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Gute Aussichten und sehr gutes Gehalt: Chemikanten – Tüftler für Alles

VON KRISTIN KRUTHAUP - zuletzt aktualisiert: 20.02.2012 - 07:41

Frankfurt/Main (RPO). In der Chemiefabrik, in der Wladimir Cholodkow arbeitet, stellen sie Granulat her. Granulat brauchen Hersteller für alles Mögliche - von der Gießkanne bis zum Kinderspielzeug. "Wir füllen zum Beispiel eine flüssige Substanz in einen Behälter und erhitzen ihn auf 260 Grad", sagt er. "Danach hat man eine Kunststoffpaste. Aus der kann man dann die Granulatkügelchen machen."

Gute Bezahlung und gute Jobaussichten: Chemikanten kontrollieren, ob die Maschinen in Chemiefabriken reibungslos laufen. Foto: dpa, BASF SE, B. Kunz
Gute Bezahlung und gute Jobaussichten: Chemikanten kontrollieren, ob die Maschinen in Chemiefabriken reibungslos laufen. Foto: dpa, BASF SE, B. Kunz

Wladimir Cholodkow, 19 Jahre alt, macht seit zweieinhalb Jahren eine Lehre bei Provadis im Industriepark Höchst in Frankfurt am Main zum Chemikanten. Die Aufgabe von Chemikanten ist es, zu überwachen, dass die Maschinen und Anlagen in Chemiefabriken reibungslos funktionieren. Er schaut etwa, ob die Flüssigkeit ordentlich in den Behälter hereinläuft, sie tatsächlich auf 260 Grad erhitzt wird und anschließend auch vollständig wieder rauskommt. "Das passiert alles automatisch", sagt er. "In der Regel überwachen wir nur die Messinstrumente."

Während ihrer Schicht sitzen Chemikanten meist in der Messwarte, einem klimatisierten Raum in der Fabrikhalle, in dem die Messgeräte stehen. Aber wenn es irgendwo klemmt, müssen sie raus und selbst in der Fabrikhalle nachschauen - und im Fall die Maschine auch reparieren. "Man muss körperlich schon etwas vertragen können und auch einmal ein Rohr auseinander schrauben", sagt er. Ganz ungefährlich ist es in der Fabrikhalle nicht. Als Schutzbekleidung sind eine schwer entflammbare Hose sowie ein entsprechendes Hemd vorgeschrieben. Dazu kommen Helm, Schutzbrille und Sicherheitsschuhe.

Info

Aufstiegsmöglichkeiten von Chemikanten

Nach der Ausbildung haben Chemikanten verschiedene Möglichkeiten, sich weiterzubilden und aufzusteigen. „Sie können eine Weiterbildung zum Meister oder zum Techniker machen”, sagt Sebastian Kautzky vom Bundesarbeitgeberverband Chemie in Wiesbaden. Wer die Ausbildung abgeschlossen hat, könne außerdem überlegen, Chemietechnik zu studieren.

"Die Jobaussichten sind exzellent"

Jedes Jahr beginnen rund 9000 junge Menschen eine Ausbildung in der Chemiebranche. Der häufigste Ausbildungsberuf ist dabei der Chemikant. Der Branche geht es gut. "Die Jobaussichten sind exzellent", sagt Sebastian Kautzky vom Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC). Zu den großen Firmen in der Branche zählen Firmen wie BASF oder Evonik. Die Mehrheit der Unternehmen sind aber Mittelständler. Regional ließen sich die Chemieunternehmen oft entlang des Rheins verorten - etwa in Leverkusen und Ludwigshafen.

Kautzky sieht in dem Beruf des Chemikanten vor allem zwei Vorteile: "Es ist ein sicherer Job mit einer guten Bezahlung", sagt er. Außerdem sei der Job vielseitig. "Chemie gibt es in 1000 Formen. Das fängt beim Öl an und dann gibt es zahlreiche Zwischenstufen. Die Chemikanten haben deshalb mit unterschiedlichsten Geräten zu tun."

Wladimir Cholodkow hat sich für den Beruf entschieden, weil sein großer Bruder bereits begeistert Chemikant gelernt hat und ihm die Lehre ans Herz legte. Gleichzeitig waren bei ihm Chemie und Mathe die Fächer, in denen er in der Schule am besten war. Und außerdem stimme das Geld, sagt er. "In der Chemiebranche wird man überdurchschnittlich bezahlt."

Laut der Bundesagentur für Arbeit verdienen Chemikanten in der Ausbildung im ersten Lehrjahr zwischen 660 und 720 Euro brutto. Im letzten halben Jahr der dreieinhalb Jahre langen Ausbildung steigert sich die Vergütung auf rund 780 bis 920 Euro. Nach Angaben von Kautzky können Lehrlinge im letzten Ausbildungsjahr sogar auf rund 1000 Euro brutto im Monat kommen. Nach der Lehre liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt laut der Bundesagentur für Arbeit irgendwo zwischen 2500 und 2800 Euro brutto.

Bestimmter Schulabschluss nicht vorgeschrieben

Wer sich für den Job interessiert, sollte in der Schule Chemie gemocht haben. "Geschaut wird auch auf die Noten in Mathe, in anderen Naturwissenschaften und in den Technikfächern", sagt Kautzky. Und obwohl ein bestimmter Schulabschluss nicht vorgeschrieben ist, haben die meisten Lehrlinge doch einen Realschulabschluss.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung haben im Jahr 2009 in Bonn 1566 Menschen eine Lehre zum Chemikanten begonnen. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der neuen Azubis hatten einen Realschulabschluss. Etwa ein Viertel (23 Prozent) machte sogar Abitur, 8 Prozent hatten einen Hauptschulabschluss.

Bleibt die Sache mit der Schichtarbeit. Junge Menschen, die eine Ausbildung zum Chemikanten machen, sollten sich darauf einrichten, dass sie ihr ganzes Berufsleben lang in Schichten arbeiten werden.
"Der Rhythmus ist bei vielen: Tagschicht, Nachtschicht, frei, frei", sagt Cholodkow. Junge Leute machten das gerne, sagt er. Ihm komme es so vor, als habe er durch die Schichtarbeit mehr Freizeit. Sorgen macht ihm nur, wie das wird, wenn er einmal älter ist. "In den Chemiebranche wird auch am Wochenende und an den Feiertagen gearbeitet. Mit einer Familie ist das wahrscheinlich nicht so angenehm."

Quelle: tmn

 
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