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Arbeiten bis zum Umfallen: Der Job kann Spaß machen - aber auch krank

zuletzt aktualisiert: 05.02.2007 - 09:09

Hamburg/Köln (RPO). Spaß im Beruf ist wichtig. Bei vielen überwiegt aber oft der Stress. Und Stress macht auf Dauer krank. Im schlimmsten Fall kann das sogar tödlich enden. In Japan gibt es ein eigenes Wort dafür: Karoshi. Es bedeutet, dass manche dort buchstäblich arbeiten, bis sie tot umfallen.

Der Hintergrund sind der immer größere Leistungsdruck und die ausufernden Arbeitszeiten. Trotz offizieller 40-Stunden-Woche bleiben in Japan viele Arbeitnehmer bis in die Nacht im Büro. Ganz so schlimm ist es in Deutschland nicht, aber auch hier ist Stress am Arbeitsplatz verbreitet.

Was Stress ist und wo er anfängt - darüber lässt sich lange diskutieren. "Stress liegt dann vor, wenn die Anforderungen die Bewältigungsmöglichkeiten überschreiten", zitiert Prof. Andreas Weber eine Definition des Internationalen Arbeitsamtes in Genf. Es lässt sich nicht objektiv an einer bestimmten Arbeitsbelastung festmachen: Was den einen stresst, lässt den anderen ganz ruhig bleiben. "Und für Morgenmuffel kann ein Vortrag am Nachmittag problemlos, um 7.30 Uhr aber richtig stressig sein", so der Arbeitsmediziner aus Köln.

Warnsignale vom Körper

Aber es gibt Hinweise, dass etwas verkehrt läuft: "Der Körper schickt Warnsignale, dass man nicht so weitermachen soll", sagt der Arzt und Coach Jörg-Peter Schröder aus Budenheim (Rheinland-Pfalz). "Ein typisches Signal ist ein Bandscheibenvorfall. Der hat auch etwas damit zu tun, dass man etwas nicht mehr ertragen kann oder die Verantwortung zu schwer wird."

"Unausgeglichenheit, Ungeduld oder schlechte Stimmung sind Signale des eigenen Frühwarnsystems", ergänzt Christine Öttl, Karriere-Coach aus München. In diesem Stadium reichen oft schon kleine Hilfsmittel: "Bewusst Pause machen", empfiehlt die Expertin. Mehr Bewegung sei in jedem Fall eine gute Idee.

Schwieriger wird es, wenn die Stresssymptome lange ignoriert werden: "Die letzte Stressstufe ist Burnout", sagt Öttl. "Das ist brutal. Da funktioniert dann oft gar nichts mehr. Da helfen auch keine Anti-Stresstipps, dann braucht man professionelle Hilfe." Ob es dazu kommt, ist nicht in erster Linie eine Frage der Arbeitsbelastung: "Lange Arbeitszeiten gab es früher auch", sagt Carola Kleinschmidt. "Aber das Gefühl von Unsicherheit ist bedrohlich größer geworden", so die Autorin aus Hamburg.

Angst macht Stress

Die Angst vor dem Verlust der Arbeit ist dabei viel größer als das reale Risiko. "Und die Angst macht den Stress", sagt Kleinschmidt. "Immer mehr Arbeitnehmer fühlen sich ohnmächtig und der globalen Entwicklung ausgeliefert." Die Zahl der Fehltage aufgrund von psychischen Beschwerden nimmt kontinuierlich zu.

Stress ist aber auch eine Frage der persönlichen Einstellung: "Ich kann versuchen zu klären, was stresst mich am Arbeitsplatz, was kann ich ändern?", sagt Carola Kleinschmidt. Mancher Arbeitnehmer macht sich selber Stress, weil er unrealistischen Karrierezielen hinterherhechelt. Andere muten sich ein unnötiges Arbeitspensum zu.

Arbeitnehmer sind jedoch machtlos, wenn es um Unternehmenskultur und Führungsstil geht. Entscheidend für die Arbeitsatmosphäre ist nicht zuletzt der Chef: "Führungsverhalten ist ein wichtiger Faktor", sagt Weber. Wer ständig Druck ausübt und Angst verbreitet, macht auch Stress. "Wobei gerade das mittlere Management extremen Belastungen ausgesetzt ist - dem Druck von oben und dem Erwartungsdruck der Belegschaft von unten." Gerade für Führungskräfte gilt deshalb, dass Arbeit richtig Spaß machen kann, aber auch richtig krank.


 
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