Sabbatical in der Praxis: "Den Erfahrungshorizont erweitern"
zuletzt aktualisiert: 31.12.2002 - 10:27Über berufliche Auszeiten wird viel diskutiert. Wie aber sieht es in der Praxis aus? Konrad M. Reimann von der Unternehmens- und Personalberatung KMR in Saarbrücken berät hauptsächlich Menschen, die im kaufmännischen, medizinischen oder im Bereich der IT tätig sind. RP-Online fragte Konrad M. Reimann nach dem Sinn von Sabbaticals.
Welche Ziele haben Mitarbeiter, die ein Sabbatical-Jahr machen wollen?
Die Mitarbeiter wollen Abstand von den Routinetätigkeiten gewinnen und sich gleichzeitig für weitere, anspruchsvollere Aufgaben vorbereiten. Hier besteht ein gravierender Unterschied zu Mitarbeitern im öffentlichen Dienst, insbesondere zu Lehrberufen. In den meisten mir bekannten Fällen wird das Sabbatical als Mischform zwischen Weiterbildung und Erweiterung des Erfahrungshorizontes genutzt - in vielen Fällen mit dem Erlernen oder Vertiefen von Sprachkenntnissen.
Wie erweitern die Sabbatical-Nehmer ihren Erfahrungshorizont?
Gerne werden längere Auslands-Aufenthalte genutzt, kombiniert mit dem Erlernen oder Auffrischen von Fremdsprachen. Konzerne, die auch in Südamerika vertreten sind, lassen ihre Mitarbeiter vor Ort Spanisch oder Portugiesisch lernen. Mitarbeiter in der IT-Branche können beispielsweise eine Zeit in den USA verbringen. Dort arbeiten sie in Software-Unternehmen mit, etwa bei der Herstellung von bestimmten Programmen. Dies geht allerdings nur, wenn zwischen den beiden Unternehmen guter Kontakt besteht. Die Neuerfahrungen werden durch ausreichende Freizeit abgerundet.
Ein Sabbatical hält Mitarbeiter für längere Zeit vom Firmengeschehen fern. Was versprechen sich Chefs, die Ihre Mitarbeiter in eine berufliche Auszeit schicken?
Ich habe noch nicht erlebt, dass ein Chef seine Mitarbeiter in das Sabbatical "schickt". In den mir bekannten Fällen geht der Wunsch von den Mitarbeitern aus. Die Vorteile für Betrieb und Mitarbeiter werden in gemeinsamen Gesprächen dargestellt. Unter Umständen erhält der Mitarbeiter von "seinem Betrieb" auch noch eine Unterstützung, vor allem in den Fällen, in denen das Vorhaben des Mitarbeiters in die Strategie des Unternehmens passt.
Gibt es Untersuchungen dazu, ob diese Ziele auch erreicht werden?
Sind mir nicht bekannt.
Spielen gesundheitliche Probleme wie Magenbeschwerden eine Rolle, wenn jemand eine berufliche Auszeit will?
Aus dem Personenkreis, den wir betreuen, hat noch niemand gesundheitliche Probleme als Grund für ein Sabbatical genannt. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass unsere Auftraggeber Menschen mit Führungsverantwortung oder spezialisierte "Einzelkämpfer" suchen.
Haben Sie in Ihrer Beratungstätigkeit bei Ihren Kunden das "Burnout-Syndrom" kennen gelernt?
Nein! Wenn mit Burnout eben die lästig gewordene Routine gemeint ist, dann allerdings ja. Wir haben nicht einmal bei Softwareentwicklern dieses Syndrom kennen gelernt.
Wer im Arbeitsleben steht, ist an feste Zeiteinteilungen und Termine gewöhnt. Wenn all dies auf einmal fehlt, wirft das die Sabbatical-Nehmer nicht aus der Bahn?
Mitarbeiter, die das Sabbatical nicht als Langzeiturlaub, sondern als Chance zur Weiterbildung im weitesten Sinn begreifen, sind sich der Ausnahmezeit bewusst. Der Wiedereinstieg in das geregelte Arbeitsleben macht hier keine Probleme.
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