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Tabuthema psychische Erkrankungen: Chefs sollten Einfühlungsvermögen zeigen

zuletzt aktualisiert: 25.11.2010 - 11:11

München/Berlin (RPO). Psychische Erkrankungen nehmen zu, sind aber immer noch ein Tabu. Das gilt erst recht am Arbeitsplatz, wo in erster Linie Leistung und Belastbarkeit zählen. Betroffene Arbeitnehmer zögern daher häufig, offen mit ihrer Krankheit umzugehen. Daher kommt es vor allem auf das Einfühlungsvermögen der Führungskräfte an.

"Chefs sind vor allem Tatmenschen und wollen bei Problemen immer gleich Lösungen präsentieren." Wichtig sei aber oft, zuerst einmal zuzuhören, sagte Werner Kissling vom Centrum für Disease Management an der Technischen Universität München dem dpa-Themendienst. 

Hauptgrund für die steigende Zahl psychischer Erkrankungen sei die Verdichtung und Beschleunigung von Arbeitsabläufen. "Druck und Stress sind Auslöser psychischer Krankheiten", sagte Kissling anlässlich eines Kongresses, den das Centrum gemeinsam mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände am Montag in Berlin veranstaltete.

Auch hier sei wieder der Chef gefragt - Führungskräfte hätten erheblichen Einfluss auf das Arbeitsklima im Unternehmen oder in der Abteilung: "Wer darauf achtet, seine Mitarbeiter nicht zu überlasten, kann die Fehlzeiten teilweise deutlich reduzieren."

Sich gegen Überlastung wehren

So ein Verhalten lohne sich auch wirtschaftlich, erklärte Kissling. "Pro Jahr entstehen in Deutschland alleine durch psychische Erkrankungen rund 50 Millionen Fehltage." Arbeitnehmern mit psychischen Erkrankungen empfiehlt er, sich gegen Überlastung zu wehren: "Man muss auch mal Arbeit ablehnen können." Wenn der Chef das nicht akzeptieren könne, sei unter Umständen auch ein Jobwechsel die richtige Maßnahme: "Das ist oft die beste Prävention gegen psychische Erkrankungen."

Die häufigsten psychischen Erkrankungen sind Angst- und Suchterkrankungen sowie Depressionen - zu denen Kissling auch das Burnout-Syndrom zählt: "Das Burnout-Syndrom ist ein sehr nützliches Modewort, aber im Grunde nichts anderes als eine Depression." Ein "Burnout" werde gesellschaftlich aber eher akzeptiert.

Die Stigmatisierung psychisch Kranker sei in den vergangenen Jahren grundsätzlich zurückgegangen. Das sei ein weiterer Grund dafür, warum die Zahl der psychischen Erkrankungen kontinuierlich steigt, erläuterte Kissling: "Immer mehr Menschen trauen sich heute, zu ihrer psychischen Krankheit zu stehen." Zudem seien Ärzte auch besser geschult und würden psychische Probleme besser diagnostizieren.

Quelle: tmn/mais

 
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