 01.04.2009 - 10:26Düsseldorf (RPO). In Frankreich gilt der gesetzliche Mindestlohn, es gibt die Kinderbetreuung und die 35-Stunden- Woche. Wer aber dort arbeiten will, sollte nicht nur gute Sprachkenntnisse mitbringen. Was Deutsche sonst noch wissen sollten.
Deutsche können in Frankreich jede Arbeit annehmen - bis auf bestimmte Stellen im öffentlichen Dienst. Eine Aufenthaltserlaubnis, die Carte de séjour, ist für EU-Bürger nicht mehr verpflichtend, wird aber teilweise noch verlangt. Wichtig sind Sprachkenntnisse: „Ein Deutscher, der in Frankreich arbeiten möchte, ohne gut Französisch zu können, hätte schon Möglichkeiten“, meint Catherine Cotting, die bei der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer in Paris (CFACI) für den Bereich Arbeitsmarkt verantwortlich ist. „Aber es schränkt sehr ein.“
Bewerbungsunterlagen
Bei der Bewerbung sind einige Unterschiede zu beachten: Anders als in Deutschland wollen französische Firmen statt vollständiger Bewerbungsmappen zunächst meist nur ein Anschreiben, die Lettre de motivation, und einen Lebenslauf (Curriculum Vitae oder kurz CV) sehen.
„In Frankreich ist es bei der ersten Bewerbung nicht notwendig, dass man sofort seine ganzen Unterlagen mit Urkunden und Bescheinigungen einreicht“, sagt Cotting. Das heißt nicht, dass auf Diplome und Qualifikationen wenig Wert gelegt würde: „Diplome spielen in Frankreich insgesamt eine große Rolle“, sagt Cotting, die für die Online-Stellenbörse der CFACI verantwortlich ist. Das gelte insbesondere für Berufseinsteiger. „Das sieht man ganz deutlich in den Anzeigen: Bac+2, +3, +4 sind Angaben, die in den Anforderungsprofilen immer wieder vorkommen, weil man dazu tendiert, die Bewerber danach einzuordnen.“ Dahinter verbirgt sich die Angabe der Ausbildung nach dem „Bac“, dem Abitur, in Studienjahren. Erwartet ein Arbeitgeber in Frankreich mindestens „Bac+2“ oder „Bac+3“, entspricht das einem abgeschlossen Bachelor oder Vordiplom.
Die deutschen Diplome selbst im Lebenslauf zu übersetzen sei riskant, warnt Cotting. Besser sei es, die deutsche Bezeichnung beizubehalten und eine Erklärung hinzuzufügen oder bei den zuständigen Behörden nach einer Übersetzung zu fragen. Weitere gängige Abkürzungen in Jobanzeigen sind CDI (Contrat à durée indéterminée) für eine unbefristete Stelle oder CDD (Contrat à durée déterminée) für eine befristete. Ist der Job in der „IDF“, geht es um einen Arbeitsplatz im Pariser Großraum (Ile de France).
Bewerber können mit einer schnellen Entscheidung rechnen: „Unternehmen tendieren dazu, im letzten Moment zu suchen“, erklärt Cotting. „In Frankreich werden Bewerber in der Regel nur ein oder zwei Monate vor dem geplanten Stellenantritt gesucht. Selbst wenn es in dem Jobangebot nicht ausdrücklich vermerkt ist, sollte man davon ausgehen, dass die Stelle sofort zu besetzen ist.“ Allerdings sei das Verfahren tendenziell länger, je wichtiger die Position ist. Keine Nachricht ist dann eher eine schlechte Nachricht.
Bekommt man die Stelle, sind weitere Besonderheiten festzustellen: So verlassen Franzosen das Büro tendenziell später, erklärt Cotting: „Es wird weiterhin gern gesehen, wenn man relativ lange bleibt.“
Der Arbeitstag, vor allem in Paris, wo die Menschen im Schnitt 45 bis 60 Minuten zur Arbeit fahren, fange aber auch oft später an. Und die 35-Stunden-Woche bedeutet oft nicht, dass man kürzere Arbeitstage hat: „Die große Mehrheit der Unternehmen hat sich für einen Ausgleich durch freie Tage entschieden“, sagt die Expertin Catherine Cotting.
Gute Kinderbetreuung
Ein Vorteil seien die Kinderbetreuungsangebote, die es einfacher machten, Familie und Beruf zu vereinbaren. Die Schule findet ganztags statt. Schon ein Viertel aller Kinder ab zwei Jahren und praktisch alle Drei- bis Fünf-Jährigen gehen nach Angaben des französischen Bildungsministeriums in die Vorschule, die École maternelle. Für die Kleinsten gibt es auch verschiedene Angebote zwischen Krippen und individueller Betreuung.
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