Schattendasein: Franchisebranche sucht 15.000 Gründer
VON JOSÉ MACIAS - zuletzt aktualisiert: 15.11.2005 - 08:18Düsseldorf (RP). Hierzulande fristet die Franchisebranche noch ein Schattendasein im Vergleich zum Erfolg im Ausland. Dabei setzen immer mehr Existenzgründer auf erfolgreiche Franchisekonzepte. Franchising hat sich als Geschäftsmodell auch in Deutschland längst durchgesetzt allerdings ist es für viele Verbraucher als solches nicht erkennbar.
Ob Branchengrößen wie McDonald’s, Kamps, Accor, Leonardo oder Schülerhilfe ohne Franchising hätte so manche gute Marketingidee wohl so schnell keine Verbreitung gefunden.
In der Tat hat sich die Zahl der Franchisegeber im letzten Jahrzehnt in Deutschland von rund 530 auf etwa 900 deutlich gesteigert. Und immer mehr Existenzgründer setzen auf bestehende Geschäftsmodelle und Strategien. Immerhin verzeichnet der Deutsche Franchise-Verband inzwischen 48.000 Franchisenehmer, die rund 28 Milliarden Euro erwirtschaften. Doch warum sind viele Franchisesysteme so erfolgreich? „Weil ihre Gründer ein Gespür für Marketing haben sie sind groß geworden durch gute Geschäftsideen und gutes Management”, erläutert Pascal Feyh, Geschäftsführer der Beratergesellschaft Go Franchise in Wuppertal. Voraussetzung ist allerdings, dass die Franchise-Idee etwas taugt und auch der Franchisenehmer zur Philosophie des Unternehmens passt.
Hierbei trennt sich oftmals die Spreu vom Weizen. „Bei der Rekrutierung von potenziellen Franchisenehmern gibt es durchaus Engpässe”, bestätigt Jochen Wilfling, Existenzgründungsberater von Go Franchise im Großraum Düsseldorf. Denn nicht jeder hat das Zeug zum erfolgreichen Franchisenehmer, wenn wesentliche Voraussetzungen wie Knowhow, betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse oder einfach das Geld fehlen. Zudem ist so manche Franchise-Idee ausgereizt. „Wer sich bei den ganz großen Franchisesystemen wie McDonald’s oder Fressnapf bewirbt, erhält heutzutage mit großer Wahrscheinlichkeit eine Absage”, so Feyh. Zumal gerade diese Beispiele hohe Investitionskosten voraussetzen: Allein die Burger-Kette erhält jährlich rund 3000 Blindbewerbungen für ihr Franchisesystem.
Großen geraten an Grenzen
Allerdings sind die Phasen der stürmischen Expansionen bei den großen Systemen zunächst vorbei. Und auch der garantierte Gebietsschutz für bestehende Franchise-Verträge trägt dazu bei, dass das System bei den Großen an seine Grenzen geraten ist. Abschrecken sollte das jedoch keinen Existenzgründer. „Die große Masse der Franchisesysteme in Deutschland ist mittelständisch orientiert und bietet daher noch zahlreiche Chancen für Existenzgründer”, betont Pascal Feyh. Geeignete Franchisenehmer werden daher derzeit bundesweit gesucht. Rund 15.000 Franchisenehmer dürften es allein bei den rund 60 Franchisesystemen sein, die Go Franchise derzeit betreut.
Branchenschätzungen zufolge kommen pro System bis zu 200 Franchisenehmer in Frage, je nach Ausrichtung und Geschäftsmodell. Jochen Wilfling sieht auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Chancen für Erfolge im Franchise. „Im Schnitt beschäftigt jeder Franchisenehmer rund zehn Mitarbeiter. Eine Studie der Universität Mainz verheißt daher der Franchisebranche in Deutschland ein Potenzial von 200.000 neuen Jobs.” Dienstleistungen sind daher derzeit bei Franchising stark im Kommen vor allem solche, die handwerklich geprägt sind. „Allerdings werden hierbei nicht Handwerker als Franchisenehmer gesucht, sondern eher handwerklich orientierte Kaufleute, die es verstehen, mit viel Marketing- und Vertriebsgespür das Geschäft zu führen”, erläutert der Go Franchise-Geschäftsführer.
Managerwissen gefragt
Auch expansionsfreudige Nachhilfeinstitute wie Schülerhilfe oder Studienkreis suchen daher weniger Lehrer als Franchisenehmer, sondern eher einen Manager für den Aufbau eines regionalen privaten Bildungs-Instituts. Interessant ist zudem, dass der Einzelhandel im Franchising weiter wächst ganz im Gegensatz zum allgemeinen Trend in der deutschen Wirtschaft. Aber er konzentriert sich dabei auf Kernbereiche. Systeme wie Fressnapf, O2, Mobilcom oder Tchibo zählen beispielsweise dazu.
Auch wenn das System bereits erprobt ist eine Garantie für einen Erfolg gibt es nirgendwo. Deshalb gilt auch für Franchisenehmer, dass sie sich über ihre eigenen Möglichkeiten und die Idee des Systems im Klaren sein sollten. „Auch für Franchisenehmer gilt, dass sie möglichst 30 Prozent Eigenkapital mitbringen sollten, um gut zu starten”, so Geschäftsführer Feyh. Und auch das System selbst sollte genau untersucht werden. Neue Systeme drängen derzeit vor allem aus dem Ausland nach Deutschland. „Aber nur etwa die Hälfte bleibt tatsächlich auf dem Markt”, weiß Wilfling.
Verband warnt vor Schurken
Der Deutsche Franchise-Verband selbst warnt daher vor Schurken. Gerade beim aktuellen Franchise-Boom häuften sich die Klagen über missbräuchliche Nutzung des Begriffes Franchising. „Geschäftsideen, deren Markterprobung noch ausstehen, werden oft als Neuheit offeriert.” Mitglieder des Verbandes müssen sich daher seit Mai 2005 einem Qualitätscheck unterziehen. „Das sorgt für eine wertvolle Transparenz bei der Entscheidungsfindung der Existenzgründer”, heißt es dazu beim Verband. Alle drei Jahre werden alle Verbandsmitglieder diesem Check unterzogen. Allerdings sind nur knapp ein Viertel aller Franchisegeber in dem Verband organisiert.
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