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Widerstände im Job: Elternzeit: Väter haben es noch immer schwer

zuletzt aktualisiert: 18.05.2008 - 09:39

München/Paderborn (RPO). Noch immer nutzen nur wenige Väter die Möglichkeit, in Elternzeit zu gehen. Kein Wunder: Wenn Väter sich in Vollzeit um ihre Kinder kümmern möchten, sind die Widerstände weiterhin groß. Viele Männer haben Angst um ihre Karriere - nicht immer ganz zu unrecht.

Der Rollenwechsel vom Brötchenverdiener zum aktiven Vater ist keine Kleinigkeit. Die Regelung zum Elterngeld, das nur dann 14 Monate lang gewährt wird, wenn auch der Vater mindestens zwei Monate aus dem Beruf aussteigt, hat daran wenig geändert.

Experten bescheinigen den Männern allerdings, nicht per se weniger geeignet für den Job zwischen Wickelkommode und Herd zu sein. Wenn sie den Schritt raus aus dem Büro oder weg von der Werkbank geschafft haben, seien sie zu derselben Fürsorge in der Lage wie Mütter, sagt Prof. Hartmut Kasten vom Institut für Frühpädagogik in München. "Und sie sind bei der Betreuung der Kinder genauso geschickt."

Männer, die in Elternzeit gehen, seien auch in der Lage, alle Aufgaben zu bewältigen, die damit verbunden sind - also nicht nur Ballspielen mit den Kleinen, sondern auch Putzen, Kochen und Einkaufen. Das Problem sei einfach: "Das machen eben nur sehr wenige."

Auch den aktuellen Zuwachs an Männern in Elternzeit sieht der Familienforscher nüchtern: "Da gibt es keinen Grund zu Euphorie." Die Zunahme sei damit zu erklären, dass der Kreis derer größer geworden ist, für den sich das finanziell lohnt. "Die neuen Väter gibt es nicht", ist Kasten überzeugt.

Nach wie vor sei der Druck in der Arbeitswelt zu groß, als dass sich Männer in großem Stil trauten, die Betreuung ihrer Kinder zu übernehmen. "Die Kollegen sagen, was macht der denn da?" Und in den Unternehmen herrsche oft eine Kultur, die Väter abschrecke, diesen Schritt zu wagen.

Angst um die Karriere

Selbst von denen, die eigentlich Elternzeit nehmen möchten, macht es nur ein kleiner Teil: "Umfragen zeigen, dass mehr als ein Drittel gerne aktive Väter wären", sagt Volker Baisch vom Verein Väter in Hamburg. "Aber drei Viertel aller Männer fürchten sich vor Karriereeinbußen, wenn sie sich um die Kinder kümmern."

Baisch selbst hat sich getraut und Elternzeit genommen. Aber er hat auch gemerkt, wie groß die Unsicherheit der Männer bei diesem Thema ist. Der Verein bietet deshalb unter anderem Elternzeitberatung an. Auch Robert Richter war in Elternzeit. Inzwischen promoviert der Erziehungswissenschaftler an der Uni Paderborn über Väter: "Väter sehen sich heute nicht mehr nur als Ernährer", sagt Richter. "In ihrer Einstellung sind sie schon viel familienorientierter. Nur die Umsetzung findet dann oft nicht statt." Meistens bleibe einfach der Partner zu Hause, der weniger verdient.

Selbstwertgefühl oft stark vom Job abhängig

Männer, die sich intensiv um die Kinder kümmern wollen, müssen also gleich mehrere Hürden überwinden. Zum Teil unterschätzten Väter allerdings auch, was alles auf sie zukommt, sagt Matthias Ochs, Familien- und Psychotherapeut von der Universtitätsklinik Heidelberg. Häufig werde das Elternsein idealisiert. Das liege auch daran, dass die Männer nicht auf die Erfahrungen anderer zurückgreifen können. "Ihre Väter haben sich in der Regel ja nicht um die Kinderbetreuung gekümmert."

Was den Rollenwechsel zusätzlich erschwert, ist aber auch, dass für Männer das Selbstwertgefühl oft stark vom Beruf abhängt: "Es ist gar nicht so leicht, auf die Anerkennung am Arbeitsplatz zu verzichten", sagt Ochs.

Bei der Rückkehr in den Job droht das Burnout

Richtig stressig wird es oft erst hinterher - wenn die Männer auf den Geschmack gekommen sind und sich am liebsten aus der Kinderbetreuung nicht wieder ausklinken würden. Wenn Beruf und Familie unter einen Hut gebracht werden müssen, haben sie das typische "Vereinbarkeitsproblem", das bislang vor allem bei Frauen zu beobachten ist. Gerade Männer mit kleinen Kindern seien verstärkt burnoutgefährdet, sagt Matthias Ochs.

Volker Baisch ist trotz allem optimistisch. "Die Zahl der Väter in Elternzeit wird steigen. Vielleicht sind es nächstes Jahr schon 20 Prozent." Viele Arbeitnehmer werden nach seiner Beobachtung selbstbewusster, was das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie angeht.

Und auch in den Unternehmen gebe es die Chance auf einen Wandel: Die Blockierer seien oft die älteren Vorgesetzten über 50, die selbst ein anderes Rollenverständnis gelebt haben. "Aber da wächst eine neue Generation heran", sagt Baisch.

So schlimm wie früher, als aktive Väter belächelt wurden, sei es ohnehin nicht mehr, sagt Matthias Ochs. Die meisten Männer, die Elternzeit gemacht haben, fänden das toll. Entsprechend viele denken darüber nach, wie sie hinterher mehr Zeit für die Familie bekommen.

Umfragen zeigten, dass Männer gerne weniger arbeiten würden, so Richter: "Das gehört zu den geheimen Wünschen der Männer: ein freier Tag in der Woche für die Kinder."

Quelle: tmn

 
 
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