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"Milk 2010"in München: Erste Karrieremesse für Schwule und Lesben

zuletzt aktualisiert: 06.03.2010 - 10:02

München (RPO). In der Politik regt sich spätestens seit Klaus Wowereit und Guido Westerwelle kaum jemand mehr über Homosexualität auf. Doch wer sich in der eigenen Firma outet, hat danach oft nicht unbedingt bessere Karten. Deshalb hat Stuart Cameron die erste schwullesbische Karrieremesse "Milk 2010" in München organisiert.

Die Messe soll dazu beitragen, dass auch in der Wirtschaft ein toleranter und offener Umgang mit Schwulen und Lesben zur Norm wird. Denn bislang sei das anders: "Ich kenne niemand aus dem höheren Management, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt", sagt Cameron. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Andreas Wikberg hat er eineinhalb Jahre lang an dem für Deutschland bislang einzigartigen Messekonzept gearbeitet.

Benannt ist die Veranstaltung, zu der am Samstag in der Alten Kongresshalle in München 1500 Gäste erwartet werden, nach dem schwulen US-Bürgerrechtler und Stadtrat von San Francisco, Harvey Milk, der 1978 einem schwulenfeindlichen Attentat zum Opfer fiel. Die USA seien in Sachen Diversity-Management schon viel weiter, sagt Cameron.

Beim sogenannten Diversity-Management (deutsch: Vielfalt) geht es darum, kulturelle und persönliche Unterschiede der Mitarbeiter nicht als lästige Angelegenheit, sondern als Gewinn zu betrachten. "Leute mit anderen Denkweisen führen oft zu ganz anderen, neuen Perspektiven", sagt Cameron. Außerdem steige die Leistungsbereitschaft, wenn schwule oder lesbische Mitarbeiter in einem entspannten und angstfreien Umfeld arbeiten könnten.

Diese Vorteile nutzten viele Unternehmen noch nicht. "Die meisten Mitarbeiter outen sich bislang nicht und bauen ihren Vorgesetzten und Kollegen gegenüber eine zweite Identität auf, was sehr viel Kraft kostet", sagt Cameron. Wer es dennoch wage, müsse damit rechnen, Opfer von Mobbing zu werden. "Das geschieht natürlich nicht offen. Man wird eben von Informationen abgeschnitten oder bei Beförderungen übergangen." Der wahre Grund werde selten bekannt.

Wirtschaft ignoriert das Thema

Dass es Schwule und Lesben in Unternehmen oft noch schwer haben, kann Harald Christ bestätigen, der auf einem Diversity-Kongress am Tag vor der Messe sprechen wird. Christ war Banker in hohen Positionen und als SPD-Politiker sogar Mitglied in Frank-Walter Steinmeiers Schattenkabinett zur Bundestagswahl 2009. "In der Wirtschaft ist Homosexualität immer noch alles andere als normal", sagt Christ. "Die Tatsache, dass ich schwul bin, habe ich in meinem Job völlig ausgeblendet. Das war einfach kein Thema." Natürlich sei es belastend, wenn man wesentliche Teile der eigenen Persönlichkeit geheim halten müsse. "Man fühlt sich einfach nicht ganz frei."

Der heute 38-jährige outete sich erst, als er aus dem operativen Geschäft ausgestiegen war. Die öffentlichen Reaktionen auf diesen Schritt seien durchwegs positiv gewesen. Mittlerweile sucht Christ wieder nach einem Job in einem Unternehmen. Es wäre die Probe aufs Exempel. "Wenn es für einen Job drei gleich gut geeignete Bewerber gibt und einer ist schwul - wer, glauben Sie, wird nicht genommen?"

Die Messegäste in München erwartet ein breit gefächertes Programm. Es gibt Workshops für Berufseinsteiger und Führungskräfte sowie ein Speed-Networking, bei dem man in kurzer Zeit viele Menschen kennenlernen soll, die einem bei der Karriere vielleicht nützlich sein können. "Die berufliche Entwicklung läuft stark über Netzwerke und Kontakte. Da gibt es für Schwule und Lesben noch sehr wenig Angebote", sagt Cameron.

Außerdem können sich auf der MILK 2010 Unternehmen als sogenannte "gay-friendly"-Arbeitgeber präsentieren, darunter der Axel Springer Verlag, IBM Deutschland, die Deutsche Telekom AG, die Kölner Ford-Werke und die Deutsche Bank. Der Finanzkonzern unterstützt schon seit zehn Jahren ein "Rain-bow"-Netzwerk von Schwulen und Lesben, die bei der Deutschen Bank arbeiten. "Unsere homosexuellen Mitarbeiter sollen wissen, dass ihnen die Deutsche Bank ein vorurteilsfreies Arbeitsumfeld bietet und Diskriminierungen am Arbeitsplatz nicht geduldet werden", sagt Aletta von Hardenberg, die in Deutschland für Diversity verantwortliche Managerin. "Nur wer sich bei uns wohlfühlt, kann seine Talente frei entfalten." Zum eigenen Nutzen und, natürlich, zum Wohle des Unternehmens.

 

Quelle: DDP/mais

 
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